Eine Frage der Soße

Happy birthday, Currywurst!

Die Currywurst wird dieser Tage 70 Jahre alt. Angeblich ist sie eine Berliner Erfindung. Doch auch andere bezeichnen sich als Väter des deutschen Fast-Food-Klassikers.

Dienstag, 03.09.2019, 09:46 Uhr, Autor: Clemens Kriegelstein
Currywurst mit Pommes Frites

Currywurst mit Pommes. „Deutscher“ ist wohl kein Fast-Food-Gericht. (© fotolia.com/karepa)

Sie ist so deutsch wie Mülltrennen, die Bundesliga und „Mahlzeit“-Sagen. Die Currywurst wird 70 Jahre alt. Genauer gesagt: Die Legende der Erfindung hat Geburtstag. Am 4. September 1949 soll die Ostpreußin Herta Heuwer in Berlin das erste Mal eine Soße aus Tomatenmark, Worcestershiresoße, Currypulver und anderen Gewürzen zusammengerührt und über eine gebratene und klein geschnittene Brühwurst gegossen haben. Das alles angeblich, weil sie Langeweile hatte.

Zehn Jahre später ließ sich Heuwer die Currywurst-Soße als Patent schützen. „Ich habe das Patent – und damit basta. Wer etwas anderes behauptet, der hat einen Stich“, soll die 1999 verstorbene Imbissbesitzerin dazu gesagt haben. Die Legende hat Konkurrenz. Uwe Timm beschreibt in seiner Novelle „Die Entdeckung der Currywurst“, wie die Hamburgerin Lena Brückner auf der Treppe stürzt. In der einen Hand hat sie Curry, in der anderen Ketchup – fertig ist die Soße.

Geburtsstunde schon 1946?

Neuerdings soll die Wurst sogar eine Erfindung aus Niedersachsen sein. So sieht es jedenfalls Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe aus Bückeburg bei Hannover. Geburtsort der Currywurst sei nachweislich seine Schlossküche, behauptete er. Ein Küchenmeister soll dort nach dem Krieg für Offiziere der britischen Rheinarmee aus Aprikosenmarmelade, Tomatenketchup, Curry und Salz eine Soße bereitet haben – und das schon 1946. Auch im Ruhrgebiet gibt es Leute, die dort Belege für die Frühzeit der Currywurst gefunden haben wollen.

In der Wurst-Hauptstadt Berlin sind „Curry 36“ im alten Westen und „Konnopke’s“ im Osten die bekanntesten Adressen. Um die Mittagszeit stehen dort die Leute Schlange. Nach wie vor beliebt: Einmal „Curry“ mit Pommes rot-weiß, gerne mit Cola. Die Kakao-Flaschen, die neben dem Grill stehen, werden gerne von Bauarbeitern bestellt, wie Lazo Vujinovic (35) von „Curry 36“ in Kreuzberg erzählt. Er glaubt natürlich, dass die Currywurst eine Berliner Erfindung ist. „Es wäre ja traurig, wenn ich das nicht täte.“ Was eine gute Soße ausmacht? „Sie enthält viel Tomate und wenig andere Zusatzstoffe.“ Geöffnet ist „Curry 36“ bis 5.00 Uhr morgens, fast immer sieht man dort Menschentrauben. Der 1980 gegründete Imbiss ist, so wirbt seine Homepage, „praktisch ein Weltkulturerbe“. Tom Hanks soll auch schon da gewesen sein.

Vegane Variante

Auch in Zeiten von Bio, Öko und veganer Wurst: Das Geschäft mit dem Fleisch geht weiter. „Der Großteil isst den Klassiker“, sagt Dagmar Konnopke. Was die Rezepte angeht, da lächelt sie. „Das möchten immer alle wissen.“ In der Pappschale landet eine Wurst aus Schweinefleisch mit Gewürzen samt Ketchup aus Werder in Brandenburg. Viel mehr lässt sie sich nicht entlocken. Familiengeheimnis. Obwohl – es gibt auch Gegentrends: Die Rügenwalder Mühle besiegelte das Ende ihrer Currywurst aus Fleisch. Der Wursthersteller brauche mehr Platz für seine vegetarischen Produkte, sagt Firmenchef Godo Röben.

Nach Schätzungen sollen die Deutschen jedes Jahr 800 Millionen Würste pro Jahr verputzen. Den größten Produzent wird man dabei nicht im klassischen Fleischer-Gewerbe finden. Volkswagen serviert seine hausgemachte Currywurst täglich ab acht Uhr in der Werkskantine und soll in guten Jahren mehr Currywürste als Autos an den Mann bringen. Mahlzeit!

 

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