„Ich will im Hotel kein Projekt managen“
Perfekte Zimmer, makellose Büfetts und strahlende Gäste: Klassische Hotelwerbung zeigt gerne die schöne Seite des Reisens. Frieda Lewin hält dagegen und zeigt, was Reisende tatsächlich beschäftigt – vom gestressten Familienurlaub bis zur akribisch durchgeplanten Geschäftsreise.
Im Rahmen der Wyndham-Kampagne macht die Content Creatorin aus alltäglichen Reiseerlebnissen Comedy. Für HOGAPAGE spricht sie darüber, welche Erwartungen Gäste an Hotels haben, wo die Grenze zwischen Humor und Fremdschämen verläuft und warum authentischer Social-Media-Content vor allem eines braucht: Vertrauen.
Sie nehmen in den Clips sehr unterschiedliche Reisetypen auf die Schippe – von der gestressten Mutter bis zur durchorganisierten Geschäftsreisenden. Welche Erwartungen an Hotels sind Ihnen bei der Arbeit besonders aufgefallen, die Hoteliers vielleicht noch unterschätzen?
Ganz ehrlich: Ich will im Hotel nicht noch ein Projekt managen. Gerade als Mutter ist es Gold wert, wenn Dinge einfach funktionieren. Check-in, Zimmer, Frühstück, vielleicht ein Ort, an dem die Kinder beschäftigt sind und man selbst drei Minuten mal einen Kaffee trinken kann. Hoteliers unterschätzen manchmal, wie wertvoll es ist, wenn alles unkompliziert läuft.
Hotelwerbung zeigt traditionell perfekte Zimmer, Buffets und Pools. Wyndham setzt mit Ihnen stattdessen auf Humor und Alltagssituationen. Warum funktioniert aus Ihrer Sicht eine weniger perfekte, menschlichere Darstellung heute besser?
Weil niemand morgens geschniegelt am Buffet steht und denkt: ‚Das sieht ja genau aus wie im Hotelprospekt.‘ Reisen sind schön, aber auch chaotisch: Das Kind kann im Restaurant nicht stillsitzen, man schleppt seinen Koffer durch die Gegend und auf dem Mädelswochenende will jede etwas anderes. Wenn man das zeigt, denken die Leute: ‚Ja, genauso ist es bei uns auch.‘ Und dann bleibt es hängen.
Humor lebt oft von Übertreibung und Klischees. Wo liegt für Sie die Grenze, damit sich Gäste in solchen Figuren wiedererkennen, ohne dass sie sich vorgeführt fühlen?
Die Grenze ist für mich ziemlich klar: Ich lache mit den Figuren, nicht über sie. Die chaotische Freundin, die gestresste Mama – das alles bin ich ja selbst. Übertreibung funktioniert nur, wenn ein wahrer Kern drinsteckt und man merkt: Das ist liebevoll gemeint, nicht von oben herab. Genau darum geht es auch in meiner Live-Show Millennial Muddi. Um diesen ganz normalen Alltagswahnsinn zwischen Muttersein, Organisation, guten Vorsätzen und Dingen, die dann doch wieder ganz anders laufen als geplant. Reisen ist da nur eine von vielen Situationen, in denen wir uns selbst manchmal wiedererkennen.
Viele Hotels und Restaurants möchten auf Instagram oder TikTok authentischer auftreten, wirken dabei aber schnell sehr werblich. Was können Unternehmen Ihrer Erfahrung nach von erfolgreichen Content Creators lernen?
Nicht alles muss aussehen wie ein Werbespot. Menschen merken sofort, wenn etwas zu glatt, zu geschniegelt oder zu sehr nach ‚Jetzt bitte buchen!‘ klingt. Gute Inhalte erzählen erst einmal eine kleine Geschichte oder zeigen einen echten Moment. Wenn dann nebenbei klar wird, warum ein Hotel praktisch, schön oder besonders ist, ist das viel glaubwürdiger.
Wenn Sie selbst einen Hotelier oder Gastronomen beraten müssten, der mit Social Media stärker jüngere Zielgruppen erreichen will: Was sollte er unbedingt tun – und was besser lassen? Oder anders gefragt: Was muss eine Marke Ihnen bieten oder zugestehen, damit eine Kooperation glaubwürdig bleibt und nicht wie klassische Werbung wirkt?
Bitte nicht versuchen, krampfhaft jung oder viral zu sein. Lieber ehrlich zeigen, was den Ort wirklich besonders macht: die Menschen, die kleinen Eigenheiten, die Dinge, die Gäste mögen. Für eine gute Kooperation braucht es Vertrauen und Freiraum. Eine Marke muss mir nicht jeden Satz vorgeben, sondern sagen: ‚Das ist unsere Botschaft – mach es auf deine Art.‘ Dann wird daraus kein Werbeclip, sondern etwas, das Menschen wirklich anspricht.
(KAGI)