DAS BEWEGT DEN BUNDESVERBAND DER SYSTEMGASTRONOMIE 2026
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DAS BEWEGT DEN BUNDESVERBAND DER SYSTEMGASTRONOMIE 2026

KLARTEXT GESPROCHEN MIT MARKUS SUCHERT

von Markus Suchert
Mittwoch, 04.03.2026
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Herr Suchert, viele Branchen blicken mit Sorge auf die wirtschaftliche Lage. Wie ist die Systemgastronomie ins Jahr 2026 gegangen? 
Angesichts der weiterhin sehr angespannten wirtschaftlichen Lage mit einer ordentlichen Portion Realismus, aber auch mit Zuversicht. Die vergangenen Jahre waren für unsere Branche wirklich außergewöhnlich herausfordernd: durch die Pandemie, der Gästerückgang, die explodierenden Kosten bei Energie, Lebensmitteln, Mieten und auch Personal. Trotzdem hat sich die Systemgastronomie weiterhin als äußerst resilient erwiesen. Unsere Mitgliedsunternehmen haben Verantwortung übernommen, Arbeitsplätze gesichert und nochmals  investiert. Genau diese Stabilität macht die Systemgastronomie zu einer wichtigen Säule für den wirtschaftlichen Aufschwung in ganz Deutschland. 

Wie konkret sehen diese Verantwortung und Investitionen für die nächsten Jahre aus? 
Allein die Mitgliedsunternehmen des Bundesverbands der Systemgastronomie planen Investitionen von mehr als drei Milliarden Euro in Deutschland. Damit verbunden sind über 600 neue Restaurants sowie die Modernisierung von mehr als 1.000 bestehenden Standorten. Es geht um energieeffiziente Technik, digitale Prozesse und noch attraktivere Gästebereiche – kurz: um zukunftsfähige Systemgastronomie. Gleichzeitig entstehen und sichern wir über 26.000 neue Arbeitsplätze. Das ist ein starkes Signal an den Wirtschaftsstandort Deutschland. 

Welche Rolle spielt die steuerliche Entlastung? 
Eine entscheidende. Die steuerliche Gleichbehandlung von Speisen hat unseren Betrieben wieder deutlich mehr Planungssicherheit gegeben. Nach Jahren, in denen die mittelständischen Unternehmer immense Kostensteigerungen aus eigener Kraft aufgefangen haben, ist das ein klares Signal des Aufbruchs. Diese Entlastung fließt nicht in kurzfristige Effekte, sondern in nachhaltige Investitionen, Wachstum und Beschäftigung. Sie ermöglicht es unseren Franchisenehmern, die Preise stabil zu halten, ihre Betriebe weiterzuentwickeln.

Wird die wirtschaftliche Bedeutung der Systemgastronomie aus Ihrer Sicht unterschätzt? 
Oft wird nur auf einzelne Aspekte geschaut. Tatsächlich wird jeder dritte Euro in der Gastronomie in Betrieben der Systemgastronomie umgesetzt. Unsere Mitgliedsmarken beschäftigen rund 120.000 Menschen an nahezu 3.000 Standorten. Das sind überwiegend mittelständische Unternehmer, die regional tief verwurzelt sind, häufig in zweiter oder dritter Generation. Sie beleben Innenstädte und ländliche Regionen, sichern Arbeitsplätze, tragen zu Lebensqualität und wirtschaftlichem Aufschwung bei. 

Die Gäste sind sehr preissensibel geworden. Wie geht die Branche damit um? 
Viele Menschen sparen beim Restaurantbesuch. Genau deshalb ist die Systemgastronomie so wichtig: sie bietet bezahlbare Angebote, ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe und schafft Orte der Begegnung. Unsere Mitgliedsunternehmen setzen alles daran, dass möglichst viele Menschen sich den Restaurantbesuch leisten können, nutzen jeden für sie möglichen wirtschaftlichen Spielraum. Sei es, um Preise stabil zu halten, zu senken, um neue Produkte zu attraktiven Preispunkten einzuführen. 

Was macht die Systemgastronomie auf dem Arbeitsmarkt besonders? 
Wir sind die Branche der Chancen. Mehr als die Hälfte der Beschäftigten in der Gastronomie hat eine Einwanderungsgeschichte – deutlich mehr als im Durchschnitt der Gesamtwirtschaft, mit einem Anteil von rund 26 Prozent. Integration gelingt dort, wo Menschen gemeinsam arbeiten und Verantwortung übernehmen. Unsere Mitgliedsunternehmen vereinen rund 160 Nationen unter einem Dach und bieten echte Aufstiegsmöglichkeiten.     

Auch Ausbildung spielt eine große Rolle? 
Absolut. Über 2.000 junge Menschen sind bei unseren Mitgliedern in Ausbildung. Vor allem die zweijährige Ausbildung zur Fachkraft für Gastronomie mit Schwerpunkt Systemgastronomie erlebt einen Boom. Unsere Branche investiert mit Leidenschaft in die Qualität der Ausbildung – mit Coaching Days, praxisnahen Schulungen und Azubi-Wettbewerben. 

Viele Betriebe übernehmen darüber hinaus besondere Verantwortung in der Integration: 68 Prozent der Unternehmen im Gastgewerbe bilden bereits Auszubildende aus Drittstaaten aus, im branchenübergreifenden Vergleich sind es lediglich 30 Prozent. Diese jungen Menschen werden von unseren Mitgliedsunternehmen häufig durch Sprachkurse, gezielte Weiterbildungsangebote und eine intensive Prüfungsvorbereitung begleitet. Das ist gelebte Verantwortung für die Fachkräftesicherung und die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Deutschland. 

Gleichzeitig steigen die Personalkosten massiv. Wie bewerten Sie das?  
Mit unserer 100-prozentigen gesamtdeutschen Tarifbindung stehen wir klar für faire Bezahlung. Tatsache ist aber, dass die Personalkosten in den letzten Jahren durch die deutlichen Mindestlohnerhöhungen überdurchschnittlich gestiegen sind. Der gesetzliche Mindestlohn ist in den letzten fünf Jahren um 46 Prozent gestiegen, davon allein zur Jahreswende 2025/2026 um 8,4 Prozent. Auch die nächste Mindestlohnsteigerung zum 1. Juli 2027 ist bereits mit 5,04 Prozent auf 14,60 Euro festgeschrieben. Das ist für eine personalintensive, tarifgebundene Branche wie unsere eine enorme Herausforderung. 

Was erwarten Sie von der Politik für 2026 und darüber hinaus? 
Wir brauchen echte Strukturreformen: spürbaren Bürokratieabbau, mehr Flexibilität bei Arbeitszeiten und vor allem keine neuen Belastungen. Zusätzliche Bürokratie- und Kostensteigerungen für die Betriebe wie kommunale Verpackungssteuern oder praxisferne Kennzeichnungspflichten für Tierhaltungsformen in der Außerhausverpflegung helfen niemandem. Unsere Branche braucht Freiraum und Vertrauen, um ihre Innovationskraft auszuspielen – nicht weitere Bürokratiemonster.                        

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