Tradition

Grillen wird immaterielles Kulturerbe im Saarland

Detlev Jessen steht am Schwenker Grill.
Das Schwenken wird im Saarland zum immateriellen Kulturerbe. (Foto: © picture alliance/dpa | Oliver Dietze)
Im Saarland schwenkt der Schwenker den Schwenker. Was das heißt und warum die Tradition jetzt zum immateriellen Kulturerbe im Bundesland wird.
Mittwoch, 28.01.2026, 08:59 Uhr, Autor: Sarah Kleinen

Im Saarland wird nicht nur gegrillt, sondern geschwenkt. Und zwar Schwenkbraten auf dem Schwenker (einem Dreibein-Grill) – von einer Person, die auch Schwenker heißt. Jetzt hat es das Schwenken ins Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes im Saarland geschafft, wie das Kulturministerium in Saarbrücken nach der Entscheidung der Landesjury mitteilte.

„Wenig steht so sehr für die Lebensart in unserer Genussregion Saarland wie das Schwenken“, teilte die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) mit. 

Der Schwenker schwenkt den Schwenker – auch im Winter

Die Kulturform des Schwenkens ist im Saarland tief verankert. Es ist bekannt, dass Saarländer auch nicht nur im Sommer „schwenken“, sondern bei jedem Wetter und zu allen Jahreszeiten – etwa auch an Neujahr.

Markus Reiter, der Erbauer des größten Schwenkers: „Das Schwenken gehört für mich untrennbar zum Saarland. Es ist ein Ritual, bei dem es nicht nur um das Essen geht, sondern um Zeit miteinander, um Austausch und Gemeinschaft.“

Weitere Kulturformen wurden aufgenommen

Neben dem Schwenken bekamen noch weitere saarländische Kulturformen grünes Licht für die Aufnahme in die Saar-Landesliste. Dazu gehört auch das „Lehnenausrufen“ in Saarhölzbach: Ein besonderer Liebesbrauch, dessen Ziel es ist, Leute zu verkuppeln. Jedes Jahr werden ausgewählte Paare ausgerufen, die dann gemeinsam zum Ball gehen – manchmal funkt es.

Weiter wurden das Erbsenrad in Wadrill, der Doppelweck, das deutsch-türkische Tulpenfest in Homburg und die Barbarafeiern aus der Bergmannstradition als saarländische Kulturformen aufgenommen. 

Insgesamt gibt es nun 16 Einträge 

„Als Bergmannstochter weiß ich, wie sehr Traditionen Halt geben und Gemeinschaft stiften“, sagte Bildungs- und Kulturministerin Christine Streichert-Clivot (SPD). „Immaterielles Kulturerbe ist gelebte Erinnerung und Zukunft zugleich.“ Die Aufnahme ins Landesverzeichnis würdige das große Engagement der Menschen, Vereine und Initiativen, die die Traditionen mit Leidenschaft weitertragen würden. 

Die Jury entschied außerdem, dass neben der saarländischen Bergmusik, die bereits auf der Landesliste vertreten ist, drei weitere Kulturformen für das Bundesverzeichnis vorgeschlagen werden: die Barbarafeiern, das Schwenken und das Lehnenausrufen. Ob sie aufgenommen werden, entscheide die Deutsche Unesco-Kommission im April 2027.

Bislang hat das Landesverzeichnis zehn Einträge, darunter das Nikolauspostamt in St. Nikolaus und der Apfelwein Viez. Das saarländische Landesverzeichnis gibt es seit 2022.

(dpa/SAKL)

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