„umsatzsteuerliche Privilegien“

AfD fordert Erhöhung der Mehrwertsteuer für Hotellerie

Zwei Politiker im Bundestag
Die Vorsitzenden der AfD-Bundestagsfraktion, Alice Weidel (li.) und Alexander Gauland (re.), aufgenommen am 14. März 2019 bei der 86. Sitzung des Bundestages (Foto: © picture alliance/Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa)
Zugunsten der Familienförderung will die Partei den bis dato verringerten Mehrwertsteuersatz für die Hotellerie abschaffen. Diese Maßnahme reiche zur Gegenfinanzierung.
Donnerstag, 25.04.2019, 10:46 Uhr, Autor: Kristina Presser

Es war, nach eigenen Angaben, einer der größten Erfolge für den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA): Seit dem 1. Januar 2010 gilt ein verringerter Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent für Beherbergungsleistungen. Nun, so scheint es, will die AfD diesen für die Hotellerie wieder auf seinen ursprünglichen Wert von 19 Prozent anheben. Wie der DEHOGA Baden-Württemberg auf seiner Website berichtet, wolle die Partei die Mehrwertsteuer für Kinderbedarf auf sieben Prozent senken und dafür ausgleichend jenen Satz für Hotelübernachtungen wieder erhöhen.

Familien fördern
Der DEHOGA beruft sich mit dieser These auf einen Antrag vom 20. März 2019, in dem die AfD-Bundestagsfraktion verkündet: „Viele Branchen und Produkte werden durch den reduzierten Mehrwertsteuersatz von derzeit 7 Prozent steuerlich privilegiert. Hotelübernachtungen, Gänseleber, Froschschenkel, Riesengarnelen, Krebsfleisch, Schildkrötenfleisch, Fahrten mit der Drahtseilbahn fallen unter diese Privilegierung. Auf viele Artikel und Dienstleistungen des Kinderbedarfs wird hingegen der reguläre Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent erhoben.“

Gleichzeitig werde, laut Schriftstück, die ökonomische Leistungsfähigkeit der Familien für den Bereich der allgemeinen Lebenshaltung maßgeblich von der Steuerlast bestimmt, die in Deutschland derzeit ja zweigeteilt sei. Kinder, als Gestalter unsere Zukunft, und demnach die Familie als gesellschaftliches Konstrukt, müssten daher entsprechend unterstützt werden. So soll „die Umsatzsteuer für solche Produkte und Dienstleistungen auf 7 Prozent reduziert (werden), die einen direkten Bezug zur Erziehung, Betreuung und Pflege von Kindern aufweisen, soweit sie nicht bereits, wie etwa Grundnahrungsmittel und deren Vorprodukte, dieser Privilegierung unterliegen.“

Umsatzsteuerliche Privilegierungen von Hotelübernachtungen sollen gestrichen werden
Um diese geforderte umsatzsteuerlichen Familienprivilegierungen zu finanzieren, solle die Bundesregierung nach Meinung der AfD „künftig solche Produkte und Dienstleistungen aus der 7-Prozent-Privilegierung ausscheiden (…) lassen, die erkennbar keinen Bezug zur allgemeinen Grundsicherung haben und sich allein einer unverstellten Klientelpolitik für Besserverdienende verdanken.“ Oder konkret am Schluss zu lesen: „Es wird davon ausgegangen, dass die Maßnahme bereits durch die Streichung der umsatzsteuerlichen Privilegierungen von Hotelübernachtungen auskömmlich gegenfinanziert wäre.“

Unterzeichnet wurde das Papier von „Dr. Alice Weidel, Dr. Alexander Gauland und Fraktion“.

Zurück zur Startseite

Weitere Themen

Jahreswechsel 2025 auf 2026
Reformen
Reformen

Mehrwertsteuer, Mindestlohn, Minijobs – das ändert sich 2026

Das Jahr 2026 bringt einige neue gesetzliche Regelungen und Änderungen mit sich, die auch das Gastgewerbe betreffen. Ein Überblick, was auf die Branche zukommt.
Michael Heinzler
Hoffnung
Hoffnung

Herausfordernde Zeiten im Gastgewerbe

Erst die Corona-Pandemie, dann der Ukraine-Krieg und nun die Mehrwertsteuererhöhung in der Gastronomie – das Gastgewerbe hat es derzeit nicht leicht. Doch es gibt Hoffnung ... 
Gast an der Rezeption im Hotel
HOGAPAGE-Interview
HOGAPAGE-Interview

Iran-Krieg: Wie geopolitische Krisen den Hotelvertrieb verändern

Der Iran-Konflikt sorgt für Unsicherheit im Reisemarkt. Nach Beobachtung von MCANISM buchen Gäste kurzfristiger, vergleichen intensiver und achten stärker auf flexible Konditionen. Warum davon gerade Vergleichs- und Affiliate-Kanäle profitieren und wie sich Hotels strategisch darauf einstellen sollten, erklärt Gunnar Militz, CEO und Founder von MCANISM, im Interview mit HOGAPAGE.
Frau beim bezahlen im Restaurnat
Statistik
Statistik

Gastgewerbeumsatz im ersten Halbjahr 2026: Gastronomie mit stärkeren Einbußen als Hotellerie

Das deutsche Gastgewerbe erzielt im ersten Halbjahr nominal ein Umsatzplus. Preisbereinigt bleibt die Entwicklung jedoch rückläufig – mit stärkeren Einbußen in der Gastronomie als in der Hotellerie.
Clemens Fuest
Finanzpolitik
Finanzpolitik

19 Prozent auf alles? Ifo-Chef fordert einheitliche Mehrwertsteuer

Höhere Steuern und damit höhere Preise für Brot, Butter und Obst: Darauf zielt ein Vorschlag von Ökonom Clemens Fuest. Er will Einheitlichkeit bei der Mehrwertsteuer. Für die Gastronomie könnte das Folgen haben.
Rezeptionistin mit Telefonhörer in der Hand schaut auf ihren Computer
Reformentwurf
Reformentwurf

Entwurf zur Arbeitszeit-Reform: Mehr Flexibilität für das Gastgewerbe?

Ein erster Entwurf zur Reform der Arbeitszeiten in Deutschland sickert durch. Und stößt sofort auf Widerspruch. Es geht um den Achtstundentag – und um mehr Flexibilität bei Dienstplänen, wie ihn Hotels und Restaurants bereits seit langem fordern.
Zwei Gastronomen bei der Abrechnung
Iran-Deal
Iran-Deal

Einigung zwischen USA und Iran: Entspannung für das Gastgewerbe in Sicht?

Nach wochenlangen Verhandlungen haben sich die USA und der Iran auf ein Rahmenabkommen zur Beilegung des Krieges verständigt. Das nährt die Hoffnung auf wirtschaftliche Entspannung – auch für Hotellerie und Gastronomie.
Junge Mitarbeiterin in einer Konditorei steht lächelnd hinter der Theke
Jugendschutz
Jugendschutz

Schülerjobs in Hotel und Gastro: Was in den Ferien erlaubt ist

Wenn Restaurants, Cafés und Häuser in der Hochsaison Unterstützung suchen, greifen klare Schutzvorgaben. Entscheidend sind Alter, Uhrzeit, Tätigkeit und Vergütung. Wer sauber plant, verbindet Zusatzverdienst auf Nachwuchsseite mit rechtssicherer Entlastung im Betrieb.
Gastronom bei der Abrechnung
Preisdruck
Preisdruck

Iran-Krieg treibt Inflation auf 2,9 % – Folgen für das Gastgewerbe

Mit dem Iran-Krieg sind die Preise in Deutschland nach oben geschnellt. Vor allem steigende Energiekosten treiben die Inflationsrate Richtung Drei-Prozent-Marke. Das belastet auch das Gastgewerbe.