Die Kosten im Griff
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Die Kosten im Griff

Energieresilienz ist heute ­Wettbewerbsfaktor. Warum Hotels jetzt handeln sollten

von Karoline Giokas
Mittwoch, 09.09.2026
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Die Zeiten, in denen steigende Energiekosten lediglich als vorübergehende Belastung betrachtet wurden, sind vorbei. Schwankende Energiepreise, regu­latorische Anforderungen und steigende Erwartungen von Investoren und Gästen machen deutlich: Hotels müssen ihre Energieversorgung strategisch neu denken. Energieresilienz bedeutet dabei weit mehr als kurzfristiges Sparen. Es geht darum, den Betrieb langfristig widerstandsfähig aufzustellen.

„Die Volatilität der Energiepreise wird voraussichtlich weiter bestehen. Besonders resilient werden daher jene Hotels sein, die ihren Verbrauch verstehen, Ineffizienzen erkennen und Ressourcen langfristig managen“, erklärt Cristina de Oliveira-­Frewen, Chief Operating Officer Franchise Operations Europe & North Africa bei Accor. Der erste Schritt ist dabei überraschend einfach: messen statt schätzen. Nur wer genau weiß, wo Energie verbraucht oder verschwendet wird, kann gezielt gegensteuern.

Heizung, Lüftung und Klimatisierung (HLK) zählen zu den größten Energiekostenfaktoren eines Hotels.
Heizung, Lüftung und Klimatisierung (HLK) zählen zu den größten Energiekostenfaktoren eines Hotels. Eine Absenkung der Temperatur um 1 °C kann, ohne das Gästeerlebnis zu beeinträchtigen, die Energiekosten um bis zu 7 % reduzieren. Foto: stefanie friedrich

Kleine Maßnahmen mit großer Wirkung

Nicht jede Verbesserung erfordert millionenschwere Investitionen. In bestehenden Gebäuden steckt bereits viel Potenzial. Optimierte Heizungs- und Klimasteuerungen, LED-Beleuchtung, regelmäßige Wartung und Belegungssensoren senken den Energieverbrauch oft deutlich. „Der Schlüssel liegt darin, bei der Effizienz anzusetzen: Jede Kilowattstunde, die gar nicht erst verbraucht wird, ist die kosteneffizienteste Energieeinsparung, die ein Hotel erzielen kann“, betont ­Oliveira-Frewen.

Wie groß die Einsparpotenziale tatsächlich sind, zeigt auch Betterspace auf. Nach Angaben des Unternehmens fließt in Hotels und anderen Nichtwohngebäuden bis zu ein Drittel der Heizenergie in ungenutzte Räume. Automatisierte Heizungssteuerungen, die die Raumbelegung berücksichtigen, können den Energieverbrauch erheblich senken – in Praxisprojekten waren Einsparungen von bis zu 25 Prozent möglich.

Cristina de Oliveira-Frewen von Accor
Resilienz beginnt damit, den eigenen Energieverbrauch wirklich zu verstehen. Cristina de Oliveira-Frewen von Accor; Foto: Accor/ Matt Writtle 2021

Digitale Helfer übernehmen das Energiemanagement

Besonders große Chancen sieht die Branche im Einsatz digitaler Gebäudetechnik. Moderne Energiemanagementsysteme analysieren Verbräuche in Echtzeit, erkennen Auffälligkeiten und passen Heiz- oder Kühlsysteme automatisch an Belegung, Wetter oder Nutzungsverhalten an.

„KI ermöglicht es uns, operative Daten in konkrete Maßnahmen umzusetzen. Sie kann Muster erkennen, Nachfrage prognostizieren, Heiz- und Kühlsysteme optimieren und Unwirtschaftlichkeiten aufdecken“, erklärt Oliveira-Frewen. Dabei bleibt der Komfort für den Gast unangetastet. Im Idealfall arbeitet die Technik völlig im Hintergrund und sorgt gleichzeitig für niedrigere Betriebskosten sowie einen geringeren CO₂-Ausstoß.

Resilienz ist eine Investition in die Zukunft

Bei Accor hat sich gezeigt, dass nachhaltige Erfolge immer aus dem Zusammenspiel von Technologie, Datentransparenz und operativer Umsetzung entstehen. Über 60 Maßnahmen unterstützt die Hotelgruppe inzwischen in ihren Häusern – von intelligentem Monitoring über LED-Umrüstungen bis zu KI-gestützten Analysen und Mitarbeiterschulungen. Ein Beispiel ist der europäische Hotelbetreiber Essendi, der seinen Energieverbrauch innerhalb eines Jahres um 3,2 Prozent senken konnte.

Gleichzeitig wird deutlich: Eine Universallösung gibt es nicht. Ob Stadthotel, Resort oder historisches Gebäude – jede Immobilie stellt andere Anforderungen. Entscheidend ist deshalb, die Maßnahmen individuell auf das Gebäude und den Betrieb abzustimmen.

Das Novotel Genf hat 2024 eine Dämmfolie eingebaut
Investition am Gebäude: Das Novotel Genf hat 2024 eine Dämmfolie eingebaut, um Wärmeverluste zu verringern und den Wärmedurchgang zu reduzieren. Dadurch wird weniger Energie für das Heizen oder Kühlen benötigt, was zu erheblichen Einsparungen führt und den ROI steigert. Foto: bacapress/anthony lanneretonne

Jetzt handeln statt später reagieren

Für Oliveira-Frewen ist Energieresilienz längst nicht mehr nur ein Nachhaltigkeitsthema, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Effiziente Hotels senken nicht nur ihre laufenden Kosten, sondern verbessern langfristig auch ihre Wettbewerbsfähigkeit und den Wert ihrer Immobilie.

Ihr Rat an Hoteliers fällt deshalb eindeutig aus: „Jetzt beginnen und mit der Messung starten.“ Denn wer seinen Energieverbrauch heute kennt und systematisch optimiert, ist auf künftige Preisentwicklungen, regulatorische Anforderungen und steigende ESG-Erwartungen deutlich besser vorbereitet.                

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