Foodtrends

Welt-Vegan-Tag: Pflanzlich auf Erfolgskurs?

veganes Essen auf Teller
Pflanzliche Gerichte gewinnen als eigenständiger Bestandteil gastronomischer Konzepte an Bedeutung. Zum Welt-Vegan-Tag am 1. November steht auch ihr Beitrag zum Klimaschutz im Fokus. (Foto: © obsidianium/stock.adobe.com)
Vegane Ernährung ist längst mehr als ein Nischenthema. Zum Welt-Vegan-Tag rücken Klimaschutz und veränderte Essgewohnheiten in den Fokus. Für Hoteliers, Gastronomen und Küchenchefs stellt sich die Frage, welchen Stellenwert pflanzliche Gerichte künftig auf der Speisekarte einnehmen sollten.
Freitag, 30.10.2026, 11:09 Uhr, Autor: Karoline Giokas

Am 1. November steht die vegane Ernährung im Mittelpunkt. Während für Verbraucher häufig Tierwohl und persönliche Überzeugungen ausschlaggebend sind, spielen für die Hospitality-Branche weitere Aspekte eine Rolle: die Nachfrage der Gäste, die Zusammenstellung des Speisenangebots und die ökologische Bilanz der verwendeten Lebensmittel.

Vegane Ernährung kann die Klimabilanz verbessern

Weniger tierische Produkte auf dem Teller können einen messbaren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Darauf weisen auch Wissenschaftler hin. Insbesondere Rindfleisch verursacht vergleichsweise hohe Treibhausgasemissionen. Pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchte schneiden in der Klimabilanz häufig besser ab als tierische Produkte.

Nach Einschätzung des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) entfallen rund 60 bis 65 Prozent der ernährungsbedingten Treibhausgasemissionen einer durchschnittlichen Person auf tierische Lebensmittel. Eine vegane Ernährung könne die Emissionen im Bereich Ernährung gegenüber einer durchschnittlichen deutschen Ernährungsweise um 55 bis 60 Prozent reduzieren.

Für Küchenchefs bedeutet das: Die Auswahl der Zutaten ist ein wichtiger Hebel, wenn gastronomische Betriebe ihre Umweltbilanz verbessern wollen. Dabei kommt es nicht allein auf den Verzicht auf Fleisch an. Auch die Herkunft der Produkte, ihre Erzeugung und die Vermeidung von Lebensmittelabfällen beeinflussen die Gesamtbilanz.

Wie relevant ist vegane Ernährung für die Gastronomie?

Vegan lebende Menschen bleiben in Deutschland eine Minderheit. Laut Ernährungsreport 2025 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft ernähren sich rund zwei Prozent der Bevölkerung vegan, sieben Prozent vegetarisch. Besonders bei jüngeren Menschen sind pflanzliche Ernährungsweisen verbreitet.

Für Gastgeber ist deshalb nicht nur die Zahl der Menschen entscheidend, die sich vollständig vegan ernähren. Auch Gäste, die ihren Fleischkonsum reduzieren, können für die Nachfrage nach pflanzlichen Gerichten relevant sein.

Für die Speisekartenplanung ergibt sich daraus eine praktische Frage: Sind vegane Gerichte als vollwertige, eigenständige Angebote integriert oder beschränkt sich die Auswahl auf Beilagen und einzelne Ersatzprodukte? Gerade in der gehobenen Gastronomie und Hotellerie bietet die pflanzliche Küche Spielraum für kreative Gerichte, saisonale Zutaten und neue Geschmackskombinationen.

Eine pauschale Empfehlung, den veganen Anteil der Speisekarte zu erhöhen, lässt sich aus den Bevölkerungszahlen allerdings nicht ableiten. Entscheidend sind das jeweilige Betriebskonzept, die Zielgruppe und die tatsächliche Nachfrage.

Veganuary-Umfrage deutet auf veränderte Essgewohnheiten hin

Dass ein zeitlich begrenzter Versuch die Ernährung längerfristig beeinflussen kann, legt eine Befragung der Organisation Veganuary nahe. Von den 1.730 befragten Teilnehmern, die im Januar 2026 eine vegane Ernährung ausprobiert hatten, gaben sechs Monate später 35 Prozent an, weiterhin vollständig vegan zu essen.

Weitere 33 Prozent hatten ihren Konsum tierischer Produkte um mehr als 75 Prozent reduziert. Insgesamt hatten laut der Organisation 82 Prozent der zuvor nicht vegan lebenden Befragten ihren Konsum tierischer Produkte mindestens halbiert.

Die Zahlen sind mit Vorsicht zu interpretieren: Befragt wurden Menschen, die sich aktiv für die Kampagne entschieden und an der anschließenden Umfrage teilgenommen hatten. Die Ergebnisse sind daher nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung.

Für die Branche liefern sie dennoch einen Anhaltspunkt dafür, dass pflanzliche Ernährung nicht ausschließlich mit einem kurzfristigen Aktionsmonat verbunden sein muss.

Vegane Küche als eigenständiges Gastronomiekonzept

Wie vielseitig sich pflanzliche Küche positionieren lässt, zeigen unterschiedliche Betriebe. Das Berliner Restaurant Bonvivant etwa setzt beim Dinner und Brunch vollständig auf vegane Gerichte. Küchenchef Nikodemus Berger kombiniert regionale und saisonale Zutaten mit anspruchsvollen Zubereitungstechniken. Das Konzept zeigt, dass eine rein pflanzliche Ausrichtung auch in der gehobenen Gastronomie mit einem eigenständigen kulinarischen Profil verbunden werden kann.

Einen anderen Ansatz verfolgt die Waldmühle Rheingau in Kiedrich. Der Betrieb setzt ebenfalls vollständig auf pflanzenbasierte Küche und bietet unter anderem Brunch- und Mittagsformate an. Die Gerichte orientieren sich an saisonalen Zutaten und internationalen Einflüssen.

Beide Beispiele verdeutlichen, dass pflanzliche Küche nicht auf einzelne vegane Alternativen beschränkt sein muss. Für andere Gastgeber muss daraus nicht zwangsläufig ein vollständig veganes Konzept folgen.

Auch eine gezielte Erweiterung der Speisekarte um eigenständige Gemüsegerichte und kreative pflanzliche Hauptgänge kann ein Ansatz sein. Welche Strategie sinnvoll ist, hängt von der Positionierung des Betriebs und den Erwartungen seiner Gäste ab.

(Umweltbundesamt/DGE/Bonvivant Berlin/Waldmühle Rheingau/dpa/Vaganuary/KAGI)

 

Zurück zur Startseite

Weitere Themen

Rotkohl
Meilenstein
Meilenstein

Das Bonvivant ist jetzt zu 100 % vegan

Das Berliner Sternerestaurant setzt einen neuen Meilenstein in Sachen Nachhaltigkeit: Seit Januar 2025 ist das Dinner-Angebot bereits pflanzlich ausgerichtet. Jetzt zieht auch dass Brunch-Angebot nach. 
Immer mehr Mensen bieten eine vegane Ernährungsweise an
Ernährungsstil
Ernährungsstil

Immer mehr Mensen bieten vegane Speisen an

Die Ernährungswende hin zum pflanzenbasierten Essen nimmt an den Universitäten mehr Fahrt auf. Die Hochschulen selbst wirken dabei als Katalysator für die vegane Lebensweise. 
NIC Veg Burger Restaurants in Karlsruhe
Foodtrend
Foodtrend

NIC veg Burger Restaurant eröffnet in Karlsruhe

Das innovative Konzept von NIC veg Burger Restaurant ist ab sofort auch in Karlsruhe zu erleben. Am Rondellplatz beim Ettlinger Tor Center feierte das Restaurant am 5. Dezember 2022 mit großem Besucheransturm feierlich seine Eröffnung.
New Food Conference 2022
Veranstaltung
Veranstaltung

New Food Conference zeigt neue Foodtrends

Speck aus Pilzen, Garnelen aus Algen, Rindfleisch aus dem 3-D-Drucker: Die New Food Conference von Proveg International in Berlin gab einen Einblick in die Foodtrends der Zukunft.
Ein veganes Falafel-Gericht)
Foodtrends
Foodtrends

Österreich ernährt sich immer veganer

Eine repräsentative Lieferando-Studie zur veganen Ernährung in Österreich hat nun einige unerwartete Überraschungen ans Tageslicht gebracht.
Ein Burger aus einem 3D-Drucker
Alternativprodukte
Alternativprodukte

Fast-Food-Kette plant Vegan-Burger aus 3D-Drucker

Die Markengastronomie Burgus Burger Bar aus Israel arbeitet derzeitig an der Herstellung fleischloser Burger, die direkt aus dem 3D-Drucker kommen. Zutatenkartuschen sollen dabei für personalisierte Produkte sorgen.
Die Trophäe der Berlinale
Tierwohl
Tierwohl

Berlinale 2020 wird fleischlos

Nach den Golden Globe- und Oscar-Verleihungen wird nun auch der Medienboard-Empfang zur Berlinale 2020 erstmals fleischlos werden.
Ein vegetarischer Burger von Beyond Meat
Veggie-Burger
Veggie-Burger

Gutachter entdecken Problemstoffe in „Beyond Meat“-Burgern

„Beyond Meat“ reitet mit seinen Fleischersatz-Burgern auf einer Erfolgswelle. Doch eine Laboruntersuchung hat nun gezeigt: Offensichtlich werden Aromastoffe verwendet, die von der EU als nicht verkehrsfähig eingestuft werden. 
Ein Burger neben einer Tafel mit Aktienkursen
Fake & Finanzen
Fake & Finanzen

Veganer Burger löst Börsen-Hype aus

Die für ihre veganen Burger bekannte US-Firma Beyond Meat setzt ihr rasantes Wachstum fort und mischt sowohl den Lebensmittel- als auch den Kapitalmarkt kräftig auf. Doch es gibt immer mehr kritische Stimmen.