Recruiting

Employer Branding wird zum Dauerauftrag

Hand berührt Symbol für Employer Branding auf digitalem Bildschirm
Employer Branding beginnt heute früh und digital: Unternehmen müssen sich bereits in der Orientierungsphase sichtbar positionieren. (Foto: © Satori Studio/stock.adobe.com)
Junge Talente entscheiden sich oft lange vor der Bewerbung für oder gegen einen Arbeitgeber. Für Gastronomie und Hotellerie wird gezieltes Employer Branding damit zur Daueraufgabe.
Montag, 13.04.2026, 10:27 Uhr, Autor: Sarah Hoffmann

Der Arbeitsmarkt hat sich spürbar verändert: Wirtschaftliche Unsicherheiten bremsen Neueinstellungen, viele Stellen werden selektiver besetzt. Doch gerade für die Gastronomie und Hotellerie entsteht daraus eine neue Herausforderung. Denn obwohl der „War for Talents“ in manchen Bereichen abkühlt, bleibt der Wettbewerb um qualifizierte Nachwuchskräfte hoch.

Eine aktuelle, repräsentative Umfrage von Uniwunder unter 949 Studenten kurz vor dem Berufseinstieg zeigt deutlich: Die Entscheidung für einen Arbeitgeber fällt nicht erst im Bewerbungsprozess – sondern deutlich früher.

Für Arbeitgeber in der Hospitality bedeutet das: Wer als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen werden will, muss bereits in der Orientierungsphase sichtbar sein.

Frühe Vorauswahl entscheidet über Chancen

Die Studienergebnisse zeigen eine klare Entwicklung im Entscheidungsverhalten junger Talente: 65 % der Studierenden haben bereits eine mentale Vorauswahl an Arbeitgebern getroffen. Gleichzeitig bleibt diese Auswahl bei 84 % noch veränderbar.

Das bedeutet: Hotels, Restaurants und gastronomische Betriebe konkurrieren schon lange vor einer konkreten Bewerbung um Aufmerksamkeit. Wer es nicht in diese erste Auswahl schafft, wird später oft gar nicht mehr berücksichtigt.

Gerade in einer Branche, die stark vom Fachkräftemangel betroffen ist, kann diese frühe Phase entscheidend sein.

Harte und weiche Faktoren im Auswahlprozess

Die Entscheidung für einen Arbeitgeber folgt laut Studie einer klaren Zweiteilung.

Eintrittshürden: Harte Kriterien

Zunächst prüfen Bewerber grundlegende Bedingungen:

  • 77 % schließen Arbeitgeber bei zu niedriger Bezahlung aus
  • 66 % bei schlechten Bewertungen durch Mitarbeiter
  • Rund ein Drittel bei fehlenden Informationen zu Karrierechancen

Diese Faktoren wirken als Ausschlusskriterien. Werden sie nicht erfüllt, hat ein Arbeitgeber keine Chance auf eine nähere Betrachtung.

Differenzierung: Weiche Faktoren

Sind die Grundbedingungen erfüllt, entscheiden emotionale und inhaltliche Aspekte:

  • Bauchgefühl und Sympathie
  • Karrierechancen
  • Einblicke in Arbeitsalltag und Unternehmenskultur

Gerade in der Gastronomie und Hotellerie, wo Arbeitszeiten, Teamklima und Entwicklungsperspektiven eine große Rolle spielen, gewinnen diese Faktoren zusätzlich an Bedeutung.

Transparenz wird zum Wettbewerbsfaktor

Ein zentrales Ergebnis der Studie: Fehlende Informationen führen direkt zum Ausschluss. Für Arbeitgeber bedeutet das, dass Karrierewege, Arbeitsalltag und Entwicklungsmöglichkeiten klar und nachvollziehbar kommuniziert werden müssen.

In der Praxis heißt das für die Branche:

  • Einblicke in den Arbeitsalltag in Küche, Service oder Rezeption
  • Klare Informationen zu Aufstiegschancen
  • Authentische Darstellung der Unternehmenskultur

Nur so entsteht Vertrauen – eine zentrale Voraussetzung, um Nachwuchskräfte langfristig zu gewinnen.

Digitale Sichtbarkeit ersetzt klassische Kanäle

Die wichtigsten Kanäle zur Arbeitgeberwahrnehmung haben sich deutlich verschoben:

Kanäle zur Arbeitgeberwahrnehmung
(Grafik: Eigene Darstellung/ SAHO)

Für Gastronomie und Hotellerie ist das besonders relevant. Während früher Karrieremessen eine wichtige Rolle spielten, entstehen heute die meisten Kontaktpunkte digital. Plattformen wie Instagram, TikTok oder LinkedIn werden zunehmend zu entscheidenden Touchpoints im Recruiting.

Employer Branding als Daueraufgabe

Die Studie macht deutlich: Employer Branding ist kein kurzfristiges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Prozess entlang der gesamten Candidate Journey.

Für Betriebe in der Hospitality ergeben sich daraus klare Anforderungen:

  • Frühzeitig präsent sein: Sichtbarkeit bereits während der Ausbildungs- oder Studienphase
  • Konsistent kommunizieren: ein einheitliches Bild über alle Kanäle hinweg
  • Authentisch auftreten: Echte Einblicke statt Hochglanzversprechen

Wer nur punktuell aktiv ist, wird in der frühen Vorauswahl oft gar nicht berücksichtigt.

Fazit: Wettbewerb beginnt im Kopf der Talente

Für Gastronomie und Hotellerie verschiebt sich der entscheidende Moment im Recruiting immer weiter nach vorn. Nachwuchskräfte treffen ihre Wahl häufig lange vor der Bewerbung – basierend auf Eindrücken, Informationen und Wahrnehmung.

Employer Branding wird damit zur strategischen Kernaufgabe. Nur Betriebe, die kontinuierlich sichtbar sind und glaubwürdig kommunizieren, sichern sich langfristig Zugang zu qualifizierten Mitarbeitern.

(Rosenheim Rocks/ Uniwunder/ SAHO)

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