Nachbericht

Upnxt 2026: Berlin-Premiere mit Mut, Haltung und Festival-Vibes

Nina Fiolka, Laura Schmidt und Irina Hanft stehen beim UPNXT Hospitality Festival 2026 gemeinsam auf der Bühne.
Die elevatr Co-Founderinnen Laura Schmidt (links) und Nina Fiolka (rechts) versprühten gemeinsam mit der Moderation Irina Hanft auf der Bühne beste Laune. (Foto: © SAHO/ HOGAPAGE)
Im silent green Kulturquartier kamen am 23. und 24. Juni Branchenköpfe zusammen, um über Zukunft, Leadership, KI und neue Perspektiven für die Hospitality zu sprechen. HOGAPAGE war vor Ort.
Freitag, 26.06.2026, 09:47 Uhr, Autor: Sarah Hoffmann

Nach drei Ausgaben in München schlug das Upnxt Hospitality Festival 2026 ein neues Kapitel auf: Am 23. und 24. Juni fand das Branchenevent erstmals in Berlin statt. Im silent green Kulturquartier trafen Hoteliers, Nachwuchsführungskräfte, Entscheider und Vordenker zusammen, um über die Zukunft der Hospitality zu diskutieren.

Das Motto „Hospitality Forward – Are We Courageous Enough?“ zog sich dabei wie ein roter Faden durch beide Tage. Es ging um Mut – Mut für die Branche, für neue Technologien, für bessere Entscheidungen, aber auch um den Mut jedes Einzelnen, Dinge anders zu denken, Gewohnheiten zu hinterfragen und die eigene Rolle in der Zukunft aktiv anzunehmen.

Schon beim Ankommen wurde deutlich: Das Upnxt will kein klassischer Kongress sein. Im Außenbereich der Location standen Tischtennisplatten, Lounges und Sonnenschirme, es gab Essen, Getränke und viel Raum für Begegnungen. In den Hallen fanden Vorträge, Talks und Panels statt, in den Ateliers wurde gearbeitet, diskutiert und weitergedacht. Festival-Vibes statt reiner Frontalbeschallung – genau darin lag ein großer Teil der besonderen Atmosphäre.

Dazu kam ein spürbarer Perspektivwechsel zwischen den beiden Tagen: Während der erste Tag in der Kuppelhalle stattfand, zog das Programm am zweiten Tag in die Betonhalle um. Auch räumlich wurde damit sichtbar, was inhaltlich angelegt war: raus aus bekannten Denkmustern, rein in neue Perspektiven.

Trotz großer Themen blieb die Stimmung familiär, fast freundschaftlich. Viele kannten sich, viele kamen schnell ins Gespräch, und auch zwischen den Programmpunkten wurde intensiv weiterdiskutiert. Das Festival wirkte dadurch weniger wie ein reines Branchentreffen und mehr wie eine Community, die sich gemeinsam fragt, wohin Hospitality als Nächstes gehen kann.

Deep Dive Day: Konkrete Learnings für den Arbeitsalltag

Der erste Festivaltag stand unter dem Motto „Deep Dive Day“. Masterclasses, Workshops und interaktive Formate sollten konkrete Learnings liefern, die sich direkt in den Hospitality-Alltag übertragen lassen.

Premiere in Berlin: „Seid ihr mutig genug?“

Eröffnet wurde das Festival von Moderatorin Irina Hanft. Gleich zu Beginn stellte sie den besonderen Ort in den Mittelpunkt: Das silent green Kulturquartier, früher ein Krematorium, wurde zum Symbol für den Blick nach vorn. An einem Ort mit Geschichte sollte über Zukunft gesprochen werden.

Anschließend holte sie die elevatr-Gründerinnen Nina Fiolka und Laura Schmidt auf die Bühne. Sie machten deutlich, dass das Upnxt nach drei Ausgaben in München nun bewusst nach Berlin gekommen ist und dass diese Premiere auch programmatisch verstanden werden darf: als Schritt in eine neue Umgebung, mit neuen Impulsen und neuer Energie. Die zentrale Frage stand dabei von Anfang an im Raum: Ist die Branche mutig genug?

Kuppelhalle silent green Kulturquartier Berlin beim Upnxt 2026 in Berlin
Das Stage Opening in der Kuppelhalle stimmte die Teilnehmer auf zwei Tage voller Impulse, Austausch und Festivalatmosphäre ein. (Foto: © SAHO/ HOGAPAGE)

Arbeit neu denken: Dr. Hans Rusinek über Energie, Sprache und Führung

Den inhaltlichen Auftakt machte Dr. Hans Rusinek mit seinem Impuls „Frohes Schaffen“. Sein Vortrag begann persönlich: Er erzählte von einer Erfahrung auf dem Jakobsweg, den er zwischen zwei Jobs gegangen war. Von dort spannte er den Bogen zur Hospitality.

Menschen kaufen selten nur Produkte. Sie kaufen Erwartungen, Geschichte und Vorfreude.

Dr. Hans Rusinek, Arbeitsforscher

Gerade die Hotellerie verkaufe nicht einfach Übernachtungen oder Dienstleistungen, sondern Erfahrungen. Und oft wird bereits der Weg zu einer schönen Erfahrung selbst Teil dieser Erfahrung.

Im Zentrum seines Vortrags stand die Frage, was Arbeit eigentlich ausmacht. Rusinek erinnerte daran, dass Menschen allein wenig ausrichten können, gemeinsam aber enorm viel. Aus menschlicher Schwäche sei durch Sprache und Zusammenarbeit Stärke entstanden. Oder, wie er es formulierte: „Alleine können wir nichts, gemeinsam unglaublich viel.“

Mehr Inspiration, weniger Gehetztheit

Rusinek formulierte mehrere „Befreiungsschläge“ für eine neue Arbeitskultur. Der erste: Inspiration ermöglichen. Mitarbeiter müssten die Chance bekommen, sich selbst zu inspirieren und über Werte, Motivation und persönliche Erfolgsfaktoren nachzudenken. Das brauche Zeit und dürfe nicht im Alltagsstress untergehen.

Als praktischen Ansatz nannte er etwa den „Erfolgscocktail“: Für manche bestehe beruflicher Erfolg vor allem aus Jobtitel und Gehalt, für andere aus Lernen, Gesundheit, Freizeit oder Entwicklung. Solche Faktoren sichtbar zu machen, könne sowohl auf individueller Ebene als auch im Team helfen.

Auch echte Gästegeschichten sollten in Betrieben wieder stärker erzählt werden. Nicht nur Kennzahlen und Umsatzrekorde verdienen Aufmerksamkeit, sondern auch die besonderen Erlebnisse, die Mitarbeiter möglich gemacht haben.

Der zweite Befreiungsschlag lautete: raus aus der Gehetztheit. Rusinek verwies darauf, dass Büroangestellte häufig im Minutentakt unterbrochen werden und danach lange brauchen, um wieder in einen fokussierten Arbeitsmodus zurückzufinden. Sein Appell an die Hospitality: Prozesse hinterfragen, die kein Gast jemals bemerken würde, störungsarme Zeitfenster schaffen und den Kontakt zum Gast wichtiger nehmen als permanenten Funkverkehr.

Chronotypen, Spaziergänge und psychologische Gesundheit

Besonders praxisnah wurde es beim Blick auf Chronotypen. Rusinek unterschied unter anderem Bären, Wölfe, Löwen und Delfine – also unterschiedliche Energieverläufe über den Tag hinweg. Wer weiß, wann Teammitglieder ihre produktivsten Phasen haben, kann Gespräche, Aufgaben und Arbeitszeiten sinnvoller gestalten. 

Auch Spaziergänge brachte Rusinek als einfachen, aber wirksamen Hack ein. Sie könnten mentale Gesundheit und Kreativität fördern und Meetings in Bewegung bringen.

Der dritte Befreiungsschlag: den Mund aufmachen. Mitarbeiter müssten Probleme ansprechen können, ohne dafür gebrandmarkt zu werden. Beschwerden und Fehler seien Frühwarnsysteme. Jede Stimme könne helfen, den Betrieb sicherer und besser zu machen.

Zum Schluss richtete Rusinek den Blick auf die Verantwortung von Führungskräften:

Ein Vorgesetzter hat mehr Einfluss auf die psychische Gesundheit eines Menschen als es ein Psychotherapeut jemals haben wird.

Dr. Hans Rusinek, Arbeitsforscher

Arbeit sei einer der wenigen Orte, an denen Menschen regelmäßig mit Personen zusammenkommen, die sie sich nicht immer selbst ausgesucht haben. Genau daraus könnten Reibung, Ergänzung und Wertschöpfung entstehen, wenn Führung den richtigen Rahmen schafft.

Smart Host und Lerch Genusswelten: Gästedaten besser nutzen

Im Deep Dive von Smart Host und Lerch Genusswelten ging es anschließend um die Frage: Was steckt wirklich in den eigenen Gästen? Franziska Dingel von Smart Host sowie Kassandra Weber und Laura Reusche von Lerch Genusswelten zeigten, wie Hotels vorhandene Gästedaten gezielter nutzen können.

Der Blick ging dabei vom klassischen Customer Relationship Management hin zum Guest Relationship Management – also zur Beziehung mit dem Gast. Im Fokus standen persönliche Betreuung, Gästezufriedenheit, Loyalität, mehr Direktbuchungen und ein höherer Umsatz pro Buchung.

Ein zentraler Satz der Session: „Segmentierung ist die am ungenutzesten Revenue Strategie.“ E-Mail-Marketing brauche dafür vor allem Planbarkeit: von der Idee über Jahres- und Redaktionsplanung bis hin zur Umsetzung verschiedener Kampagnenarten und deren Auswertung. Besonders pointiert war die 70-20-10-Regel für Kampagnen: 70 % des Erfolgs hängen vom Zeitpunkt ab, 20 % von der Zielgruppe und nur 10 % vom Inhalt.

Für echte Gästebindung im Hotelalltag brauche es laut Session digitale und reale Verknüpfung, eine klare Strategie mit Flexibilität, eingebundene Teams, integrierte Daten und einen kontinuierlichen Kreislauf aus Messen, Verbessern und Wiederholen.

Für Hotels bedeutet das: Gästedaten sind nicht nur ein Marketingthema. Richtig eingesetzt, können sie helfen, Erlebnisse persönlicher zu machen, Kommunikation relevanter zu gestalten und operative Prozesse zu erleichtern.

Mensch, Tech oder keiner? Fishbowl zum Tagesabschluss

Zum Abschluss des ersten Tages führte Anna Heuer von der HSMA durch eine Fishbowl unter dem Titel „Wer führt wirklich? Mensch, Tech oder keiner?“ Vier Stühle standen bereit, drei davon durften besetzt sein. Wer neu in die Runde kam, brachte eine neue Perspektive ein und jemand anderes machte Platz.

Die Diskussion war rege und machte deutlich, wie viel Spannung derzeit im Verhältnis von Mensch und Technologie liegt. Ein zentraler Gedanke: Hoteliers müssen sich fragen, wer ihr Gast ist und welche Mitarbeiter sie brauchen, um genau diesen Gast glücklich zu machen. „Der Kunde macht den Beat“, hieß es in der Runde.

Technologie könne helfen, große Datenmengen auszuwerten und daraus Fakten abzuleiten. Gleichzeitig dürfe die Hotellerie nicht vergessen, emotionaler und schöner zu werden. Ein Hotel müsse wieder stärker Mittelpunkt zwischen Technologie und Menschlichkeit sein.

Immer wieder wurde betont, dass es kein Entweder-oder zwischen Mensch und Technik geben müsse. Entscheidend sei vielmehr, Technologie so einzusetzen, dass sie im Hintergrund funktioniert und Menschen entlastet. Wenn Software ständig als Barriere spürbar werde, sei sie nicht unterstützend genug.

Auch die Mitarbeiter müssten stärker einbezogen werden: Was ist eigentlich deren Pain Point? Was hilft ihnen wirklich? Wo kann Digitalisierung den Arbeitsalltag leichter machen? Der Tenor: Mitarbeiter und Gäste müssen gemeinsam zentriert werden – sie sind die wichtigsten Güter der Branche.

Der Tag endete ruhig mit einer literarischen Lesung von Katharina Pütter. Ein bewusster Kontrast zur intensiven Diskussion des Tages und ein Moment, der den Übergang in den Networking-Abend markierte.

Teilnehmer des UPNXT Hospitality Festivals 2026 stehen beim Networking-Abend auf der Außenfläche der Veranstaltungslocation in lockerer Atmosphäre zusammen.
Bei bestem Wetter bot der erste Networking-Abend viel Raum für Austausch, Gespräche und neue Kontakte. (Foto: © SAHO/ HOGAPAGE)

Inspiration Day: Neue Perspektiven in der Betonhalle

Am zweiten Tag wechselte das Festival nicht nur inhaltlich, sondern auch räumlich die Perspektive. Vom Deep Dive in der Kuppelhalle ging es zum Inspiration Day in die Betonhalle. Das Programm öffnete mit Speakern aus verschiedenen Branchen, Keynotes, Talks und Panels den Blick über das operative Daily Business hinaus.

Zukunft beginnt im Kopf: Keynote von Dr. Frederik G. Pferdt

Dr. Frederik G. Pferdt eröffnete den zweiten Festivaltag mit seiner Keynote „Future starts in your head“. Sein Ausgangspunkt: Zukunft beginnt nicht morgen und nicht irgendwo außerhalb von uns. Sie beginnt in uns selbst.

Pferdt sprach über Zukunftsangst, Unsicherheit und die Fähigkeit, trotzdem ins Gestalten zu kommen:

Du kannst das Feuer nicht aufhalten. Du kannst wählen, wie du bist, während es brennt.

Dr. Frederik G. Pferdt, Zukunftsforscher

Als Bild für seinen Optimismus zog er Pippi Langstrumpf heran: „Das habe ich noch nie vorher versucht, also bin ich völlig sicher, dass ich es schaffe.“ Genau diese Haltung brauche es auch im Umgang mit Zukunft. Denn Zukunft sei immer ungewiss, aber gerade deshalb gestaltbar.

Keine Vorhersagen, sondern eigene Zukunft

Pferdt warnte davor, sich zu stark auf Vorhersagen zu verlassen. Menschen suchten in Prognosen Sicherheit, doch diese würden immer wieder enttäuschen. Sein Appell: „Vertraut keinen Vorhersagen, denn sie werden euch immer wieder enttäuschen.“ Statt auf die nächste Prognose zu warten, sollten Menschen die Zukunft selbst in die Hand nehmen.

Pferdts Kernbotschaft: Es gibt nicht die eine Zukunft. Es gibt die eigene Zukunft, die Menschen erleben und gestalten können.

Zukunftsgeist: Optimismus, Offenheit und Neugier

Pferdt beschrieb „Zukunftsgeist“ als innere Haltung, die mutig Möglichkeiten entdeckt und Zukunft bewusst gestaltet. Dazu gehören:

  • radikaler Optimismus,
  • grenzenlose Offenheit,
  • unbedingte Neugier,
  • konstantes Experimentieren und
  • starke Empathie.

Gerade im Zeitalter der KI bleibe dem Menschen eine besondere Aufgabe: die guten Fragen zu stellen. Pferdt ließ das Publikum deshalb ein „Question Storming“ ausprobieren. Statt direkt Antworten zu geben, sollten die Teilnehmer einander „Was wäre, wenn“-Fragen stellen.

Was wäre, wenn wir keine Angst mehr hätten? Was wäre, wenn alles gut geht? Was wäre, wenn die Vergangenheit egal wäre?

Spiegel mit einer „Was wäre wenn“-Frage von Dr. Frederik G. Pferdt auf dem Weg in die Betonhalle des UPNXT Hospitality Festivals 2026.
Auf dem Weg in die Betonhalle griffen Spiegel zentrale Impulse von Dr. Frederik G. Pferdt auf. (Foto: © SAHO/ HOGAPAGE)

Solche Fragen laden laut Pferdt dazu ein, sich zu wundern und von dort aus neue Wege zu finden. Sein Vorschlag für den Arbeitsalltag: Im nächsten Meeting nicht immer nur Brainstorming machen, sondern zunächst Question Storming. Denn wer die relevanten Fragen kennt, kommt oft zu besseren Lösungen.

Auch das Verhältnis von Einfluss und Sorge griff Pferdt auf. Viel Zeit werde auf Dinge verwendet, die Menschen nicht beeinflussen können – etwa globale Ereignisse, die Vergangenheit oder die Reaktionen anderer. Zukunft entstehe aber dort, wo Menschen sich auf das konzentrieren, worauf sie Einfluss haben: die eigene Energie, den Umgang mit anderen, die Fragen, die sie stellen, und die Entscheidungen, die sie treffen.

Die Zukunft ist nicht das, was passiert, sondern was du möglich machst.

Dr. Frederik G. Pferdt, Zukunftsforscher

KI ohne Panik: Dr. Tina Klüwer über Technologie und Verantwortung

Im Fireside Chat mit Dr. Tina Klüwer, moderiert von Nina Fiolka, ging es um Künstliche Intelligenz, aber ohne Alarmismus. Zwar gebe es Sorgen rund um KI, etwa vor Kontrollverlust oder tiefgreifenden Veränderungen. Aus Klüwers Sicht müsse man diese Ängste jedoch einordnen und zurückfahren.

Zunächst blickte sie auf die Unternehmenspraxis. Viele Betriebe beschäftigten sich inzwischen mit KI, dächten dabei aber vor allem an Kostenreduktion, Automatisierung und Effizienz. Das sei relevant und teilweise notwendig, reiche aber nicht aus, um langfristig am Markt zu bestehen.

Effizienz helfe, mitzuhalten. Zukunftsfähigkeit entstehe jedoch erst dann, wenn Unternehmen KI auch durch die Innovationsbrille betrachten.

Mehr Zeit für Gäste statt weniger Menschlichkeit

Gerade für die Hotellerie sieht Klüwer Chancen jenseits reiner Effizienz: Mit Daten könne anders gearbeitet werden, der Gast müsse nicht ausgesperrt, sondern besser verstanden werden. KI könne helfen, mehr Zeit mit dem Gast zu verbringen und Erlebnisse individueller zu gestalten.

Mit Blick auf Buchungsprozesse prognostizierte Klüwer, dass Sprachinterfaces und Chatbots künftig eine größere Rolle spielen könnten. Mehr Buchungen könnten über solche Systeme laufen, möglicherweise verschieben sich dadurch auch Plattformen und Zugänge zum Gast.

Deutschland muss entschiedener werden

Klüwer ordnete auch den Standort Deutschland ein. Bis 2025 sei die Haltung vieler deutscher Unternehmen gegenüber KI häufig gewesen: „zwar spektakulär, aber nutzlos“. Andere Länder hätten den Nutzen früher erkannt. Inzwischen sei jedoch ein Wendepunkt erreicht: Es gebe kaum noch ein Unternehmen, das sich nicht für KI interessiere.

Europa und Deutschland hätten dafür eine gute Grundlage: Daten, Kapital, Talente, starke Forschung und starke Industrien. Entscheidend sei nun, die nächsten Schritte entschlossen zu gehen und technologischen Wandel als Kontinuum zu begreifen. Er werde nicht enden – Unternehmen müssten lernen, sich dauerhaft mit neuen Entwicklungen auseinanderzusetzen.

Für Hotels empfahl Klüwer zunächst eine genaue Analyse: Wo stehen Produkte und Prozesse? Wo macht neue Technologie den größten Sinn? Welche Features oder Angebote sollen entstehen? Entscheidend sei, Datenpunkte sauber zusammenzuführen, daraus zu lernen und mit Hilfe von KI Prozesse sowie Angebote weiterzuentwickeln.

Für Führungskräfte bedeutet das: Sie brauchen Offenheit, Flexibilität und die Fähigkeit, Organisationen so zu führen, dass Mitarbeiter sich stabil fühlen, obwohl die Umgebung instabil ist.

Leadership im Ring: Tatjana Kiel über Entscheidungen

Tatjana Kiel, CEO von Klitschko Ventures, sprach in ihrem Impuls „Leadership im Ring“ über Entscheidungen, Mut und Wirksamkeit. Leadership beginne nicht nur im Unternehmen, sondern auch bei sich selbst. Es gehe darum, Beziehungen aufzubauen und Entscheidungen zu treffen – auch solche, die zu „Points of no Return“ werden können.

Entscheidungen seien schwer, weil Menschen Angst haben: etwas zu verpassen, nicht genug zu sein, Fehler zu machen oder Konsequenzen zu tragen. Die größte Angst sei oft die Angst vor Veränderung. Die schwierigsten Entscheidungen seien jene, die Wege eröffnen, an deren Ende man nicht mehr derselbe ist.

Ins Tun kommen – auch als Branche

Im anschließenden Gespräch mit Anne Wahl-Pozeg von Accor ging es darum, wie Entscheidungen im Alltag greifen und nachhaltig wirken. Dabei wurde auch die Hospitality selbst reflektiert. Der Branche werde häufig nachgesagt, nicht besonders entscheidungsfreudig zu sein.

Kiel machte deutlich: Es brauche Optimismus, Austausch und Treffen wie das Upnxt, um ins Weiterdenken zu kommen. Innovativ werde eine Branche nur, wenn Entscheidungen getroffen werden und wenn aus Fehlentscheidungen gelernt werden darf.

Wichtig sei, Ideen nicht nur zu denken, sondern sie zu teilen und loszulaufen. Der Ansatz müsse lauten: Es geht nicht um eine Lösung für den Einzelnen, sondern um Lösungen für die Welt da draußen.

Auch Haltung spielte eine große Rolle. Kiel wünschte sich, dass die Mitte lauter wird mit ihrem Wunsch nach Besserung. Unternehmen müssten Raum schaffen, damit Ideen geteilt und diskutiert werden können. Dafür brauche es Zeit, Akzeptanz und Begegnung auf Augenhöhe.

Für Führungskräfte formulierte sie ein starkes Bild: „Du kannst Pferde zum Wasser bringen, aber trinken müssen sie selber. Du kannst aber als Führungskraft den Weg zum Wasser ebnen.“ Respekt, offene Kommunikation, klare Rollen und die Möglichkeit, eigene Entscheidungen zu treffen, seien dafür entscheidend.

Bühne frei für die nächste Hospitality Generation

Mit dem Programmpunkt „elevatrFellowship: Where hospitality grows“ rückte die nächste Generation der Hospitality in den Mittelpunkt. Laura Schmidt stellte das Fellowship als mehrmonatiges, hybrides Weiterentwicklungsformat für Nachwuchsführungskräfte vor – organisationsübergreifend, segmentübergreifend und disziplinübergreifend.

Die Reise folgt drei Säulen: Connect, Learn und Grow. Ein Video vom Kick-off im Januar in München und am Spitzingsee gab Einblicke in den Start des Programms. Anschließend kamen anwesende Fellows, Mentoren und Supporter auf die Bühne.

Im kurzen Frage-Antwort-Spiel wurde sichtbar, was das Fellowship ausmacht: junge Talente, erfahrene Branchenköpfe und Learning Partner, die gemeinsam darüber nachdenken, wie Hospitality künftig geführt, gestaltet und weiterentwickelt werden kann.

Gerade im Kontext des Upnxt passte dieser Programmpunkt besonders gut. Denn wenn es um Mut für die Branche geht, geht es immer auch um die Frage, wer diese Branche morgen prägen wird.

Hotelmarkt 2026: Was jetzt wirklich zählt

Im Panel „Hotelmarkt 2026: Was jetzt wirklich zählt“ diskutierten Martin Schaffer von mrp hotels, Stefanie Brandes von Dorint Hotels & Resorts, Ben Brahim von Accor Deutschland und Alexander Dürr von Minor Hotels über Wachstum, Profitabilität, neue Geschäftsmodelle und verändertes Reiseverhalten.

Schon zu Beginn wurde klar: Die Branche bleibt in Bewegung. Stefanie Brandes beschrieb Hotellerie als Achterbahnfahrt. Die Kunst sei, „im Hellen zu fahren“ – also zu wissen, was auf einen zukommt.

Ein wiederkehrendes Thema war die Frage, was am Ende wirtschaftlich „unten durchfällt“. Umsatzwachstum allein reicht nicht, wenn Energie-, Personal- und weitere Kostensteigerungen die Profitabilität belasten.

KI wurde im Panel mehrfach als wichtiges Fenster für die Hotellerie beschrieben. Brandes betonte, man müsse genau hinsehen, was man daraus ziehen könne und wo man KI besser nicht einsetzt. Dorint habe sich bewusst für den Faktor Mensch entschieden, schaue aber gleichzeitig, wie Backoffice-Prozesse verschlankt und Kapazitäten anders eingesetzt werden können.

Brahim sah ebenfalls Potenzial in administrativen Prozessen. Am Gast spiele der Faktor Mensch durch die Talente jedoch weiterhin eine wesentliche Rolle. Dürr ergänzte, KI könne operative Leistungen effizienter machen, ohne Menschen zu ersetzen. Es gehe darum, Arbeit einfacher, schneller und klarer zu machen.

Experience wird zum Entscheidungsgrund

Auch die Standortfrage wurde differenziert betrachtet. Standort bleibt wichtig, ist aber nicht mehr allein ausschlaggebend. Konzepte, Gästezusammensetzung, Kommunikation, Flexibilität und Experience gewinnen an Bedeutung.

Dürr formulierte, Experience werde künftig einer der harten Entscheidungsgründe für ein Hotel. KI werde in der Lage sein, genau jene Hotels herauszusuchen, die passende besondere Erlebnisse bieten.

Für Wachstum bedeutet das: Es geht nicht mehr nur um Expansion, sondern um kontrolliertes, passendes und strategisch gesundes Wachstum. Familienhotels im Generationswechsel, Marktbewegungen und Insolvenzen können Chancen eröffnen – aber nur, wenn sie zum jeweiligen Unternehmen und Konzept passen.

Zum Abschluss richtete sich der Blick auf Führung. Lernbereitschaft, Flexibilität und der Mut, Gelerntes auch wieder über Bord zu werfen, wurden als entscheidend beschrieben. Führungskräfte müssen Veränderung erklären, Mitarbeiter mitnehmen und gerade bei Digitalisierung und KI transparent machen, was diese Entwicklungen für Teams bedeuten.

Was Hospitality von Shows lernen kann

Im One-on-One mit Otto Steiner, CEO von Constantin Entertainment, ging es zum Abschluss des Inspiration Day um die Frage, warum Shows Menschen fesseln und was Hospitality daraus lernen kann.

Steiner sprach über Spannungsbögen, Cliffhanger und das Gefühl, etwas zu verpassen, wenn man nicht wiederkommt. Übertragen auf die Hotellerie könne das bedeuten, Gästen schon bei der Abreise Lust auf den nächsten Aufenthalt zu machen.

Menschen folgen Persönlichkeiten, nicht Konzepten.

Otto Steiner, CEO Constantin Entertainment

Dieser zentrale Gedanke gilt für Entertainment genauso wie für Hospitality. Gäste erinnern sich nicht nur an ein Hotelkonzept, sondern vor allem an Erlebnisse, Emotionen und Menschen.

Steiner betonte, wie wichtig Authentizität ist. Jede Person im Unternehmen gebe eine Visitenkarte ab – vom CEO bis zum Praktikanten. Deshalb brauche es Leitlinien, die verbindlich sind und Mitarbeiter Orientierung geben.

Auch Feedbackkultur spielte eine Rolle. Gute Kritik müsse konstruktiv sein: benennen, was gut war, Schwächen ansprechen und konkrete Lösungsmöglichkeiten anbieten. Gerade junge Menschen könnten sich so weiterentwickeln.

Besonders spannend war Steiners Blick auf Live-Erlebnisse. In einer Welt, die von digitalen Inhalten überflutet ist, werden Live-Momente zur Gegenbewegung. Menschen suchen Eskapismus, echte Begegnungen und besondere Erlebnisse. Für die Hospitality liegt darin eine große Chance: Events, Überraschungen und erinnerbare Momente können den Aufenthalt aufladen.

Dabei gehe es nicht darum, alles ständig neu zu erfinden. Vielmehr sollten Hotels neue Akzente setzen, ohne das zu zerstören, was bereits gut funktioniert.

„Eine 12 von 10“: Abschluss mit Festivalgefühl

Zum Abschluss kamen Irina Hanft, Laura Schmidt, Nina Fiolka und ihr Team noch einmal auf die Bühne. Laura Schmidt brachte ihr Fazit auf den Punkt: „Es war eine 12 von 10.“

Dieses Gefühl passte zu zwei Tagen, die nicht nur von Inhalten, sondern auch von Atmosphäre lebten. Zwischen Kuppelhalle, Betonhalle, Ateliers und Außenbereich entstand ein Festival, das fachlichen Anspruch mit Community-Gefühl verband.

Das Upnxt Hospitality Festival 2026 zeigte, wie breit die Zukunftsfragen der Branche sind. Es ging um KI und Daten, um Arbeitskultur und Employer Branding, um Leadership und Entscheidungen, um touristische Markenführung, neue Geschäftsmodelle und die Macht besonderer Erlebnisse.

Doch hinter all diesen Themen stand immer wieder dieselbe Frage: Haben wir genug Mut? Mut, Technologie nicht nur als Bedrohung, sondern als Gestaltungschance zu sehen. Mut, Entscheidungen zu treffen und aus Fehlern zu lernen. Mut, Mitarbeitende wirklich einzubeziehen. Mut, die eigene Arbeitgeberidentität ehrlich zu betrachten. Mut, den Menschen trotz aller Digitalisierung in den Mittelpunkt zu stellen. Und Mut, als Branche lauter, offener und gemeinschaftlicher nach Lösungen zu suchen.

Gerade die Berlin-Premiere machte deutlich: Hospitality Forward ist kein abstraktes Motto. Es ist eine Einladung, Zukunft nicht abzuwarten, sondern sie gemeinsam zu gestalten.

Nach zwei Tagen blieb der Eindruck einer Branche, die vor Herausforderungen steht, aber nicht stehenbleibt. Einer Community, die sich kennt, unterstützt und miteinander weiterdenken will. Und eines Festivals, das gezeigt hat: Mut entsteht dort, wo Menschen zusammenkommen, Perspektiven wechseln und anfangen, ins Tun zu kommen.

(SAHO)

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