Raumteilung
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Raumteilung

Die betriebliche Aus- und Weiterbildung wird zunehmend digital

von Kristina Presser
Montag, 02.11.2020
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Der Chef de Patisserie im Steigenberger Frankfurter Hof weiß natürlich, welche Tricks und Kniffe es braucht, um eine Sabayon richtig aufzuschlagen. Vermutlich aber nicht alle seiner Kochkollegen in den anderen rund 150 Hotels weltweit unter der Dachmarke Deutsche Hospitality (DH). Als er daher das nächste Mal zu Schneebesen, Eigelb, Zucker und Wein greift, filmt er sich dabei und stellt das Erklärvideo seinen Kollegen zur Verfügung. Der Clip, der nur wenige Minuten dauert, ist inzwischen eines von zahlreichen Schulungsvideos für das Projekt »Mitarbeiter schulen Mitarbeiter« der Hotelgruppe. An­gelaufen ist es Anfang 2020. Seither stehen die Videos über die unternehmenseigene Lernplattform, den DH eCampus, zum Abspielen bereit – und die Videothek wächst stetig.  

»Das Ziel«, sagt Marlena Günther, Expert People & Organizational Development, Deutsche Hospitality, »ist es, internes Wissen zu nutzen und es für Kolleginnen und Kollegen verfügbar zu machen. Zusätzlich möchten wir sie aktiv an der Weiterbildung betei­ligen.« Die so entstehenden Videos spiegelten genau die Umsetzung in den Hotels wider und seien dadurch authentisch und nachvollziehbar. Es geht um zielgruppengenauen Wissenstransfer über (Landes-)Grenzen hinweg. Die Digitalisierung macht es möglich – in dem Fall die E-Learning-Software SlidePresenter. Das Tool ist darauf ausgelegt, einfach und schnell Videomaterial zur Kommunikation oder zu Lernzwecken zu erstellen. Mitarbeiter würden so zu »internen Influencern«, wie es Sebastian Walker, Geschäftsführer der SlidePresenter GmbH, formuliert.

L'Osteria App
Die E-Learning-App von LʼOsteria sichert ein einheit­liches
Wissensniveau. Foto: FR L’Osteria SE

Möglich sind sowohl Bildschirmaufzeichnungen, als auch Videos per Webcam aufzunehmen oder selbstgedrehte Handyclips hochzuladen. Hauptsache praxisnah. Wobei die Inhalte den Unternehmensstandards entsprechen und rechtliche Anforderungen erfüllen müssen, betont Marlena Günther. Welche Arbeitsabläufe Mitarbeiter zeigen, entscheiden sie selbst – vom Check-in über Housekeeping-Prozesse bis zu verschiedenen Rezepten ist alles dabei. Jeder kann sein Wissen teilen. Das Konzept kommt an, berichtet die Expertin. Auch Auszubildende hätten bereits den Wunsch geäußert, eigene Videos zu drehen. Die bislang »sehr positiv« ausgefallenen Resonanzen begründet sie damit, dass die Informa­tionen on demand, sprich zeit- und ortsunabhängig, bei akutem Bedarf mobil abrufbar sind. »Momentan befinden wir uns noch im internationalen Roll-out des eCampus, aber unser Ziel ist es, allen Mitarbeitenden eine Lernplattform zu bieten«, sagt Marlena Günther zur internen Bildungsstra­tegie und ergänzt, dass der eCampus mehr als »nur« ein Videoportal ist. Schon heute können Deutsche-Hospitality-Mitarbeiter Aufzeichnungen von Online-Seminaren, E-Learnings, Informationen für den Onboarding-Prozess und Merkblätter je nach Interesse kostenlos nutzen. Geplant sind zudem Blended-Learning-Formate und Präsenzkurse, die über den eCampus buchbar sein sollen.

© mmb Institut GmbH, 2020
Frage: Was schätzen Sie – werden die folgenden Anwendungen in den kommenden
drei Jahren eine zentrale Bedeutung oder eine geringe Bedeutung als Lernform für
das betriebliche Lernen in Unternehmen haben?  |  N=60 – 61  |  Angaben in %
Foto: © mmb Institut GmbH, 2020

Trends bei Lernformen

Mit ihren kurzen Schulungsvideos surft die Deutsche Hospitality in Sachen Lernformen für betriebliche Weiterbildung in jedem Fall auf der Trendwelle, wie ein Blick auf den mmb-Trendmonitor 2019/2020 des mmb Instituts – Gesellschaft für Medien- und Kompetenzforschung zeigt. Darin prognostizieren 61 E-Learning-Experten aus der DACH-Region, dass innerhalb der nächsten drei Jahre Videos und Erklärfilme mit 94 Prozent die zukunftsträchtigste Lernform in Unternehmen darstellen – dicht gefolgt von Micro Learning/Learning Nuggets (92 Prozent) und Blended-Learning-Angeboten (90 Prozent). Ebenfalls sehr relevant werden (und bleiben) mobile Anwendungen/Apps und virtuelle Klassenräume/Webinare (siehe Grafik). Tendenziell scheinen Lernanwendungen mit geringeren Produktionskosten wichtiger zu werden, oder Anwendungen, mit denen man eine große Zahl von Lernenden erreicht.

Überhaupt stellt sich die Frage nach dem aktuellen Stellenwert digitaler Aus- und Weiterbildungsformate in Unternehmen. Die Antwort: Auch im Bereich der Personalentwicklung nimmt die Digitalisierung Fahrt auf. Schon seit mehreren Jahren zeichnet sich die Tendenz ab, dass E-Learning branchenübergreifend entweder bereits wichtige Unterstützung leistet oder zunehmend relevant wird. Das verdeutlichen unter anderem die Untersuchungsergebnisse der Teilstudie »Digitale Transformation der Personalentwicklung« der »eLearning Benchmarking Studie 2020«, durchgeführt vom Fachmedium eLearning Journal. Rund 90 Prozent der befragten Unternehmen gaben darin an, dass die Digitalisierung Einfluss auf die Aus- und Weiterbildung im eigenen Betrieb hat. An der Studie teilgenommen hatten 785 Unternehmen unterschiedlicher Branchen aus der DACH-Region mit Schwerpunkt Deutschland. In rund 85,6 Prozent der Unternehmen kommen E-Learning-Angebote sogar bereits zum Einsatz. Zusätzliche 11,5 Prozent planen derzeit digitales Lernen in der Aus- und Weiterbildung. Allein im Dienstleistungssektor nutzen 82,2 Prozent der Betriebe E-Learning.

VR Brille
Ausschnitt des VR-Lernvideos zu Hygiene: Durch Anvisieren der
Plus-Buttons erfährt man mehr zu den Räumen und Stationen, der
weiße Play-Button führt durch Anvisieren in die nächste Szene.
Foto: Gastronomisches Bildungszentrum Koblenz e.V.

Durchblick mit VR-Brille

Eine besonders spielerische Form der Weiterbildung bietet das Gastronomische Bildungszentrum Koblenz e.V. (GBZ) an: Zusammen mit Tourismuszukunft wurden drei Lernfilme entwickelt, die fundiertes Basiswissen zu den Bereichen Housekeeping, Hygiene und Rezeption vermitteln – und zwar mit Virtual Reality. Hoteliers und Gastronomen können dafür insgesamt drei Lernpakete zur innerbetrieblichen Schulung erwerben, die jeweils fünf VR-Brillen, einen Leitfaden, Tests und den themenspezifisch gewünschten Lernbrief enthalten. Das Training findet unabhängig von Ort, Zeit und Mitarbeiterzahl und beliebig oft statt. Ein Trainer ist nicht erforderlich.

Das Konzept eignet sich, laut GBZ, besonders für Auszubildende, Quereinsteiger und Migranten, da sie die Aufgabenstellungen und Prozesse durch interaktive Lernsituationen praxisnah erleben und in individuellem Lerntempo bearbeiten können. Trotz der Vorteile digitaler Lernmethoden ist der persönliche Austausch untereinander ein wichtiges Kriterium für eine erfolgreiche Weiterbildung, ist Yvonne Pauly, Leiterin Hotelmanagement-Akademie im GBZ, überzeugt: »Ich sehe die Zukunft darin, dass alles in einer ausgewogenen Mischung zusammenpasst: Die Verknüpfung vom klassischen Unterricht mit interaktiven technischen Möglichkeiten macht den Unterricht medial interessant und dennoch menschlich.«
Mehr unter: www.gbz-koblenz.de und Tel.: 0261 3048930

Siegeszug der Online-Seminare?

Diese Zahlen dürften sich mit Auswirkung eines »Corona-Effekts« nun noch einmal erhöht haben. Die Krise hat mit Lockdown und Kurzarbeit viele Abläufe zum Erliegen gebracht. Um einen vollständigen Kollaps der Infrastrukturen zu verhindern, wurden innerhalb kürzester Zeit bislang analoge Prozesse in den virtuellen Raum verlegt und die Digitalisierung damit vorangetrieben. Vielfach mit Erfolg. Dass man in der Post-Corona-Zeit wieder zu reinen Präsenzveranstaltungen zurückfindet, scheint unwahrscheinlich. Dieser Ansicht ist auch Dr. Lutz Goertz, Leiter Bildungsforschung am mmb Institut. Er geht von einer nachhaltigen Veränderung aus: »Ich könnte mir vorstellen, dass Online-Kurse künftig eine wesentlich größere Akzeptanz erfahren.« Das Format sei für die Menschen inzwischen selbstverständlicher und würde es auch bleiben. Denn in den vergangenen Monaten hätten sie die Erfahrung gemacht, dass man sich so Anfahrtswege und -kosten spart, sich diese Art der Weiterbildung gut ins Homeoffice integrieren lässt und nicht zuletzt Infektionsrisiken durch ausbleibende An- und Abreise reduziert werden. »Das alles wird wohl für die Online-Seminare sprechen. Ich glaube, dass viele Leute in Unternehmen das als angenehmer empfinden werden«, sagt der Forscher.

Das Potenzial digitaler Bildungsangebote machten sich auch konkret Hotel- und Gastronomie-Betriebe verstärkt zunutze, wie Merle Losem, Geschäftsführerin der Deutschen Hotelakademie, berichtet: »Wir verzeichnen in den vergangenen Wochen eine deutlich gestiegene Nachfrage nach unseren digitalen Bildungskonzepten. Sie sind für viele Unternehmen der Schlüssel zur Weiterbildung in der Krise.«

So startete die Deutsche Hotelakademie unter anderem im Mai 2020 mit der Dorint-Gruppe eine gemeinsame E-Learning-Reihe, damit die über 400 Auszubildenden trotz staatlich angeordneter Hotelschließungen weiterhin relevante Ausbildungsinhalte lernen konnten. Wie wertvoll und vor allem nachhaltig dieser Schritt ist, zeigt sich darin, dass Dorint auch nach überstandener Krise Blended Learning, ein Mix aus Präsenz- und Online-Kursen, als Teil seines Ausbildungskonzepts sieht. »So können wir das Thema E-Learning ab sofort stärker positionieren, das bislang im Vergleich zu den Präsenz-Seminaren immer noch ein Schattendasein führt«, berichtet Steffen Alfes, Head of Human Resources der Dorint GmbH.

Sabayon Video
Chef de Patisserie im Steigenberger Frankfurter Hof: Video für das
Projekt »Mitarbeiter schulen Mitarbeiter«. Foto: Deutsche Hospitality

Präsenz vs. Online – der Mix macht’s

Ebenfalls in Kooperation mit der Deutschen Hotelakademie, aber lange vor Corona entstanden, ist das Konzept der neuen Online-Akademie des Hotels Der  Blaue Reiter. Sie ging im August 2020 an den Start und ist Teil des hauseigenen Karriereplans zur Mitarbeiterentwicklung, auf die das Tagungs- und Designhotel in Karlsruhe großen Wert legt. Je nach Ausbildungsgrad können sich Hotelmitarbeiter individuell mit Präsenz- und Online-Seminaren über die Akademie weiterbilden. Jeder Mitarbeiter kann zu jeder Zeit aus dem gesamten Kursangebot schöpfen, das die Deutsche Hotelakademie bereitstellt.

Zwar gab die aktuelle Krise nicht den Anlass zum Launch der Online-Akademie, der Zeitpunkt war jedoch nicht der schlechteste. Denn über die digitale Lernplattform bleiben die Mitarbeiter dem Unternehmen trotz Kurzarbeit verbunden, was Geschäftsleiter Marcus Fränkle freut. »Eigentlich könnte man meinen, dass sie sich in ihrer Freizeit anders beschäftigen, aber unsere Mitarbeiter zeigen großes Interesse an den Online-Seminaren. Es ist richtig interessant zu sehen, wie wissbegierig sie sind.« Gleichzeitig ist das Programm für den Hoteldirektor eine Kontrollinstanz – nicht nur, um zu sehen, wer wie viele Kurse belegt hat und interessiert ist, sondern vor allem an welchen Themen und wo vielleicht sogar bislang unausgesprochene Vorlieben liegen. Die Kosten für die Online- und Präsenzschulungen, die sich gerne auch mal auf einige hundert bis tausend Euro pro Kopf belaufen können, übernimmt das Hotel. Diese finanzielle Investition in die Weiterbildung wüssten die Mitarbeiter zu schätzen, berichtet Marcus Fränkle.  

Er selbst hat sich inzwischen ebenfalls für einen Online-Kurs zum Thema MICE-Trends angemeldet, verrät er – und schätzt an der digitalen Lernform vor allem die kompakte Wissensvermittlung innerhalb kurzer Zeit. »Allerdings ist mir wichtig, dass wir nicht alles digitalisieren, sondern auch noch Präsenzkurse haben. Für mich wird es eine reine Digitalisierung für Mitarbeiterschulungen nie geben.« Der Mix sei für ihn entscheidend, betont Marcus Fränkle. Und dazu gehörten auch Veranstaltungen vor Ort, an denen Kollegen sich treffen, netzwerken und austauschen können.

Dass die Bedeutung persönlicher Begegnungen nicht unterschätzt werden darf, ist auch die Erfahrung von Dr. Lutz Goertz, unter anderem aus Gesprächen mit Unternehmen und Herstellern aus der E-Learning-Wirtschaft. »Viele Leute hängen an Präsenzkursen, und das muss man sehr ernst nehmen. Das ist auch der Grund, warum viele Unternehmen nicht komplett auf Online-Seminare umgestellt haben, sondern auf Blended Learning.« Eine nachhaltige Entwicklung, davon geht der Wissenschaftler aus.

blauer Reiter
Im Rahmen der »Blauer Reiter Akademie« haben die Mitarbeiter
des Hotels Zugriff auf eine Vielzahl an unterschiedlichen Trainings.
Foto: Deutsche Hotelakademie/Hotel Der Blaue Reiter

Corona als Entwicklungstreiber

Blended Learning ist auch der Ansatz der neuen Online-Akademie der Burgergrill-Marke Hans im Glück. Bereits vor vier Jahren hat der Aufbau des unternehmenseigenen Bildungsportals mit Präsenzseminaren und Fachtrainings in den Betrieben begonnen, Anfang 2020 kam die digitale Komponente dazu. Sie setzt sich aus einer digitalen Lernplattform zusammen, die gemeinsam mit dem externen Partner GoodHabitz entwickelt wurde, und – ganz neu seit Juli – aus Live-Webinaren, angeboten von Simmeth-Training. Letztere sollen nicht nur reines Fachwissen vermitteln, wie aktiver Verkauf, Gast-Kommunikation und Servicequalität, sondern auch der persönlichen Entwicklung der Mitarbeiter dienen. Kursteilnehmer sollen zum Out-of-the-box-Denken angeregt werden, das heißt, über den Tellerrand hinausblicken, mit ihrem Wissen selbstständig kreative und unkonventionelle Lösungen für Probleme finden und diese im Alltag anwenden. Es bedeutet auch, flexibel zu sein und zu bleiben. Gerade in herausfordernden Zeiten wie den aktuellen werden Softskills wie diese benötigt. Dabei unterstützen auch interaktive Tools wie Quizze und Lernnuggets, die für das notwendige Spaß-Element sorgen, ebenso wie vertiefende Lernmaterialien zum Download.

Jeder Mitarbeiter erhält dafür einen kostenlosen Zugang zu seinem eigenen Bildungskanal. Jede Woche werden dort Online-Seminare aus einem bunten Mix aus Fachthemen und Persönlichkeitsentwicklung live gestreamt – und jeder kann Kurse nach eigenem Interesse belegen. Für Birgit Gutwald, Leitung Akademie und operative Betreuung bei Hans im Glück Franchise GmbH, steht fest: »Stetes Lernen und persönliche Weiterentwicklung müssen für unsere Mitarbeiter etwas völlig Normales und fester Bestandteil des Alltags sein.«
Genau dafür ist für sie die Mischung aus Trainings vor Ort und online die beste Strategie. Denn wo Präsenzkurse auf den Faktor Mensch setzen, ermöglichen digitale Angebote regelmäßiges, wiederholtes Lernen, das Mitarbeiter effektiv und schnell auf die Anfor­derungen des unternehmenseigenen Konzepts vorbereitet und sie gleichzeitig sukzessive weiterbildet. Die Online-Seminare seien »kein billiger Ersatz für Präsenztrainings«, wie sie sagt, »sondern eine wichtige Ergänzung«. Schon seit ein paar Jahren sei klar, dass man das Thema Weiterbildung in der Branche »neu entdecken« müsse. Die Corona-Krise habe das Akademie-Team bei Hans im Glück nur darin bestärkt, auf dem richtigen Weg zu sein, und gleichzeitig angetrieben, den einen oder anderen Schritt schneller als ursprünglich geplant zu gehen, berichtet Birgit Gutwald.

Mobile-First-Ansatz: mehr Reichweite mit einer App

Froh über eine digitale Plattform war man mit Beginn der Krise auch bei L’Osteria. Im Januar 2019 hatte die Markengastronomie ihre eigene betriebsinterne App gelauncht, um die Standardisierung von Rezepturen innerhalb des expandierenden Unternehmens und bei allen Franchisenehmern (aktuell gesamt 130 Restaurants in acht Ländern mit etwa 6.000 Mitarbeitern) zu gewährleisten und für ein einheitliches Wissensniveau aller Mitarbeiter zu sorgen. Sie sollte außerdem nachhaltiges Arbeiten unterstützen und die Digitalisierung selbst im Unternehmen vorantreiben. Der Mobile-First-Ansatz mit Lernformat einer App sichert dabei eine möglichst große Reichweite unter den Mitarbeitern: Jeder kann immer und von überall aus mit seinem eigenen mobilen Endgerät, vorrangig dem Smartphone, auf die Inhalte zugreifen. Und damit auch all jene Mitarbeiter, die keinen klassischen PC-Arbeitsplatz haben. Am Anfang lag der Fokus noch auf der »Seele des Unternehmens«, wie Michael Frötschl, Head of Academy and People Development der FR L’Osteria SE, sagt – den Rezepturen von Pizza- und Pasta-Gerichten, die samt Zubereitungen vereinheitlicht digitalisiert werden sollten. »Wir haben aber recht schnell gemerkt, dass wir wahnsinnig viele Chancen vergeben, wenn man die App nur als reines Learning-Tool verwendet«, berichtet er.  

Darum wird die App stetig erweitert, dient inzwischen nicht nur der mobilen Wissensvermittlung, sondern mit ihrem eigenen Info-Bereich auch als Kommunikationsmittel: Die Mitarbeiter bleiben durch Newsletter, Nachrichten aus der Geschäftsleitung, Text- und Videobotschaften über das Geschehen im Münchner Headoffice informiert, erklärt der Akademieleiter – »und genau das hat uns während Corona extrem geholfen«. Aus der Learning-App wurde bald vielmehr eine Mitarbeiter-App. Trotzdem ist und bleibt der E-Learning-Aspekt der Wesenskern. Innerhalb der geschaffenen Lernwelt können sich Mitarbeiter mit interaktiven Medien und Tests nachhaltig, effizient und eigenständig weiterbilden – inklusive Fun-Faktor. Angezeigte Lernfortschritte sollen den User dabei motivieren und den Ehrgeiz anregen. Gleichzeitig funktioniert die App als Nachschlagewerk, mit dem man sich schnell zu Rezepturen, Produkten, Standards und Neuerungen informieren kann. Aber nicht jeder Mitarbeiter braucht alle Inhalte. Daher kann für jeden erstellten Account durch ein hinterlegtes Rechte-Rollen-System personengenau der Inhalt freigeschaltet werden, der für den jeweiligen Mitarbeiter wichtig ist. Ein Mitarbeiter an der Pizzastation im Restaurant sieht folglich nicht alle Informationen, die etwa ein Restaurantmanager sieht.

Aber die App kann noch mehr, der Ausbau geht weiter: Die Personalentwicklung wird weiter vorangetrieben, sodass Mitarbeiter auch Schulungen und Live-Webinare darüber absolvieren können. »Anfang des Jahres haben wir angefangen, vieles, was als Präsenztraining gedacht war, umzustellen auf Webinare oder reine Digitaltrainings, wie inter­aktive Lernkarten oder Videos«, berichtet Michael Frötschl. »Da stecken wir aber noch maximal im Transformationsprozess. Momentan sind wir noch viel zu präsenzlastig.« Bis Ausbildungsbeginn 2021 ist zudem geplant, die komplette Ausbildung für Azubis und duale Studenten zu digitalisieren – individuell, mit personenspezifischem Versetzungsplan, Gesprächen, Fortschritten und mehr. Große Themen sind auch Push-Nachrichten und eine Offline-Funktion der App, die inzwischen schon fast 5.000 der insgesamt rund 6.000 Mitarbeiter nutzen.

Die unterschiedlichen Beispiele zeigen, dass es schon länger ein Anliegen der Unternehmen ist, die betriebliche Aus- und Weiterbildung zu digitalisieren. Die Corona-Krise bestätigte viele darin, beschleunigte einige Vorhaben, hat vor allem das Potenzial digitaler Lernangebote verdeutlicht: zeitliche und örtliche Flexibilität, individuell zugeschnittene Inhalte, die nach Bedarf abgefragt werden. Um Eigeninitiative und »lebenslanges« Lernen zu fördern, steht häufig ein spielerischer Ansatz im Fokus. Weiterbildung soll Spaß machen und leicht, aber eindringlich sein. Im selben Zug steht für zahlreiche Arbeitgeber fest, dass rein digitale Tools nicht die Lösung sein können, eher ein Mix aus Online- und Präsenzkursen. Das Bedürfnis nach persönlichem Austausch bleibt. Mit dieser Aufteilung des Lernraumes geht die Personalentwicklung in Richtung Zukunft.

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