Insolvenz

Investor soll Brauerei Eichbaum retten

Sitz der Privatbrauerei Eichbaum in Mannheim-Käfertal
Für das insolvente Traditionsunternehmen Eichbaum zeichnet sich eine Lösung mit einem Investor ab. (Foto: © picture alliance / imageBROKER | Udo Herrmann)
Für Eichbaum gibt es Hoffnung. Ein Investor soll die insolvente Privatbrauerei übernehmen. Doch der Preis ist hoch: Ein Großteil der Arbeitsplätze steht auf dem Spiel.
Mittwoch, 25.03.2026, 10:47 Uhr, Autor: Sarah Kleinen

Die insolvente Brauerei Eichbaum ist der Rettung einen Schritt näher gekommen – die Beschäftigten müssen dafür aber voraussichtlich herbe Einschnitte hinnehmen. Die Gläubiger haben dem Fortführungskonzept der Geschäftsführung zugestimmt, teilte das Mannheimer Unternehmen mit. Zuvor stand auch eine Abwicklung der Traditionsbrauerei im Raum.

Zentraler Bestandteil des Konzepts ist den Angaben nach der Einstieg eines Investors, der Geld in die Brauerei stecken und wesentliche Vermögenswerte übernehmen will. Dazu gehören vor allem die Marke, Betriebsimmobilien und Produktionsanlagen. Die Eigenverwaltung soll demnach nun alle erforderlichen Schritte zur Umsetzung der Transaktion einleiten.

Eichbaum muss stabilisiert werden

Für den Generalbevollmächtigten Christoph Glatt, der die Neuaufstellung im Rahmen der Eigenverwaltung unterstützt, ist die Entscheidung der Gläubiger ein klares Votum für die Zukunft von Eichbaum. „Jetzt geht es darum, die vereinbarten Maßnahmen strukturiert umzusetzen und die wirtschaftliche Stabilisierung des Unternehmens zu erreichen“, teilte er mit. 

Dazu zählt neben strukturellen Änderungen sowie im Tagesgeschäft auch ein größerer Stellenabbau. Es sei erforderlich, die Beschäftigtenzahl deutlich zu reduzieren, um eine langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. „Die dafür erforderlichen Schritte werden in enger Abstimmung mit den Beteiligten in den kommenden Wochen eingeleitet“. Eine genaue Zahl blieb zunächst offen. 

NGG: Zwei Drittel der Beschäftigten soll Job verlieren

Zuletzt arbeiteten bei Eichbaum noch etwa 290 Menschen. Im Februar hatte die Brauerei einen Abbau von knapp 100 Stellen bestätigt. Für die Rettung zeichnen sich noch drastischere Schritte ab: Nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) sollen etwa zwei Drittel der 290 Beschäftigten ihren Job verlieren. Das sei sehr bitter, teilte NGG-Landeschef Hakan Ulucay mit. Durch die Vereinbarung gebe es aber eine „reelle Chance auf Rettung des Brauereistandorts in Mannheim“.

So könnten knapp 100 Stellen erhalten werden. „Jetzt gehe es darum, dass es für die verbleibenden Beschäftigten weiter geht und sie wieder auf sichere Arbeitsplätze bauen können“. Die Gewerkschaft kündigte an, sich für einen sozialverträglichen Stellenabbau und eine Transfergesellschaft einzusetzen. 

Mehr zum Thema

Antrag auf Insolvenz Ende Oktober

Die Brauerei hatte Ende Oktober 2025 den Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gestellt. Im Export war der Umsatz zurückgegangen, im Inland sank die Nachfrage. Das führte zu einem erheblichen Liquiditätsengpass. Das Unternehmen liefert eigenen Angaben zufolge weltweit in mehr als 60 Länder. 

Eichbaum sollte früheren Plänen zufolge von einer reinen Brauerei zu einem breiter aufgestellten Getränkehersteller umgebaut werden. Erst vor wenigen Monaten war bekanntgeworden, dass Eichbaum seine Marke Karamalz samt Produktion an Veltins verkauft hat. Der Verkaufspreis wurde nicht genannt.

(dpa/SAKL)

Zurück zur Startseite

Weitere Themen

Außenansicht der Privatbrauerei Eichbaum
Insolvenz
Insolvenz

Brauerei Eichbaum hofft auf Investor und Neuanfang

Ende Oktober hatte Eichbaum einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Jetzt will die Brauerei auf einen Investor setzen. Die Geschäftsführung will den Standort sichern und möglichst viele Jobs erhalten.
Eine Kiste Oettinger-Bier steht am 31.07.2014 in der Oettinger Brauerei in Braunschweig (Niedersachsen) auf einem Transportband.
Betriebsschließung
Betriebsschließung

Oettinger-Brauerei stellt Bierproduktion in Braunschweig ein

Schon vor einigen Monaten hatte Oettinger angekündigt, kein Bier mehr in Braunschweig zu produzieren. Die Gewerkschaft wehrte sich – jedoch ohne Erfolg. Das Aus kommt früher als erwartet.
Zwickauer Mauritius Brauerei
Sinkende Absatzzahlen
Sinkende Absatzzahlen

Zwickauer Mauritius Brauerei meldet Insolvenz an

Das Traditionsunternehmen wird nun zunächst durch einen Insolvenzverwalter geführt. Die Insolvenz geschieht vor dem Hintergrund sinkender Absatzzahlen für Sachsens Brauereien.
Stefano Buck
Übernahme
Übernahme

Nach Insolvenzeröffnung: Friedmann Großkücheneinrichtung GmbH steht kurz vor Rettung durch Investor

Die Friedmann Großkücheneinrichtung GmbH, ein Spezialist für die Planung, Einrichtung und Ausstattung von Profiküchen, ist in eine wirtschaftliche Schieflage geraten. Ein entsprechendes Insolvenzverfahren wurde am 1. Dezember 2025 eröffnet. Die Übernahme durch einen Investor ist jedoch bereits im Gange.
Marthabräu in Fürstenfeldbruck
Neustart
Neustart

Marthabräu in Fürstenfeldbruck aus der Insolvenz gerettet

Das Marthabräu in Fürstenfeldbruck ist gerettet! Nach der Insolvenz im Frühjahr wurden nun zwei Kennerinnen gefunden, die den Betrieb neu aufstellen wollen – mit Leidenschaft und einem klaren Kurs.
Giuliano Genoni, Felix Schiffner und Léon Rodenburg
Wettbewerb
Wettbewerb

8. Weltmeisterschaft der Biersommeliers in München

Hier entscheiden Nuancen: Alle zwei Jahre wird die Weltmeisterschaft der Biersommeliers ausgetragen. In diesem Jahr findet sie bereits zum achten Mal statt.  
Foto der ausgezeichneten Brauer
Auszeichnung
Auszeichnung

Deutscher Brauertag in Berlin zeichnet Biere und Braukunst aus

Anlässlich des Deutschen Brauertages sind Brauer für herausragende Biere und ihre Braukunst ausgezeichnet worden. Zu dem Festakt in Berlin hatte der Deutsche Brauer-Bund geladen. Das seit mehr als 150 Jahren stattfindende Event ist bundesweit das größte Branchentreffen der Brauwirtschaft.
Bier wird abgezapft
Bierabsatz
Bierabsatz

Trotz Fußball-EM: Deutschlands Bierabsatz erreicht historischen Tiefstand

In Deutschland sinkt der Bierabsatz weiter. Die deutschen Brauereien haben im vergangenen Jahr eine historisch niedrige Menge Bier verkauft. Nicht einmal die Fußball-EM im eigenen Land konnte daran etwas ändern. 
Die Absatzkrise der Brauereien in Deutschland geht weiter.
Bierabsatz
Bierabsatz

Das Bier läuft nicht mehr – Brauereien in Alarmstimmung

So wenig Bier wie im Jahr 2023 haben die deutschen Brauer seit der Wiedervereinigung noch nie verkauft. Höhere Preise sind nur schwer durchsetzbar. Doch die wirklichen Probleme kommen erst noch.