Kontaktnachverfolgung

Die Fantastischen Vier wollen Gesundheitsämter entlasten

Bereits seit Wochen arbeiten die meisten Gesundheitsämter am Limit. Die Kontaktnachverfolgung bleibt da auf der Strecke. Luca, eine Corona-App mitentwickelt von den Fantastischen Vier, soll nun die Gesundheitsämter entlasten.

Dienstag, 01.12.2020, 14:41 Uhr, Autor: Natalie Ziebolz
Die Fantastischen Vier

Zusammen mit neXenio haben die Fantastischen Vier die Corona-App Luca entwickelt. (Foto: © picture alliance / ZB | Gerald Matzka)

Konstant hohe Infektionszahlen, überlastete Gesundheitsämter und Schwierigkeiten bei der Kontaktverfolgung – die zweite Corona-Welle hat Deutschland weiterhin fest im Griff. Dabei wünschen sich die meisten zu Weihnachten in diesem Jahr vor allem ein bisschen Normalität. Die neue Corona-App „Luca“ soll nun zumindest die letzten beiden Problempunkte angehen.

Entwickelt wurde die App von neXenio, einem Berliner Startup für hochsichere IT-Lösungen, und den Fantastischen Vier mit dem Ziel, eine schnelle, datenschutzkonforme Kontaktnachverfolgung für private Treffen und öffentliche Veranstaltungen, Geschäfte und Gastronomiebetriebe zu ermöglichen. „Es ist die Digitalisierung dessen, was jetzt schon passiert“, erklärte Smudo im Gespräch mit Sandra Maischberger. „Gehen wir auf ein Konzert, in ein Pflegeheim, etc. müssen wir einen Zettel mit Name und Adresse ausfüllen. Erkrankt eine Person fordert das Gesundheitsamt die Zettel in den Betrieben an, um anschließend aus den oftmals unleserlichen Angaben die Kontaktpersonen zu ermitteln.“ Mit Luca meldet sich der Gast einmal in der App an. Daraufhin wird alle zehn Sekunden ein neuer QR-Code generiert, der nur diesem Handy zugeordnet ist. Mit dem Code können Nutzer dann in den Restaurants, Pflegeheimen oder Konzerthallen einchecken. Sogar für private Feiern lässt sich eine verifizierte Kontaktdatenliste anlegen. Der Checkout erfolgt dank Geofencing automatisch.

Besserer Datenschutz mit Luca

Die generierten Daten werden verschlüsselt und teilen sich auf Gastgeber, Gast und Gesundheitsamt auf: „Auf meinem Handy liegen meine Daten, die Check-in/Check-out-Daten liegen beim Gastgeber und wenn das Gesundheitsamt möchte, dass die zusammengeführt werden, dann fragt es bei den Betroffenen an“, so der Alt-Hip-Hopper. Der QR-Code und die damit verbundene Kontakthistorie können also ausschließlich vom Gesundheitsamt entschlüsselt werden – und das auch nur mit der ausdrücklichen Genehmigung des Nutzers. Praktisch: Gibt ein Infizierte seine Daten für das Gesundheitsamt frei, werden alle Beteiligten über die App automatisch über den Kontakt informiert – selbst bei falschen Namensangaben. „Dann bekommt eben Mickey Mouse auf Mickey Mouse‘ Handy die Nachricht, dass es einen Erstkontakt gab. Es ist ja egal, wie jemand heißt, Hauptsache er kann erreicht werden“, so Smudo.

Auch Dirk Brockmann, Epidemiologe am RKI, ist von der Datensicherheit überzeugt: „Ich habe mir die App angeschaut und soweit ich das beurteilen kann, sind das alles DIN-zertifizierte Hochsicherheitsserver auf denen die Daten verwaltet werden. Die Daten werden über die sich immer ändernden QR-Codes an die Gesundheitsämter übermittelt und die Freigabe beruht auch noch auf Freiwilligkeit: Wenn man positiv getestet wird dann wird man gefragt, ob man die Kontakthistorie freigeben möchte. Es werden also sehr viel Opt-In-Verfahren verwendet.“

Kein Smartphone – und jetzt?

Hat jemand kein Smartphone oder möchte sich die App nicht herunterladen, können diese Personen über ein Kontaktformular beim Veranstalter einchecken. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, sich über den Webbrowser anzumelden. In der Web App können Nutzer dann ihre Kontaktdaten angeben und sich ihren persönlichen QR-Code generieren lassen.

Verfügbarkeit

Luca ist ab dem 30. November verfügbar, funktioniert jedoch nur, wenn die Gesundheitsämter der Region mit an Bord sind. Vier hätten ihre Teilnahme bereits zugesagt. „In Jena wird jetzt bereits gestartet, da werden Gastro, Museen und so weiter ausgestattet“, erklärt Smudo. Zudem liefen auf Sylt bereits die Vorbereitungen, um das Projekt im kommenden Jahr zu starten.

(Luca/Maischberger/NZ)

 

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