Oktoberfest 2021

Entscheidung über Wiesn erst im Juni?

Ob das Oktoberfest nächstes Jahr stattfindet, steht noch in den Sternen. Laut Münchens Oberbürgermeister könnte sich die Entscheidung noch bis Juni ziehen. Immerhin: Ein neuer Wirt für die Bräurosl ist bereits gefunden.

Donnerstag, 17.12.2020, 08:38 Uhr, Autor: Natalie Ziebolz
Mass Bier und eine Breze

Die Oktoberfest-Wirte erwarten hohe Kosten, sollte das Oktoberfest erneut abgesagt werden. (Foto: © karepa/stock.adobe.com)

2020 war das Oktoberfest erstmals seit mehr als 70 Jahren abgesagt worden, die Entscheidung für 2021 steht noch aus. „Die Entscheidung, ob das Oktoberfest stattfinden kann, werden wir unter Berücksichtigung der notwendigen Planungsvorläufe dann im kommenden Jahr treffen, das kann im April sein, aber auch erst im Mai oder sogar Juni“, erklärte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) der Deutschen Presse-Agentur. Natürlich könne er verstehen, dass viele schon jetzt gerne wissen würden, ob die Wiesn nächstes Jahr stattfinden kann oder nicht. Aber keiner könne zum jetzigen Zeitpunkt voraussagen, wie sich die Corona-Pandemie weiterentwickele.

„Bei uns laufen die Planungen“

Wiesnchef und Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner favorisiert klar eine späte Entscheidung. Was bis dahin sein werde, „da können wir alle nur orakeln“. „Ich glaube, dass die Wiesn wichtig ist für die Stimmung in der Stadt; sie ist im Stadtkalender ein emotionaler Fixpunkt – mal ganz abgesehen von den Arbeitsplätzen.“ Wirte, Marktkaufleute und Schausteller geben sich jedenfalls optimistisch. „Ich bin zuversichtlich, dass wir nächstes Jahr eine Wiesn haben können“, sagt der Sprecher der Wiesnwirte, Peter Inselkammer. Er hoffe auf die Impfung und darauf, dass zum Sommer hin wieder größere Veranstaltungen möglich sind. „Bei uns laufen die Planungen – wie die Jahre vorher auch.“ Inselkammer und seine Kollegen müssen wie andere Beschicker bis Jahresende ihre Bewerbungen bei der Stadt einreichen.

Auch Sebastian Kuffler vom Weinzelt bleibt vorsichtig optimistisch: „Ich gehe davon aus, dass die Impfstrategie aufgeht.“ Er rechne „zu 70 Prozent“ damit, dass die Wiesn stattfinden könne. Denn auch wenn alles gut läuft: Bei Millionen Gästen aus aller Welt sei ein umfassendes Hygienekonzept schwer umsetzbar.

Mediziner skeptisch

Mediziner hingegen rechnen damit, dass die Pandemie auch im nächsten Jahr noch nicht ganz besiegt sein wird und äußern sich zu einem möglichen Oktoberfest zurückhaltend. Es seien noch zu viele Faktoren unklar. Offen sei unter anderem, ob es bis dahin eine effektive Therapie oder Prophylaxe gebe, eine anhaltend wirksame Impfung, genügend Impfstoff – und ob sich genügend Menschen impfen lassen, heißt es.

Alternativen zum Oktoberfest

Die Wirte hatten 2020 versucht, mit einer „Wirthauswiesn“ in Gaststätten und Biergärten ein wenig Wiesnstimmung zu schaffen. Einige Schausteller und Marktkaufleute konnten Fahrgeschäfte und Buden beim „Sommer in der Stadt“ an verschiedenen Plätzen in München aufstellen. Ähnliche Projekte gab es auch in anderen Städten. Damit hätten einige gerade so die laufenden Ausgaben decken können, sagt Yvonne Heckl von der Veranstaltungsgesellschaft der Münchner Schausteller. „Die Umsätze sind nicht mit den Einnahmen einer normalen Volksfestsaison zu vergleichen und kein Ersatz für die ausgefallenen Veranstaltungen.“

Sollte die Wiesn erneut ausfallen, könnte es auch im nächsten Jahr vergleichbare Projekte geben. Aber: „Eine Wiesn ‚light‘ ist keine Wiesn“, sagt Heckl – und so sehen es die meisten Beteiligten. Bierzelte, Fahrgeschäfte, Stände mit gebrannten Mandeln, modernste Fahrgeschäfte neben nostalgischen Karussellen, die Prachtgespanne der Brauereien und die Umzüge durch die Stadt: „Das größte und schönste Volksfest der Welt ist oft kopiert – und nie erreicht.“

Neuer Wirt für Bräurosl-Zelt

Auch wenn noch nicht klar ist, ob das Oktoberfest stattfinden wird, ein neuer Wirt für das Bräurosl-Zelt ist bereits gefunden: Peter Reichert übernimmt neben dem Traditionszelt auch die alteingesessene Gaststätte Donisl am Marienplatz. „Natürlich ist es schwierig, und es wird auch die nächsten Jahre nicht einfach werden“, sagte der Geschäftsführer der Brauerei Hacker-Pschorr, Andreas Steinfatt, mit Blick auf die aktuelle Lage der Gastronomie..

Reichert selbst, der bislang mit der Schönheitskönigin ein Zelt im Stil der Jahrhundertwende auf der Oidn Wiesn betreibt, gab sich zuversichtlich. Die Münchner würden sicherlich ihrer Neugierde folgen und das neue Zelt besuchen, sagte er in einem am Mittwoch veröffentlichten Video. Und im Donisl, dem laut Steinfatt ältesten noch offenen Wirtshaus der Landeshauptstadt, werde er langsam anfangen und die Gästekapazitäten Schritt für Schritt ausweiten.

(dpa/NZ)

 

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