Interview

„Millennials reicht es nicht, ‚nur‘ Geld zu verdienen“

Jürgen Gangl, GM des Park Inn by Radisson Berlin Alexanderplatz, kennt die sich verändernden Arbeitnehmer-Wünsche hinsichtlich Arbeitszeiten. Im Interview spricht er unter anderem über dadurch entstehende Herausforderungen für Arbeitgeber.

Freitag, 08.11.2019, 11:43 Uhr, Autor: Kristina Presser

Jürgen Gangl, GM des Park Inn by Radisson Berlin Alexanderplatz. (Foto: © Park Inn by Radisson Berlin Alexanderplatz [r.]; Marcus Volk [l.])

Wenn es um die Regelung der Arbeitszeiten geht, wünschen sich vor allem jüngere Arbeitnehmer-Generationen immer häufiger flexible Modelle, verkürzte Wochenarbeitszeit, mehr Freizeit. Auch bei der Entscheidung für ein neues Unternehmen sind dies zunehmend wichtige Kriterien, was Arbeitgeber vor Herausforderungen stellt. Wie es in der Hotellerie aussieht, dazu gibt Jürgen Gangl, General Manager des Park Inn by Radisson Berlin Alexanderplatz, einen Einblick.

Herr Gangl, ganz allgemein: Wie hat sich die Arbeitseinstellung der Mitarbeiter bzw. haben sich deren Ansprüche bzgl. Arbeitszeiten in den letzten Jahren gewandelt? Und welche Herausforderungen birgt das für den Hotelier?

Die Erwartungen der nachwachsenden Generationen haben sich geändert. Eine selbstbewusste junge Klientel weiß genau, was sie will und was nicht. Eine gute Work-Life-Balance ist gefragt, und starre Hierarchien werden kritisch hinterfragt und nicht mehr akzeptiert. Die Nachwuchskräfte wissen, wie begehrt sie als Mitarbeiter sind. Hinzu kommt, dass andere Branchen so manch reizvolle Alternative bieten. Gerade darum müssen Führungskräfte auf allen Ebenen zunehmend als Coach agieren, Entwicklungen begleiten, Talente finden, fördern, motivieren und binden. Vorgesetzte mit ausgeprägten Motivations- und Begeisterungsfähigkeiten waren schon immer erfolgreicher als emotionsfreie Befehlsgeber. Doch mittlerweile sind die motivierenden Eigenschaften zur Grundvoraussetzung geworden, welche die Spreu vom Weizen trennen und wettbewerbsentscheidend sein können.

Wie wichtig sind flexible Arbeitszeiten und eine ausgewogene Work-Life-Balance heute als Mitarbeiter-Benefits bzw. Angebote für den potenziellen Mitarbeiter? – Vielleicht sogar wichtiger als eine überdurchschnittliche Vergütung?

Zweifellos sind flexible Arbeitszeitmodelle, die auch für eine gute Work-Life-Balance sorgen, und eine möglichst übertarifliche Bezahlung notwendige Angebote für Mitarbeiter. Dennoch geht es vielen Mitarbeitern um viel mehr, als nur um Arbeitszeiten und das Salär. Sie erwarten beispielsweise Schulungsmaßnahmen und vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten, die wir im Park Inn Berlin bieten. Wir fördern unsere Mitarbeiter und unseren Nachwuchs und stehen in beruflichen wie privaten Belangen unserem Team zur Seite. Vertrauen, Freiraum, Selbstverantwortung, Eigenständigkeit und Einsatzbereitschaft sind wichtig und werden in unserem Hotel gelebt. Die Freude über ein überdurchschnittliches Gehalt ist nur von kurzer Dauer, wenn ein Unternehmen die wirklich wichtigen Themen nicht abdeckt.

In den Stelleninseraten des Park Inn Berlin wird eine „Einhaltung von Work-Life-Balance“ bzw. „ausgewogene Work-Life-Balance“ angeboten. Was bedeutet das und wie sind die Reaktionen der Bewerber darauf?

Work-Life-Balance war gestern. Das neue Ziel heißt Work-Life-Integration. Beim Thema Work-Life geht es darum, gezielt auf die heutigen Erwartungen der Mitarbeiter einzugehen. Dazu zählen kurzfristig flexible Arbeitszeiten: „Vertrauensarbeit statt Stechuhr“. Oder auch die Möglichkeit des Homeoffice für Telearbeit. Rückzugsorte im Unternehmen müssen ebenso vorhanden sein wie Gesundheitsangebote. Kinderbetreuung ist ein enorm wichtiger Punkt, beispielsweise Angebote in Form von familienfreundlichen Coworking-Spaces oder im Jobsharing. Wir müssen immer wieder neu denken. Den Millennials reicht es nicht, „nur“ Geld zu verdienen.

Ist es für die Hotellerie eine größere Herausforderung, den Wünschen nach mehr Freizeit nachzukommen als in anderen Branchen?

In der Hotellerie ist es nicht anders, als in vielen anderen Branchen. So zum Beispiel bei Polizei und Feuerwehr, bei den Pflege- und medizinischen Berufen, bei den Medien – die Liste lässt sich fortsetzen. Deshalb ist es keine größere Herausforderung. Die Hotellerie ist nun mal eine Branche, in der häufig gearbeitet wird, wenn andere frei haben. Dafür gibt es aber auch entsprechende Freizeit. Arbeitszeiten in der Hotellerie müssen flexibel gestaltet werden. Arbeiten in Hotel- oder Restaurantbetrieben können nicht „auf Halde“ produziert, sie müssen vor Ort und zu der Zeit erbracht werden, zu der der Kunde es wünscht. Die Nachfrage der Gäste wirkt sich somit auf die Arbeits- und Dienstzeiten der Beschäftigten aus. Hotellerie und Gastronomie sind in der Regel keine 9 to 5 Jobs. Es geht darum, in bestimmten Situationen die Arbeitszeiten an die Arbeitsrealität der Branche anzupassen.

 

Hierbei handelt es sich um ein gekürztes Interview für den Beitrag „Mit der Zeit wird Zeit immer wichtiger“, erschienen im HOGAPAGE Magazin, Ausgabe 06/2019. Darin erfahren Sie unter anderem, welche konkreten flexiblen Arbeitszeitmodelle, Mitarbeiter-Benefits und familienfreundliche Rahmenbedingungen im Park Inn angeboten werden und welche spannenden Lösungen es sonst noch für Arbeitszeitenregelungen in der Branche gibt.

 

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