Namibia-Projekt

IHK Berlin bildet Fachkräfte in Namibia aus

Sebastian Stietzel, Präsident der IHK Berlin
Sebastian Stietzel, Präsident der IHK Berlin, begleitet das Ausbildungsprojekt „Talentsbridge“ in Namibia. (Foto: © picture alliance/dpa | Monika Skolimowska)
Berliner Unternehmen lassen künftig auch Fachkräfte für das Gastgewerbe in Namibia ausbilden. Das Projekt „Talentsbridge“ soll dem zunehmenden Personalmangel entgegenwirken und startet mit 100 Jugendlichen in Windhuk.
Montag, 18.05.2026, 08:47 Uhr, Autor: Sarah Hoffmann

Die Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK) startet gemeinsam mit Berliner Unternehmen ein Ausbildungsprojekt in Namibia. In der Hauptstadt Windhuk sollen künftig Fachkräfte nach deutschen Standards ausgebildet werden. Das Projekt trägt den Namen „Talentsbridge“ und beginnt zunächst mit 100 Jugendlichen.

Ab Juni nehmen die Teilnehmer zunächst an vorbereitenden Workshops und Deutschkursen teil. Im September startet dann die Ausbildung zum Industrieelektriker, Verkäufer oder zur Gastronomiefachkraft. Ziel ist es laut IHK, arbeitslose junge Menschen aus Namibia gezielt für den Bedarf deutscher Unternehmen auszubilden.

Ausbildung nach deutschen Standards

Die Ausbildung dauert drei Jahre. Die IHK Berlin begleitet das Projekt und stellt sicher, dass die Lehre nach deutschen Standards erfolgt. Nach bestandenen Prüfungen soll ein Teil der Absolventen nach Berlin kommen und dort bei Unternehmen arbeiten, die das Projekt finanzieren.

Dadurch sollen aufwendige Anerkennungsverfahren für Berufsabschlüsse in Deutschland entfallen. „Wir steuern in Berlin, aber auch bundesweit allein aufgrund der Alterspyramide auf eine riesige Fachkräftelücke zu“, sagte IHK-Präsident Sebastian Stietzel der Deutschen Presse-Agentur. „Wenn wir als Volkswirtschaft wachsen wollen, sind wir auf gut ausgebildete Fach- und Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen.“

Weiter erklärte Stietzel: „Ohne anpackende Menschen geht es auch in Zeiten von KI in vielen Branchen nicht. Mit unserem Projekt ‚Talentsbridge‘ ermöglichen wir hiesigen Unternehmen, internationale Fachkräfte frühzeitig und gezielt für den eigenen Bedarf zu finden und zu binden.“

Auch Gastronomieberufe im Fokus

Zu den Ausbildungsberufen gehört auch die Gastronomiefachkraft. Zum Start beteiligen sich laut IHK rund zehn deutsche Unternehmen an dem Projekt, darunter Edeka sowie die Bäckereikette Wiedemann. Mit weiteren Unternehmen laufen bereits Gespräche. Perspektivisch könnten auch zusätzliche Berufsbilder wie Mechatroniker hinzukommen.

Der Präsident des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, Björn Fromm, sieht großes Potenzial in dem Vorhaben.

„‚Talentsbridge‘ bietet unserem Unternehmen die Chance, gezielt Nachwuchskräfte zu gewinnen, die nicht nur fachlich und sprachlich exzellent ausgebildet werden, sondern auch eine hohe Eigenmotivation und interkulturelle Kompetenzen mitbringen“, sagte der Betreiber mehrerer Edeka-Märkte.

Zugleich äußerte er Kritik an der Situation in Deutschland: „Uns fällt es zusehends sehr schwer, diese Art von Motivation bei heimischen Fachkräften von morgen zu aktivieren und über die Zeit der Ausbildung hinweg aufrechtzuerhalten.“

Ausbau bereits geplant

Für das Projekt wird in Windhuk ein eigenes Ausbildungscamp aufgebaut, das von einem Trägerverein betrieben wird. Die ersten 100 Teilnehmer wurden aus rund 1.500 Bewerbern ausgewählt.

Langfristig soll das Projekt deutlich wachsen. Nach Angaben der IHK ist geplant, künftig bis zu 3.000 Jugendliche in dem Camp auszubilden. Stietzel betonte außerdem, dass nicht alle Absolventen unmittelbar nach Deutschland wechseln würden. Auch Namibia könne von dem Projekt profitieren.

„Ausbildung schafft nicht nur Fachkräfte, sondern sichert auch wirtschaftliche Entwicklung“, sagte er. Das Projekt schaffe Perspektiven für junge Menschen „nicht nur in Deutschland, sondern auch in Namibia“.

(dpa/ SAHO)

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