Personalmangel

Mit dem Elbdampfer auf Azubi-Suche

Laura und Mariella auf dem Azubi-Dampfer
Laura (links) und Mariella auf dem „Azubi-Dampfschiff“ auf der Elbe bei Bad Schandau. Mit einem Schülerprojekt wirbt der sächsische Branchenverband Dehoga um angehende Azubis im Gastgewerbe. (Foto: © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Christiane Raatz)
Zum Start in die Hochsaison kämpfen viele Hotels und Gaststätten mit fehlendem Personal. Auch Nachwuchs ist knapp. Mit besonderen Projekten soll daher gegengesteuert werden.
Mittwoch, 07.07.2021, 15:15 Uhr, Autor: Natalie Ziebolz

Ausgerechnet zu Beginn der Hochsaison hat das Gastgewerbe vielerorts mit Personal-Schwund zu kämpfen. Deutschlandweit haben im vergangenen Jahr rund 275.000 Hotel- und Gastro-Mitarbeiter ihrer Branche den Rücken gekehrt – das ist jeder sechste Beschäftigte. „Besonders Köche und qualifiziertes Servicepersonal fehlen beim Neustart. Aber auch die Saisonarbeitskräfte aus dem Ausland und die studentischen Hilfskräfte sind noch nicht alle wieder zurück“, sagt Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des Dehoga-Bundesverbandes.

Zahl der Ausbildungsverträge um 25 Prozent gesunken

Für die Betriebe ist das Werben um Nachwuchs daher wichtiger denn je. Nach der Corona-Krise kein leichtes Unterfangen, weiß Thomas Pfenniger, Dehoga-Regionalleiter für das Gebiet Sächsische Schweiz. „Wir haben als erste zu und als letzte aufgemacht“, erklärt Pfenniger. Viele Eltern sind daher skeptisch, ob eine Ausbildung in der Branche das Richtige für ihr Kind ist. Das zeigt auch ein Blick auf die abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Hotellerie und Gastronomie. Laut Bundesinstitut für Berufsbildung ist deren Zahl zum Stichtag 30. September 2020 bundesweit um fast 25 Prozent gefallen.

„Azubi-Dampfer“ des Dehoga Sachsen

Mit einem besonderen Projekt wirbt die Dehoga in Sachsen nun für Azubis: Schüler werden auf einen zweitägigen Dampfer-Ausflug eingeladen. An Bord gibt es nicht nur einen Blick hinter die Kulissen – das Schiff macht auch Halt an verschiedenen Hotels zwischen Rathen und Bad Schandau. Dort können sich die Jugendlichen im Bettenmachen, Kochen von Drei-Gänge-Menüs und im Mixen von Cocktails üben. „Die Branche ist enorm vielfältig. Wenn man einen Beruf erlernt hat, steht einem das Tor zur Welt offen“, sagt Pfenniger. Wer einmal reinschnuppere, fange oft Feuer.

Mit Spaß die Arbeit kennenlernen

Schon seit einigen Jahren setzt der Verband auf das Dampferprojekt. In diesem Jahr sind 16 Mädchen und elf Jungen an Bord. Sie quetschen sich – bekleidet mit weißem Shirt und Gastro-Schürze – unter Deck in die Kombüse von Schiffsköchin Dominique Gläser, wollen wissen, wie ihr Alltag aussieht. Kurz darauf legt der „Azubi-Dampfer“ in Bad Schandau an. Die Gruppe wird auf verschiedene Hotels verteilt – einige Jugendliche marschieren zu Fuß an der Elbe entlang zum „Parkhotel Bad Schandau“. Hoteldirektorin Kerstin Meve-Garreis hat sich eine besondere Aufgabe einfallen lassen: Bettenmachen mit der Stoppuhr. Zwei Teams treten im Hotelzimmer gegeneinander an – Kissen beziehen, Decke einschlagen. „Ich mache das zu Hause auch, aber nicht mit solchen Bezügen“, sagt die 16-jährige Leony. Zusammen mit Luca schafft sie es, das Bett in sieben Minuten zu beziehen. Hier und da haben sich Falten eingeschlichen. „Das war gar nicht so leicht“, lautet ihr Fazit.

„Gastro Burner – Fang Feuer und check ein“

Auch anderswo lässt sich die Branche einiges einfallen: In Mecklenburg-Vorpommern gibt es die Kampagne „Gastro Burner – Fang Feuer und check ein“. „Wir fahren mit einem jungen Team aus Köchen oder Beratern im Food-Truck zu Schulen und Ausbildungsmessen“, schildert Dehoga-Landespräsident Lars Schwarz. Dort könnten die jungen Leute Gemüse putzen, Hähnchen filetieren – und Fragen stellen. Inzwischen gibt es auch 3D-Brillen, mit denen die künftigen Azubis virtuell durch ein Hotel, eine Küche oder ein Restaurant gehen können. (dpa/NZ)

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