Mindestlohnerhöhung

15 Euro Mindestlohn: Denkfabrik plädiert für Einführung frühestens 2028

Dr. Marcel Klinge und Dirk Iserlohe
DZG-Vorstandssprecher Dr. Marcel Klinge und Wirtschaftsausschuss-Vorsitzender Dirk Iserlohe (rechts) (Foto: © DZG/Honestis AG)
CDU/CSU und SPD erwähnen in ihrem Sondierungspapier einen möglichen Mindestlohn von 15 Euro ab 2026. Die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) warnt davor, diese Erhöhung so schnell umzusetzen. 
Donnerstag, 20.03.2025, 12:42 Uhr, Autor: Sarah Kleinen

„Eine nachhaltige wirtschaftliche Stabilisierung des gesamten Dienstleistungssektors gelingt nur, wenn die Entlastungsmaßnahmen stärker wirken als zusätzliche Kosten“, sagt Dr. Marcel Klinge, Vorstandsvorsitzender der DZG.

Er warnt daher davor, dass die angekündigte Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 15 Euro bis 2026 alle im Sondierungspapier von CDU/CSU und SPD beschlossenen Entlastungen für die Gastwelt sofort wieder auffressen könnte: „Erhöht sich der Mindestlohn in einem einzigen Schritt um 17 Prozent, sprengt das die finanziellen Möglichkeiten der vielen personalintensiven Betriebe in Tourismus, Hospitality, Foodservice und Freizeit.“

Negative Folgen für Geringqualifizierte

Die Denkfabrik sieht mögliche negative Folgen vor allem für gering qualifizierte jüngere Arbeitnehmer. Gerade erst hat eine aktuelle Studie des Fraunhofer IAO im Auftrag der DZG gezeigt: Kein anderer Wirtschaftssektor bietet so vielen Geringqualifizierten unter 35 eine Chance auf dauerhafte Beschäftigung. Steige der Mindestlohn nun zu schnell und zu stark, drohen diese Möglichkeiten wegzufallen – mit direkten Folgen für junge Menschen und die Integrationskraft der Branche.

Finanziell besonders betroffen wären Betriebe mit Fokus auf Geschäftskunden – wie Event-Caterer, Pensionen, Gasthöfe und kleinere Hotels – oder die getränkeorientierte Gastronomie, die nicht von der anvisierten Umsatzsteuerreduzierung auf Speisen profitiert, sowie solche Unternehmen mit hohem Anteil an nicht tarifgebundenen oder geringqualifizierten Beschäftigten.

„Gerade Betriebe, die bereits unter hohen Energie-, Transport- und Personalkosten leiden, können solche Sprünge einfach nicht kompensieren“, ergänzt Dirk Iserlohe, Dorint-Aufsichtschef und Vorsitzender des DZG-Wirtschaftsausschusses.

Mindestlohn seit Einführung bereits um 50 Prozent gestiegen

Die DZG kritisiert zudem die erneute politische Festlegung des Mindestlohns. Seit seiner Einführung 2015 ist dieser bereits um 50 Prozent gestiegen – deutlich stärker als Inflation und Tariflöhne in vielen Bereichen der deutschen Wirtschaft.

Bis auf die Erhöhung durch die Ampel-Regierung im Jahr 2022 wurde die Anpassung stets durch die Mindestlohnkommission vorgenommen, die wirtschaftliche Stabilität und faire Wettbewerbsbedingungen mitberücksichtigt. „Dass nun ausgerechnet CDU und CSU einen politisch festgelegten Mindestlohn mit propagieren, ist kontraproduktiv und belastet die ohnehin mit massiven Arbeitskräfteproblemen ausgestattete Gastwelt weiter“, unterstreichen Klinge und Iserlohe.

Keine Mindestlohnerhöhung vor 2028

Die DZG warnt ebenso davor, dass mit diesem Schritt die nächsten Tarifrunden aufgrund der angehobenen Mindestlohnschwelle weitere Gehaltserhöhungen über die Inflation hinaus fördern würden. Dieser so genannte „Welleneffekt“ führe zu nicht kalkulierbaren Kostenerhöhungen in einer der personalintensivsten Branchen Deutschlands.

Die Denkfabrik schlägt daher eine Übergangsphase bis 2028 vor, damit sich die Gastwelt wirtschaftlich bis dahin stabilisieren kann. „Es geht uns nicht darum, Lohnsteigerungen grundsätzlich infrage zu stellen. Die 6,2 Millionen engagierten Mitarbeiter der Gastwelt haben eine faire Bezahlung verdient“, sagt Klinge. „Erhöhungen müssen aber in einem Tempo umgesetzt werden, das Arbeitsplätze sichert und die Gastwelt als zweitgrößten privaten Arbeitgeber Deutschlands nicht überfordert. Nur durch eine Beruhigung der Kostenentwicklung können die in Aussicht gestellten Entlastungsmaßnahmen überhaupt wirken.“

(DZG/SAKL)

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