Ernährung

Toques d’Or kritisiert Ergebnisse der „Kinderteller-Debatte“

Das Gastronomie-Netzwerk sieht in dem ausgehandelten Kompromiss nur Appelle und schöne Worte und kein effektives Handeln. Toques d’Or lädt nun selbst Ministerin Julia Klöckner zum Gespräch ein.

Mittwoch, 27.03.2019, 11:02 Uhr, Autor: Thomas Hack
Lachende Kinder essen in einem Restaurant

„Appelle und schöne Worte sind das eine, effektives Handeln das andere.“ Mit diesen Worten kritisiert Toques d’Or-Präsident Ernst-Ulrich Schassberger die Ergebnisse der Kinderteller-Debatte Ende März. (© kolinko_tanya/Fotolia)

Da eine vor kurzem durchgeführte Studie ergeben hat, dass die Kinderangebote in Restaurants zu ungesund und einseitig seien, kamen Ende März DEHOGA- Vertreter und Ernährungsexperten mit Julia Klöckner, Ministerin für Ernährung und Landwirtschaft, zu einem „Kinderteller-Gipfel“ in Berlin zusammen. Als Ergebnis will der Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA nun die Empfehlungen überarbeiten und fordert für die Zukunft einen verbesserten Austausch zwischen Ernährungsexperten, Eltern und Gastronomen. Vorschriften soll es aber keine geben, stattdessen freiwillige Initiativen. Auch Vertreter des Gastronomie-Netzwerks Toques d’Or trafen sich, um sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Präsident Ernst-Ulrich Schassberger zeigte sich unzufrieden über die Ergebnisse und nannte diese wenig zielführend: „Der erhobene  Zeigefinger in Richtung Gastronomie ist nicht nur sehr einseitig, er bringt uns auch nicht weiter. Das geht am Problem vorbei!“.

„Effektives Handeln statt schöne Worte!“
Darüber hinaus kritisierte er, dass in der Studie keine Restaurantketten berücksichtigt worden seien. „Appelle und schöne Worte sind das eine, effektives Handeln das andere“, so Schassberger. Er erinnerte dabei an die jahrelangen Bemühungen seiner Initiative, Ernährung und Kochunterricht zum Pflichtfach 2 Jahre lang mit Benotung an Schulen der Bundesrepublik einzuführen. Eine Vorbildfunktion sprach er Finnland zu, wo dies schon seit geraumer Zeit erfolgreich praktiziert werde. „Hier geht kein Jugendlicher von der Schule, der nicht in der Lage ist, bzw. Kenntnis besitzt, sich selbstständig und vor allem vernünftig zu versorgen“. Auch Toques d’Or-Chairman Uwe Steiniger aus Rheinland-Pfalz sieht nun die Politik am Zug: „Wenn wir wirklich etwas verändern wollen, ist das nicht die Aufgabe der Gastronomie vor Ort, sondern steht und fällt mit dem Gestaltungswillen der Politik. Viele Toques d’Or Kolleginnen und Kollegen engagieren sich bereits seit 1994 ehrenamtlich an Schulen, geben dort Geschmacksunterricht und Hilfestellung in punkto gesunder Ernährung. Bei Toques d’Or haben wir uns sogar dazu verpflichtet.“

Nicht nur Ideen, sondern umsetzbare Konzepte
Die berufenen Toques d’Or Chefs, Maîtres und zertifizierten Restaurateure bieten daher weiterhin ihre Unterstützung an und laden nun ihrerseits Ministerin Klöckner zu einem Treffen ein. „Wir bieten der Ministerin dabei nicht nur Ideen und nett gemeinte Aktionen an, sondern umsetzbare Konzepte“, so die Runde einstimmig. „Was zählt, ist der Wille zur Veränderung, Worte wurden schon genug gewechselt“. Die Initiative Toques d’Or International setzt sich auf breiter Ebene für den Schutz, die Erhaltung und die Förderung von Lebensmitteln von Qualität und Herkunft mit seinem Netzwerk von Garantie-Fachbetrieben und berufenen Chefs und Maîtres ein, wobei es das Ziel ist, die traditionellen handwerklichen Erzeuger zu unterstützen, Qualitätserzeugnisse zu fördern, die kulinarischen Traditionen zu erhalten und den verantwortlichen Umgang mit Lebensmitteln durch die angeschlossenen zertifizierten Garantie-Fachbetriebe zu gewährleisten.

 

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