Personalmangel

Tourismusbetriebe suchen händeringend nach Köchen

Speise
© APA (AFP)/OLIVIER DOULIERY
Österreichs Gastronomen und Hoteliers tun sich zusehends schwer Köche und Kellner zu finden. „In meinem Bezirk gibt es 6 vermittelbare Köche auf 300 Stellen“, berichtete die Obfrau der Bundessparte Tourismus, Petra Nocker-Schwarzenbacher, die selbst ein Hotel in St. Johann im Pongau führt.
Montag, 28.11.2016, 14:42 Uhr, Autor: Clemens Kriegelstein

Dass der Beruf schlecht bezahlt und stressig sei, wollte die Branchensprecherin in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ)  so nicht stehen lassen: „Den Preis bestimmt in der heutigen Zeit der Mitarbeiter“, betonte sie jüngst im Gespräch mit Journalisten in Wien. Nur nach Kollektivvertrag zu entlohnen, könne sich angesichts des Mangels an Bewerbern kein Betrieb mehr leisten. Ein Küchenchef verdiene im Schnitt netto 2.500 bis 3.000 Euro pro Monat, ein Souschef rund 2.000 und ein Koch 1.600 bis 1.800 Euro, so Nocker-Schwarzenbacher.

Europaweit würden aktuell 433.575 Köche gesucht, im gesamten deutschen Sprachraum rund 208.000 österreichweit 14.367. „Österreich schießt sich selbst ins Knie, wenn wir hier unseren Arbeitsmarkt schützen“, gab Alexander Rauner, Referent in der Wirtschaftskammer, zu bedenken. Die Branche würde auch gerne Köche aus EU-Drittstaaten wie etwa Serbien und Bosnien aufnehmen dürfen. Hierzulande gibt es laut WKÖ rund 49.000 Gastronomie- und 16.000 Hotelbetriebe.

„Dass Fachkräftemangel besteht, ist eine Tatsache – kurzfristig haben wir den Wunsch, dass der Koch in die Mangelberufsliste aufgenommen wird“, appellierte Nocker-Schwarzenbacher an das dafür zuständige Sozialministerium. „Viele Betriebe – vor allem im Westen – haben ein Problem, dass wir da ordentlich besetzt in die Saison starten können“, sagte die Branchensprecherin.

In den vergangenen Jahren hätten viele Stellen im Service und in der Küche noch relativ gut mit Arbeitskräften aus Deutschland besetzt werden können. Doch da sich der deutsche Arbeitsmarkt mittlerweile stark erholt habe, schwäche sich diese Entwicklung ab. „Die Deutschen brechen uns schön langsam weg“, ist Nocker-Schwarzenbacher in Sorge. „Der Fachkräftemangel wird uns noch länger begleiten.“

Bei der Problematik gebe es hierzulande ein deutliches West-Ost-Gefälle – in den westlichen Bundesländern sei es wesentlich schwieriger einen Koch zu finden als in den östlichen. In Wien liege die Stellenandrangsziffer für Gaststättenköche bei 4,5 und in Tirol bei 0,6. Für die Aufnahme in die Mangelberufsliste (mit welcher der Erhalt einer Rot-Weiß-Rot-Karte und somit einer zwölfmonatigen Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis bei einem bestimmten Arbeitgeber für Angehörige von EU-Drittstaaten möglich wäre) ist allerdings der österreichweite Durchschnitt bei der Stellenandrangsziffer entscheidend. Die Kammer wünscht sich hier eine regionale Betrachtung, etwa nach Bundesländern.

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