Branchenblick

Arbeitsmarkt-Trends 2026: Das kommt jetzt auf Gastronomen und Hoteliers zu

Zwei Mitarbeiterinnen in einer professionellen Restaurantküche tragen Schürzen und geben sich lachend ein High Five, während sie gemeinsam Speisen vorbereiten.
Gastronomie und Hotellerie stehen 2026 vor steigenden Lohnkosten und neuen Anforderungen im Recruiting. (Foto: © CineLens2024/peopleimages.com/stock.adobe.com)
KI verändert den Recruiting-Alltag, der Mindestlohn steigt deutlich und sichere Stellen sind gefragter denn je. Welche Trends 2026 für Gastgeber und ihre Teams entscheidend werden.
Mittwoch, 18.02.2026, 10:39 Uhr, Autor: Sarah Hoffmann

Fachkräftemangel, Mindestlohn, KI: Die Rahmenbedingungen für Arbeitgeber im Gastgewerbe verändern sich weiter. 2026 bringt höhere Lohnkosten, mehr Transparenzpflichten und einen Arbeitsmarkt, der sich spürbar verschiebt. Für Gastgeber lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf die sechs zentralen Trends:

1. Jobsicherheit und Kostenstruktur

Die Gesamtbeschäftigung bleibt 2026 weitgehend stabil, zugleich ist die Zahl der offenen Stellen seit 2022 deutlich zurückgegangen. Nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) liegt sie inzwischen klar unter dem Höchststand der vergangenen Jahre. 

Für Arbeitgeber im Gastgewerbe wirkt sich parallel die Mindestlohnerhöhung aus. Der gesetzliche Mindestlohn steigt zum 1. Januar 2026 auf 13,90 € pro Stunde. Für personalintensive Branchen wie Gastronomie und Hotellerie bedeutet das eine direkte Anpassung der Lohnkosten, da ein relevanter Teil der Beschäftigten im unteren Entgeltbereich tätig ist.

Nach Einschätzung des ifo Instituts rechnen viele Unternehmen branchenübergreifend mit steigenden Gesamtkosten infolge der Anhebung. Ein Teil plant Preisanpassungen oder prüft Investitionen zurückhaltender. Für das Gastgewerbe stellt sich damit vor allem die Frage, wie sich höhere Personalkosten, Preisgestaltung und Wettbewerbsfähigkeit in Einklang bringen lassen.

Gleichzeitig bleibt Jobsicherheit ein zentrales Thema auf Arbeitnehmerseite. „Beschäftigte suchen verlässliche Rahmenbedingungen“, so Arbeitsmarktexperte Julius Probst. Für Betriebe bedeutet das: Planbare Arbeitszeiten, transparente Vergütung und stabile Beschäftigungsmodelle bleiben wichtige Faktoren im Recruiting.

2. Flexibilität stagniert

In puncto flexibles Arbeiten müssen Arbeitnehmer 2026 womöglich zurückstecken. Das Angebot an Remote-Work-Optionen ist leicht rückläufig, wie Auswertungen des Jobportals Indeed nahelegen. Demnach werden sie den jüngsten Auswertungen zufolge nur noch in rund 14,1 % aller Ausschreibungen angeboten, flexible Arbeitszeiten nur in 19 %.

Zu Beginn des Jahres 2025 lag der Anteil der Stellen mit Homeoffice bei 14,7 %. Der Anteil von Angeboten mit flexiblen Arbeitszeiten bei 20,2 %.

Für die Gastronomie ist das ein zweischneidiges Signal: Remote-Arbeit spielt in Küche, Service oder Housekeeping keine Rolle – wohl aber flexible Dienstpläne. Wer hier moderne Schichtsysteme oder Wunschdienstpläne anbietet, kann sich positiv abheben.

3. KI ist wichtig, kann aber den Menschen nicht ersetzen

Künstliche Intelligenz ist auch in diesem Jahr der vorherrschende Job-Trend. Sie verändert weiterhin viele Aufgaben im Arbeitsalltag. Dennoch bleiben zentrale Rollen in menschlicher Hand.

Enzo Weber vom IAB schätzt die Lage so ein: „KI ist die Technologie unserer Zeit, die quer durch alle Bereiche zum Einsatz kommen kann. Sie wird immer mehr Tätigkeiten übernehmen, aber am Arbeitsmarkt wird es einen Umbruch und keinen Einbruch geben.“

Ökonom Julius Probst ergänzt: „KI wird bei vielen Aufgaben unterstützen, aber nicht alle ersetzen können. Insbesondere dort, wo es auf Empathie und Zwischenmenschlichkeit ankommt.“ Der Arbeitsmarkt entwickele sich zweigleisig: Technologische Kompetenzen gewinnen an Bedeutung, gleichzeitig bleibe der Bedarf in persönlichen und betreuenden Tätigkeiten hoch.

„Während in Bereichen wie Marketing, HR oder Projektmanagement die Zahl der Stellenanzeigen insgesamt sinkt, explodiert die Nachfrage nach KI-Kompetenzen in ebendiesen Berufen“, so Sondergeld von Indeed.

Für Gastgeber heißt das: KI kann bei Dienstplanung, Warenwirtschaft, Marketing oder Revenue Management unterstützen. Doch Servicequalität, Gästebindung und Führung bleiben klar menschliche Kernkompetenzen.

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4. Unternehmen setzen weiter auf Quereinsteiger

Viele Unternehmen bewegen sich in Richtung eines „Skills-based Hiring“, also Einstellungen, bei denen praktische Fähigkeiten eher zählen als formale Abschlüsse.

Experte Probst erklärt: „2026 werden in Deutschland erstmals weniger Menschen in den Arbeitsmarkt eintreten als ihn verlassen. Auch deshalb gewinnen Kompetenzen gegenüber formalen Abschlüssen an Bedeutung.“ Seine Einschätzung: Für viele Beschäftigte entstehen dadurch echte Perspektiven für einen beruflichen Neustart.

Gerade Gastronomie und Hotellerie profitieren traditionell von Quereinsteigern. Entscheidend wird 2026 sein, strukturierte Einarbeitung, Schulungskonzepte und klare Karrierepfade anzubieten.

5. Arbeitsmarkt der zwei Geschwindigkeiten

Branchen, die direkt von staatlichen Investitionen profitieren, werden 2026 voraussichtlich weiter gewinnen. Das Bauwesen zum Beispiel, aber auch die Rüstungsindustrie. Gleichzeitig verlieren viele Büro- und Wissensberufe. In der Softwareentwicklung, im Kundenservice und in der Verwaltung sei das Stellenangebot auf ihrer Plattform 2025 deutlich zurückgegangen, so Ökonomin Sondergeld. Sie sieht den Abwärtstrend auch 2026 anhalten.

Auch Enzo Weber sieht deutliche Unterschiede auf dem Arbeitsmarkt:
„Branchen wie Gesundheit, Pflege, Erziehung oder Verkehrs- und Finanzwesen bauen weiter auf, so dass die Beschäftigung insgesamt nicht sinkt.“ Aber, trotz massiver Investitionen in die Rüstung, sieht es insgesamt für die Industrie mau aus: „Die Industrie verliert derzeit pro Monat mehr als 10.000 Jobs“, so Weber.

Für das Gastgewerbe bedeutet das: Der Wettbewerb um Arbeitskräfte bleibt hoch, insbesondere in Regionen mit starker Bau- oder Pflegebranche.

6. Löhne werden transparenter 

Ein wichtiges Thema für das Jahr 2026 wird die Lohntransparenz: Bis zum 7. Juni 2026 müssen die Mitgliedstaaten die EU-Entgelttransparenzrichtlinie in nationales Recht umsetzen. Arbeitgeber müssen Bewerbern das Einstiegsgehalt oder eine Gehaltsspanne nennen. Mitarbeiter können außerdem Informationen über ihr individuelles Entgelt und die durchschnittlichen Entgelte vergleichbarer Tätigkeiten verlangen.

Für Gastronomen und Hoteliers heißt das konkret: Stellenausschreibungen müssen künftig klarer formuliert werden. Gleichzeitig wächst der Druck, faire und nachvollziehbare Vergütungsstrukturen zu etablieren.

Fazit für die Branche

Der Arbeitsmarkt 2026 ist geprägt von Unsicherheit, steigenden Kosten und technologischer Transformation. Gleichzeitig bleiben persönliche Kompetenzen, Servicequalität und verlässliche Arbeitsbedingungen zentrale Erfolgsfaktoren.

Für Gastronomie und Hotellerie wird 2026 zum Balanceakt zwischen Kostendruck, Fachkräftemangel und Modernisierung – mit klaren Chancen für Betriebe, die strategisch handeln.

(dpa/ IAB/ Ifo/ Indeed/ Stepstone/ SAHO)

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