Bewerben ohne Hürden: So gewinnt das Gastgewerbe Personal
Der Fachkräftemangel ist in Gastronomie und Hotellerie längst Alltag. Doch nicht nur offene Stellen sind das Problem, sondern auch der Weg dorthin. Denn viele Kandidaten springen ab, bevor überhaupt ein Gespräch zustande kommt. Der Grund: Bewerben fühlt sich für Jobsuchende oft wie ein Hindernislauf an – mit zu vielen Schritten, unklaren Informationen und fehlender Rückmeldung.
Mit diesem Thema beschäftigt sich der dritte Teil der Studienreihe „Jobsuche der Zukunft“ von meinestadt.de. Für die Untersuchung wurden im Juli 2025 deutschlandweit 681 Nutzer der Plattform befragt. Das Ergebnis ist eindeutig: Wer Personal gewinnen will, muss schneller, klarer und menschlicher werden – vom ersten Klick bis zur finalen Antwort.
Was Bewerber wirklich überzeugt
Für Arbeitgeber ist es oft naheliegend, zuerst über Image und Benefits zu sprechen. Bewerber entscheiden aber deutlich pragmatischer: Laut Studie zählen bei der Arbeitgeberwahl primär drei Punkte: Arbeitsort, Gehalt und Arbeitszeitmodell.
Gerade für die Gastronomie und Hotellerie ist das eine klare Botschaft: Kandidaten wollen zuerst wissen, wo sie arbeiten, was sie verdienen und wie der Dienstplan aussieht. Wer das nicht sofort liefert, verliert Interessenten an Wettbewerber, die transparenter kommunizieren.
Top-Faktoren bei der Arbeitgeberwahl

Praxis-Tipp für Betriebe: Statt Floskeln wie „attraktive Vergütung“ empfiehlt die Studie klarere Aussagen – etwa einen Von-bis-Rahmen, der Orientierung gibt.
Bewerbung: Kandidaten wollen Auswahl statt Einbahnstraße
Der Lebenslauf bleibt zwar wichtig, aber er ist nicht mehr der einzige Weg. In der Studie bevorzugen 53,3 % die Bewerbung mit Lebenslauf. Gleichzeitig wünscht sich ein relevanter Teil deutlich niedrigere Einstiegshürden:
- 14,7 % wollen lieber telefonisch Kontakt aufnehmen
- 11,9 % möchten sich ohne Lebenslauf bewerben
- 11,8 % bevorzugen App/Jobplattform
- 6,5 % finden WhatsApp attraktiv
Für Hotels und Restaurants ist das besonders spannend, weil viele Bewerber nicht „perfekt vorbereitet“ starten, sondern zunächst prüfen wollen: Passt der Betrieb? Passt das Team? Passen die Zeiten?
Das bedeutet für Personalverantwortliche: Je mehr Wege sie anbieten, desto mehr Kandidaten kommen überhaupt in den Prozess. Genau dieser erste Schritt entscheidet oft darüber, ob eine Stelle überhaupt besetzt werden kann.
Bewerbungsgespräch: Weniger Skript, mehr echtes Kennenlernen
Wenn es zum Gespräch kommt, zählt für Bewerber nicht die perfekte Show, sondern der Umgang auf Augenhöhe. Die Studie zeigt: Vertrauen entsteht vorrangig durch:
- Ehrlichkeit (30,3 %),
- Respekt (24,8 %) und
- Empathie (11,0 %).
Die Dauer des Gesprächs spielt kaum eine Rolle. Entscheidend ist, ob Bewerber sich ernst genommen fühlen. Gerade im Gastgewerbe ist das ein Wettbewerbsvorteil: Wer freundlich begrüßt, klar kommuniziert und realistische Erwartungen abgleicht, wirkt professionell und bleibt im Kopf.
Rückmeldung: Geschwindigkeit schlägt Perfektion
Nach dem Gespräch beginnt die Phase, in der viele Betriebe Kandidaten verlieren: das Warten. Bewerber erwarten heute schnelle Entscheidungen oder zumindest ein klares Signal, dass sie nicht „geghostet“ werden.
Die wichtigsten Zahlen aus der Studie:
- 47,4 % erwarten Feedback innerhalb einer Woche,
- 22,2 % rechnen mit Rückmeldung in 1 bis 2 Tagen und
- nur 11,9 % akzeptieren Wartezeiten von über zwei Wochen.
Besonders deutlich ist der Anspruch bei jungen Kandidaten: 37,8 % der 18- bis 24-Jährigen erwarten eine Antwort innerhalb von 48 Stunden.
KI im Recruiting: Hilfe ja, Entscheidung nein
Künstliche Intelligenz ist für Bewerber längst Teil der Jobsuche. Fast jeder Zweite würde KI nutzen – besonders zum Erstellen von Bewerbungsschreiben (44,6 %). Auch für die Recherche (29,1 %) oder Job-Matching (28,5 %) ist KI gefragt.
Gleichzeitig gibt es Skepsis: 20,3 % lehnen KI im Bewerbungsprozess komplett ab. Und viele haben Angst, von einer KI aussortiert zu werden – vor allem in jüngeren Altersgruppen.
Wichtig für Arbeitgeber:
KI kann Abläufe wie Terminvereinbarungen, Status-Updates oder Zwischenbescheide beschleunigen. Die Studie macht aber klar: Transparenz ist Pflicht – Bewerber müssen wissen, wo KI eingesetzt wird und dass am Ende ein Mensch entscheidet.
Fazit: Wer Personal will, muss den Prozess entstressen
Die Studie bringt es auf einen Nenner: Recruiting der Zukunft ist schnell, flexibel und menschlich. Für Gastronomen und Hoteliers heißt das nicht, dass jeder Betrieb Hightech braucht – aber, dass die Grundlagen stimmen müssen:
- Kernfakten in die Anzeige (Ort, Gehalt, Zeiten)
- Bewerbung so einfach wie möglich (mehrere Kanäle anbieten)
- Gespräche auf Augenhöhe statt Standardfragen-Marathon
- Rückmeldung schnell und verbindlich, auch wenn es nur ein Zwischenstand ist
Wer diese Punkte sauber umsetzt, erhöht nicht nur die Anzahl der Bewerbungen, sondern verbessert auch den Eindruck als Arbeitgeber. Und genau das entscheidet in Zeiten von Personalmangel darüber, ob ein Betrieb stabil läuft oder dauerhaft unterbesetzt bleibt.
(meinestadt.de/SAHO)