Branchenbedingungen

Gastronomie: Warum Koch-Promis und Sterne wenig helfen

Die Köche Ralf Zacherl (v-l), Martin Baudrexel und Stefan Marquard in einer Folge des RTL II Formats „Die Kochprofis- Einsatz am Herd“(Foto: © dpa – Report)
Die Köche Ralf Zacherl (v-l), Martin Baudrexel und Stefan Marquard in einer Folge des RTL II Formats „Die Kochprofis- Einsatz am Herd“(Foto: © dpa – Report)
TV-Shows, Promi-Aktionen oder Gastauftritte – viele Köche inszenieren sich heute in sozialen Medien und im Fernsehen als extravagant, kreativ und individuell. Das mag bei den meisten für volle Taschen sorgen, für eine Verbesserung der Branche ist dies jedoch wenig hilfreich.
Donnerstag, 14.09.2017, 09:29 Uhr, Autor: Markus Jergler

Typen wie der „harte Rocker“ oder der „moderne Popstar“ sind heute bei allen größeren Kochveranstaltungen zu finden. Schon lange geht es nicht mehr nur um das Können am Herd, sondern auch um die Selbstinszenierung der eigenen Persönlichkeit. Dieses Konzept hat durchaus Erfolg, betrachtet man den enormen Erfolg von Koch-Sendungen im TV oder von Koch-Wettbewerben in der Öffentlichkeit. Bei fast jedem Format müssen die Teilnehmer nicht nur kochen, sondern vor allem auch eine gute Show abziehen. Auch wenn die begabten Selbstvermarkter damit einen scheinbar vorhandenen Bedarf decken, hilft dieser Trend leider nicht, eines der größten Probleme der Branche zu bekämpfen: Den Nachwuchsmangel – das kritisiert nun die WELT.

Koch als Karrierechance
Demnach sind laut dem Dehoga-Bundesverband 15.000 Lehrstellen unbesetzt. „Der Nachwuchs- und Fachkräftemangel hat in der Gastronomie eine neue Dimension erreicht“, wird Ingrid Hartges, Dehoga-Hauptgeschäftsführerin in der WELT zitiert. Doch auch wenn es für Wirte immer schwieriger wird, offene Stellen – sowohl für Azubis als auch für Fachkräfte – zu besetzten, ist für Hartges der Beruf des Kochs noch immer eine gute Möglichkeit, um beispielsweise eine internationale Karriere zu starten. „Als gut ausgebildeter Koch mit Auslandserfahrung lässt sich bereits in jungen Jahren mehr Geld verdienen als mit manchem Bachelorabschluss. Und man kommt noch rum in der Welt“, sagt sie im Gespräch mit der WELT.

Tatsächlich ist da etwas Wahres dran. Sternehotels sowie auch Kreuzfahrtschiffe sind weltweit auf der Suche nach qualifizierten Köchen. Aufgrund des Personalmangels kann man es mit dem entsprechenden Ehrgeiz in der Gastronomie bereits in jungen Jahren sehr weit bringen. Und das Interesse an gehobener Küche wächst. Inzwischen gibt es mehr als 470 Sternerestaurants in Deutschland. Zudem belegt auch die stetig wachsende Zahl an Kochsendungen, in denen es meist ebenfalls um aufwendige Kulinarik geht, das Interesse der Deutschen an Feinschmeckerthemen.

Die Realität sieht anders aus
Auch wenn zunehmend mehr Sterne-Restaurants eröffnen, das Interesse an Kochsendungen wächst und Deutschland in der internationalen gehobenen Gastronomie immer mehr an Bedeutung gewinnt, sieht die Realität im Alltag der breiten Masse nach wie vor ganz anders aus. Das glamouröse Bild, das TV-Köche und Events verbreiten, entspricht weder der Ausbildung noch den meisten Alltagsaufgaben in der durchschnittlichen Gastronomie. Dies sei wohl auch der Grund, warum es so schwierig ist, junge Menschen dafür zu begeistern eine Ausbildung als Koch zu beginnen.

Dieser Umstand ist natürlich nicht neu. „Die Temperaturen in der Küche sind hoch, das Tempo ist schnell, man muss stressresistent sein“, gibt Dehoga-Geschäftsführerin Hartges gegenüber der WELT zu. Wer sich überlegt eine Ausbildung als Koch anzufangen, sollte ihr zufolge vorher unbedingt ein Praktikum in der Küche absolvieren. Denn die breite Gastronomie, in der man  stundenlang Gemüse schnippeln oder mehrere Kilogramm rohes Fleisch durch den Wolf drehen muss, hat eben nur wenig mit der Welt der TV-Köche zu tun. (welt.de/MJ)

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