Fleischindustrie

Endet jetzt die Billigfleisch-Ära?

Abgepacktes Fleisch im Supermarkt
Die Supermärkte profitieren von den Lockvogel-Angeboten bei Billigfleisch. (Foto: ©Joshhh/stock.adobe.com)
Es brauchte erst Corona-Ausbrüche in Schlachtbetrieben, um Billigfleisch und dortige Arbeitsbedingungen (erneut) scharf zu kritisieren. Jetzt liegen die Themen wieder prominent auf den Tischen der Politiker. Auch Verbraucher wünschen sich, laut Umfrage, schärfere Gesetze.
Freitag, 26.06.2020, 12:35 Uhr, Autor: Kristina Presser

Die große Mehrheit der deutschen Bundesbürger wünscht sich eine schärfere Regulierung von Schlachtbetrieben – selbst, wenn dadurch die Preise steigen. Das geht aus dem aktuellen ZDF-Politbarometer* hervor. 92 Prozent der Umfrageteilnehmer würden schärfere Gesetze befürworten. Allerdings glauben nur 55 Prozent der Befragten, dass die Bürger generell bereit seien, mehr Geld für Fleisch auszugeben.

Hintergrund der ZDF-Umfrage sind die jüngsten Corona-Ausbrüche in Schlachtbetrieben, seit denen nicht nur die Billigpreise für Fleischprodukte im Supermarkt massiv in der Kritik stehe, sondern auch die Arbeitsbedingungen in der Industrie. Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft Julia Klöckner tauschte sich dazu am Freitag, 26. Juni 2020, mit Amtskollegen und Vertretern der Branche aus.

„Der Handel wird schwierig zu überzeugen sein“

Kurz vor dem Branchengespräch hatte die nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser die Notwendigkeit eines Umbruchs betont. „Die Zukunft wird sicherlich anders aussehen, als die Gegenwart aussieht“, sagte sie am Freitag in einem Interview mit dem Sender WDR 5. Im Interesse von Mitarbeitern, Landwirten und Tieren müsse es dringend Änderungen geben. Allerdings betonte die Ministerin auch, wie schwierig es sei, in einem eingespielten System Veränderungen herbeizuführen: „Der Handel wird sicherlich schwierig zu überzeugen sein, von Lockvogel-Angeboten abzusehen.“
(dpa/KP)

*Für die Befragung wurden von der Forschungsgruppe Wahlen in der Zeit vom 23. bis 25. Juni 2020 1.227 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte telefonisch befragt. Dabei werden sowohl Festnetz- als auch Mobilfunknummern berücksichtigt. Die Befragung ist repräsentativ für die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland.

Zurück zur Startseite

Weitere Themen

Verpacktes Fleisch im Supermarktregal
Gesetzentwurf
Gesetzentwurf

„Fleisch und Tiere sind keine Ramschware“

Das Bundesarbeitsministerium hat einen Gesetzentwurf mit Verschärfungen für die deutsche Fleischindustrie vorgelegt. Verbraucherpreise könnten dadurch steigen. Kein Nachteil, laut Politiker.
Ein Steakt mit dem Aufdruck 19 Prozent
„Tierwohlkampagne“
„Tierwohlkampagne“

Agrarministerin fordert Sondersteuer auf Fleisch

Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast fordert eine Sondersteuer auf Fleisch, um mehr Tierwohl zu finanzieren. Unterstützung erhält sie von den Grünen. Amtskollegin Klöckner in Berlin hingegen zeigt sich skeptisch. 
Alexander Huber, Präsident der JRE
Mehrwertsteuererhöhung
Mehrwertsteuererhöhung

Spitzenköche fordern Umdenken bei der Fleischpolitik

Politik und Verbände diskutieren zurzeit intensiv die Frage, ob die Erhöhung der Mehrwertsteuer für Fleisch sinnvoll sein kann oder nicht. Nun nimmt Alexander Huber, Präsident der Jeunes Restaurateurs (JRE), dazu Stellung.
Ein Stück fFelisch, auf dem 19 % steht
Steuereinnahmen
Steuereinnahmen

Politiker fordern höhere Mehrwertsteuer auf Fleisch

Politiker unterschiedlichster Parteien fordern, die Mehrwertsteuer bei Fleisch auf 19 Prozent zu erhöhen. Die damit eingenommen Gelder sollen für ein größeres Tierwohl verwendet werden. 
Ein abgerissenes McDonald's-Werbeplakat
Poltischer Zündstoff
Poltischer Zündstoff

GRÜNE wollen Fleischwerbung verbieten

Die Baseler Grünen sorgen derzeitig für Zündstoff im Parlament: Aus Klimagründen sollen Werbemaßnahmen für Flugreisen und Fleischprodukte verboten werden. Gegner sehen darin einen gefährlichen Präzedenzfall.
Torben Niemann (HKI), Carsten Bick (DZG), Lucas Krusius (VDFU), Dr. Marcel Klinge (DZG), Jürgen Gevers (VDFU), Homeira Amiri (DZG), Oliver Peters (DJH), Michael Buller (VIR), Frank Kienle (HKI) und Gunnar Borg (DJH)
Branchendialog
Branchendialog

Gastwelt macht Druck vor dem Reichstag

Bei der diesjährigen „Meet & Eat“-Aktion der DZG kamen über 300 Vertreter aus Parlament, Bundesregierung und Gastwelt zusammen. Im Mittelpunkt standen die Rentenreform, die Mehrwertsteuer sowie die Forderung nach verlässlicheren Rahmenbedingungen.
Preise an einer Tankstelle
Kostendruck
Kostendruck

Tankrabatt-Aus: Was bedeutet das für das Gastgewerbe?

Der Tankrabatt ist seit dem 1. Juli Geschichte – und die Spritpreise ziehen deutlich an. Für Hotels, Restaurants und Caterer kann das Folgen haben: etwa bei Lieferkosten, Mobilität und der Kaufkraft der Gäste.
Junge Servicekraft notiert Bestellung
Kritik
Kritik

Verbändeallianz fordert Erhalt der jetzigen Minijob-Regelung

Der Sonderstatus von Minijobs soll künftig nur noch für Schüler gelten – so sieht es ein Vorschlag der Rentenkommission vor. Eine breite Verbändeallianz hat sich nun zusammengeschlossen und warnt davor, die bestehenden Regelungen zu verschärfen – mit Folgen für Beschäftigte und Betriebe.
Markus Söder, Friedrich März und Lars Klingbeil
Politik
Politik

Reformpaket: Was auf das Gastgewerbe zukommen könnte

Im Koalitionsausschuss wird nun über ein umfassendes Reformpaket beraten. Für Hotels und Restaurants könnten die Entscheidungen spürbare Folgen haben – von der Arbeitszeit bis zur Mehrwertsteuer.