Trauerfall

Dehoga trauert um Ehrenpräsident Ernst Fischer

Ernst Fischer
Ernst Fischer prägte den Dehoga über Jahrzehnte. Der Ehrenpräsident und langjährige Präsident des Bundesverbandes ist im Alter von 82 Jahren gestorben. (Foto: © DEHOGA Bundessverband)
Der frühere Verbandspräsident ist nach schwerer Krankheit im Alter von 82 Jahren gestorben. Das Gastgewerbe würdigt eine prägende Persönlichkeit mit jahrzehntelangem Engagement.
Donnerstag, 25.06.2026, 10:50 Uhr, Autor: Sarah Kleinen

Der Deutsche Hotellerie- und Gastronomieverband (Dehoga Bundesverband) nimmt Abschied von seinem Ehrenpräsidenten und langjährigen Präsidenten Ernst Fischer. Nach schwerer Krankheit ist der frühere Verbandspräsident am 24. Juni 2026 in Tübingen verstorben. Er wurde 82 Jahre alt. 

Mit Ernst Fischer verliert das deutsche Gastgewerbe eine seiner prägendsten Persönlichkeiten. Über Jahrzehnte hat er die Entwicklung des Dehoga auf Kreis-, Landes- und Bundesebene entscheidend mitgestaltet und der Branche eine starke Stimme gegeben.

„Ernst Fischer hat sich mit Leidenschaft, Beharrlichkeit und großer Überzeugungskraft für die Anliegen der Branche eingesetzt. Dabei blieb er stets nahbar, menschlich und den Mitgliedern eng verbunden“, erklärt Dehoga-Präsident Guido Zöllick. "Mit Ernst Fischer verliert das Gastgewerbe einen leidenschaftlichen Gastgeber, weitsichtigen Unternehmer, überzeugten Interessenvertreter, brillanten politischen Netzwerker und einen außergewöhnlichen Menschen, dessen Wirken weit über die Grenzen der Branche hinausstrahlte. In großer Verbundenheit, tiefer Dankbarkeit und hoher Wertschätzung werden wir Ernst Fischer stets ein ehrendes Andenken bewahren. Unser tief empfundenes Mitgefühl gilt seiner Frau und seinen beiden Söhnen."

„Porta patet, cor magis“ – Gastfreundschaft als Haltung

Geboren wurde Ernst Fischer am 16. April 1944 in Geislingen an der Steige. Nach seiner Ausbildung zum Koch folgten Stationen in Spitzenhäusern in England, Frankreich, Schweden und in der Schweiz. Unter anderem arbeitete er im Hotel Georg V in Paris und als Privatkoch im englischen Windsor.

Im Jahr 1969 kehrte Ernst Fischer nach Deutschland zurück, machte sich 1970 in Hechingen selbstständig und wurde seinerzeit als jüngster Gastwirt Deutschlands bekannt. Sein fachliches Können vertiefte er durch eine Ausbildung zum Küchen- und Serviermeister an der Hotelfachschule Bad Reichenhall. 

Von 1976 bis 2012 betrieb Fischer das Restaurant Rosenau und das RoseCatering. Gemeinsam mit seiner Familie führte er zudem seit 1976 zudem das Landhotel „Hirsch“ in Tübingen-Bebenhausen, das er nach mehr als vier Jahrzehnten als Gastgeber Ende 2018 an seine Nachfolger übergab.

Fischers Lebensmotto lautete: „Porta patet, cor magis“ – Die Tür steht offen, das Herz noch mehr. Gastfreundschaft verstand er nicht als Dienstleistung, sondern als Haltung.

15 Jahre an der Spitze des Bundesverbandes

Seine Leidenschaft für Gastfreundschaft und Unternehmertum verband Fischer früh mit ehrenamtlichem Engagement. Nach zahlreichen Funktionen auf Kreis- und Landesebene wurde er 1989 Mitglied des Vorstands des Dehoga Baden-Württemberg. 1995 wurde er Präsident des Dehoga Baden-Württemberg.

Im November 2000 wurde Fischer zum Präsidenten des Dehoga Bundesverbandes gewählt. Sein Amtsantritt erfolgte planmäßig ein Jahr später. Bereits zuvor war er seit 1996 stellvertretender Präsident des Bundesverbandes gewesen.

„In seiner 15-jährigen Amtszeit an der Spitze des Verbandes gab Fischer dem Dehoga Gewicht und Profil als politische Stimme der Branche“, heißt es in einer offiziellen Kundgebung des Dehoga. Zu seinen größten Erfolgen zählten nach Angaben des Verbands unter anderem die Mehrwertsteuersenkung auf sieben Prozent für die heimische Hotellerie, die Abschaffung der Trinkgeldbesteuerung sowie die Sicherung der Steuerfreiheit von Sonn-, Feiertags- und Nachtzuschlägen.

Im November 2016 übergab Fischer den Staffelstab an Guido Zöllick. Die Delegiertenversammlung ernannte ihn anschließend zum Ehrenpräsidenten des Dehoga Bundesverbandes.

Engagement über die Branche hinaus

Ernst Fischer war weit über den Dehoga hinaus eine geschätzte Persönlichkeit der deutschen Tourismusbranche. Er engagierte sich in zahlreichen Gremien und Organisationen. Unter anderem war er Vizepräsident des Verwaltungsrates der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT), stellvertretender Präsident und Schatzmeister des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft (BWT) sowie Vorsitzender der Bundesvereinigung der Musikveranstalter. Zudem war er in verschiedenen Aufsichtsräten, Beiräten und Jurys der Branche und ihrer Partner aktiv.

Sein Rat und seine Expertise waren auch in der Politik gefragt, etwa im Beirat für Fragen des Tourismus beim Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit.

Auszeichnungen für sein Wirken

Für seine Verdienste um das Gastgewerbe, den Tourismus und die mittelständische Wirtschaft wurde Fischer 2001 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Zudem wurde er für seinen unermüdlichen Einsatz mit der 58. Brillat-Savarin-Plakette sowie der „Kristallkugel“, dem Ehrenpreis des Tourismusausschusses im Deutschen Bundestag, gewürdigt.

„Freiheit, Toleranz, Menschlichkeit und Konsensbereitschaft ebenso wie der Mut, Entscheidungen zu treffen, prägten Ernst Fischers Handeln als Unternehmer, Präsident und Mensch“, würdigt der Dehoga seinen verstorbenen Ehrenpräsidenten. „Diese Werte bleiben untrennbar mit seinem Namen und seinem Wirken verbunden.“

(Dehoga/SAKL)

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