"First Lady des Rebensafts"

Deutschlands neue Weinkönigin schickt Botschaft an Trump

Angelina Vogt ist Deutschlands neue Weinkönigin. Warum die frisch gekürte „First Lady“ des Rebensafts US-Präsident Trump gerne 100 Flaschen Wein schicken würde.

Montag, 30.09.2019, 10:04 Uhr, Autor: Thomas Hack
Weinkönigin Angelina Vogt

Ein Jahr lang vertritt die die neue Weinkönigin Angelina Vogt nun die rund 20.000 deutschen Winzer der 13 Anbaugebiete bei mehr als 200 Terminen rund um den Globus. (© picture alliance/Andreas Arnold/dpa)

Im Augenblick des Sieges sprudelten die Worte aus Deutschlands neuer Weinkönigin wie Sekt aus einer Flasche. „Ich bin total geflasht und begeistert“, jubelte die Ernährungswissenschaftlerin Angelina Vogt vom Anbaugebiet Nahe. Auf der Bühne im pfälzischen Neustadt regnete goldenes Konfetti auf die 25-jährige angehende Winzerin herab. Die Skepsis, ob das Amt einer Weinkönigin nach mehr als 70 Jahren noch zeitgemäß sei, wischte Vogt weg wie eine unreife Traube. „Das Amt ist moderner denn je“, sagte die Monarchin auf Zeit mit fester Stimme. Auf dem Weg zur 71. Deutschen Weinkönigin setzte sich die junge Frau aus Weinsheim gegen fünf Konkurrentinnen durch. Die Frauen mussten etwa Weinsorten bei einer Blindverkostung erkennen und Begriffe wie „Schluckspecht“ pantomimisch darstellen. Bei der bunten Show überzeugte Vogt auch mit Schlagfertigkeit. So kommentierte sie einen Schluck süffigen Portugieser mit den Worten: „Dieser Wein macht Bock auf ein Steak.“

First Lady des Weins vertritt 20.000 Winzer

Ein Jahr lang vertritt die First Lady des Rebensafts nun die rund 20.000 deutschen Winzer der 13 Anbaugebiete bei mehr als 200 Terminen rund um den Globus. „In meinem Amtsjahr will ich meine Leidenschaft für Wein mit anderen teilen“, sagte Vogt. Ihre erste Reise führt am 3. Oktober nach Paris, wo sie bei einer Feier zum Tag der Deutschen Einheit für den deutschen Wein wirbt. Die höchste Repräsentantin des deutschen Weins übernahm die Krone von Carolin Klöckner. Die bisherige Hoheit nahm mit gemischten Gefühlen Abschied. „Es gab keine Sekunde, die ich missen möchte“, sagte Klöckner unter dem Applaus der etwa 800 Gäste. Die Studentin der Agrarwissenschaften legte in ihrem Amtsjahr den Angaben zufolge rund 113.400 Kilometer im Namen der Rebe zurück. Zu Weinprinzessinnen, die Angelina Vogt bei ihrer Arbeit unterstützen sollen, wählte die Jury Julia Sophie Böcklen und Carolin Hillenbrand. Rheinland-Pfalz gratulierte seiner Siegerin. „Wir sind unglaublich stolz“, sagte Landwirtschaftsminister Volker Wissing (FDP) am Rande der Krönung. „Sie wird eine großartige Repräsentantin des deutschen Weins.“

100 Flaschen zollfreie Weine für Donald Trump

Angelina Vogt spricht Japanisch, tanzt Flamenco, schätzt Goethes „Faust“ und ist nicht unpolitisch. „Ich würde gerne 100 Flaschen Nahewein zollfrei an Donald Trump schicken, weil ich ihm zeigen möchte, dass man nicht alles was gut ist, im eigenen Land herstellen kann“, sagt sie zum Beispiel. Vogt besteigt den Thron zu einem guten Zeitpunkt, denn die Branche hofft auf einen vielversprechenden Weinjahrgang. Deutscher Wein kommt auch international gut an und Vogt soll beitragen, die Bilanz weiter zu verbessern. Denn für die Branche ist das traditionsreiche Amt auch ein Marketing-Instrument. „In meinem Leben hat es mich quer durch die deutschen Anbaugebiete verschlagen“, erzählte die Tochter eines Servicetechnikers und einer Hausfrau. Noch am Wahlabend kündigte Angelina Vogt eine aktive Amtszeit an. „Wertvolle Erfahrung wird oft auf abgelegenen Wegen gemacht“, betonte sie mit glänzenden Augen. „Ich freue mich auf den Roadtrip mit euch.“ (dpa/TH)

 

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