Kreativ durch die Krise

Hamburgs Fenster zum Genießer-Glück

Getreu ihrem Motto „flexibel bleiben und sich immer wieder Neues ausdenken“ hat die Foodlab-Gründerin Christin Siegemund Lockdown-bedingt aus ihrem Pop-up-Restaurant kurzerhand ein Pop-up-Fenster gemacht.

Montag, 23.11.2020, 13:02 Uhr, Autor: Kristina Presser
Pop-up-Fenster des Hamburger Foodlabs

Mit Zoras Cookies startete das Pop-up-Fenster des Hamburger Foodlabs am Elbufer. (Fotos: ©Foodlab)

Von „Oh no“ über Fassungslosigkeit bis hin zu das beste aus der Situation machen, war bei Christin Siegemund gedanklich alles dabei, als die Politiker in Berlin Ende Oktober 2020 den zweiten Lockdown für Deutschland verkündet hatten. Ihr neu gegründetes Foodlab in der Hamburger Hafencity war da erst wenige Monate alt – ein Ort für Foodies, wo sich alles ums Essen dreht, an dem Startups, große und kleine Unternehmen, Köche, Journalisten, Trendscouts, Erzeuger, Produzenten und Gastronomen zusammenkommen, netzwerken und ihre Erfahrungen austauschen können. Das zum Konzept gehörende Pop-up-Restaurant, das eigentlich im Vier-Wochen-Rhythmus mit neuem Kochpersonal bespielt wird, musste mit Anfang November erst mal schließen. Für die findige Geschäftsfrau mit Macher-Mentalität aber kein Grund, „den Kopf in die Elbe zu stecken“ – aus dem Pop-up-Restaurant machte sie kurzerhand ein Pop-up-Fenster. Am 16. November startete nun das so ungewöhnliche wie großartige Kulinarik-Projekt am Buenos-Aires-Kai.

Der vielleicht größte Vorteil: Flexibilität. Denn anders als im Pop-up-Restaurant, das für einen ganzen Monat gebucht werden muss, stehen nun fast täglich neue Köche am Herd und servieren Mittagessen-, Snacks- und Drinks-to-go durchs offene Fenster. „Mit diesem Angebot können wir vor allem unserem Leitgedanken nachkommen: Foodies zusammenbringen“, sagt Christin Siegemund. Mit Blick auf das Gastro-Line-up dürften auch Gäste nicht lange auf sich warten lassen: Angekündigt haben sich unter anderem Bistro Spajz (ganz offiziell ein Geheimtipp für Hamburg), Donut Bandits, der mehrfach ausgezeichnete Heiko Antoniewicz und Copenhagen Distillery. Den Anfang machte Zoras Cookie. „Ein bunter Mix an erfahrenen Gastronom*Innen und (Gastro)-Startups, die zeigen, wie vielfältig die Hamburger Gastronomie ist – und was fehlen würde, wenn es diese Konzepte alle nicht mehr gäbe“, fasst die Foodlab-Gründerin zusammen.

Ein Mann mit Mund-Nasen-Maske reicht Gerichte to go durch ein offenes Fenster
Am 17. und 18. November kochten die kulinarischen Kreativ-Köpfe von Witwenball im Foodlab – durchs Fenster gab es unter anderem Fischfrikadelle und Caesar Salad „Herbst Acker“. (Fotos: ©Foodlab)

 

Eine Möglichkeit, kulinarisch laut und vielfältig zu sein

Entsprechend viel Zuspruch und positive Rückmeldung hätte es bislang gegeben, das Fenster ist für November und Dezember quasi ausgebucht, freut sich Christin Siegemund. Dabei waren anfangs nicht alle vom Konzept überzeug, wie sie berichtet. „Für die Idee des Fensters bin ich zuerst belächelt worden – aber wir sehen ja, was daraus geworden ist: Eine Möglichkeit für Foodies und Gäste zusammenzukommen, laut und vielfältig zu werden. Und irgendwie dann doch gemeinsam zu essen.“

Ein Konzept also, das den kulinarischen Nerv in puncto Abwechslung, Ausprobieren und Neues trifft – und folglich nicht unbedingt mit dem zweiten Restart enden muss? „Wir werden sehen“, meint die Geschäftsführerin. „Bestimmt werden wir das Fenster in der Zukunft ab und an nochmal öffnen, aber es gehört eigentlich auch zu unserer Entwicklungsküche, die wir im Tagesgeschäft benötigen.“ In den nächsten Wochen können sich Gäste aber erst mal von Montag bis Sonntag über jede Menge leckere Genussmomente am Elbufer freuen. Kleiner Tipp: Wenn es regnet oder stürmt, bleibt das Fenster auch mal kurzfristig geschlossen. Ein Blick auf die Instagram-Seite des Foodlabs lohnt also.

Mehr zum Foodlab und das ganze Pop-up-Programm unter: www.foodlab.hamburg

(KP)

 

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