Wertschätzung

CDU-Ministerin hält Lebensmittel für zu günstig – Dehoga sieht wenig Spielraum

Zwei Köche prüfen frische Lebensmittel in einer Restaurantküche.
Qualität und Regionalität spielen beim Wareneinkauf vieler Gastronomiebetriebe eine wichtige Rolle. Steigende Kosten und preissensible Gäste begrenzen jedoch den wirtschaftlichen Spielraum. (Foto: © auremar/stock.adobe.com)
Landesagrarministerin Christine Schneider findet, dass Lebensmittel in Deutschland zu günstig sind und fordert mehr Wertschätzung für regionale Produkte. Diese Forderung trifft auf eine angespannte Realität im Gastgewerbe.
Freitag, 11.09.2026, 10:06 Uhr, Autor: Sarah Kleinen

Wie viel dürfen Lebensmittel kosten? Die rheinland-pfälzische Landwirtschaftsministerin Christine Schneider fordert mehr Wertschätzung für heimische Produkte. Nach Ansicht der CDU-Politikerin sind Lebensmittel in Deutschland im Verhältnis zum Einkommen zu günstig. Sie sieht zudem eine Diskrepanz zwischen dem, was Verbraucher in Umfragen angeben, und ihrem tatsächlichen Einkaufsverhalten.

Die Debatte betrifft auch das Gastgewerbe. Schließlich beeinflussen Einkaufspreise und regionale Beschaffung unmittelbar die Kalkulation von Restaurants, Hotels und Cateringbetrieben. Zugleich spielt die Wertschätzung von Lebensmitteln eine Rolle dabei, welche Preise Gäste akzeptieren.

Der Dehoga Bundesverband verweist dabei allerdings auf ein schwieriges Spannungsfeld: Viele Gäste würden zwar Wert auf Qualität und Regionalität legen, zugleich aber immer stärker auf den Preis achten.

Anspruch und Einkaufsverhalten klaffen auseinander

Sie nehme „leider schon seit Jahren wahr“, dass das, was die Bevölkerung in Umfragen angebe, mit dem wirklichen Einkaufsverhalten nichts zu tun habe, sagte Schneider der Deutschen Presse-Agentur in Mainz.

Mit der Corona-Pandemie habe es einen starken Anstieg von ökologischen und vor allem auch regional produzierten Lebensmitteln gegeben. Nach Einschätzung der Ministerin hing dies auch mit den eingeschränkten öffentlichen Freizeitmöglichkeiten und der damit verbundenen zusätzlichen Zeit zu Hause zusammen. „Leider hat es sich nach Corona genau wieder zurückentwickelt“, sagte Schneider.

Wertschätzung geht bei zu günstigem Preis verloren

Das Einkaufsverhalten habe Auswirkungen auf die heimische Landwirtschaft und auch auf die Produktion in Rheinland-Pfalz, betonte die Ministerin. Sie wolle niemandem vorschreiben, wie er sich eine ausgewogene Ernährung vorstellt – „auch im Ministerium nicht“. Vielmehr gehe es ihr darum, mehr Bewusstsein und Wertschätzung in der Bevölkerung für die Produktion gesunder Lebensmittel zu schaffen.

„Wenn Lebensmittel zu günstig sind, dann geht diese Wertschätzung auch verloren“, sagte die Landwirtschaftsministerin, deren Großvater Winzer und Metzger war. „Und wir haben in Deutschland das Problem, dass Lebensmittel im Vergleich zu anderen europäischen Mitgliedsstaaten, wenn ich es zum Durchschnittseinkommen im Vergleich gleichziehe, zu günstig sind.“ Das führe möglicherweise auch zu mangelnder Wertschätzung.

In Nachbarländern wie Österreich und Frankreich seien in den Regalen der Supermärkte überwiegend Lebensmittel aus den eigenen Ländern zu finden, berichtete die CDU-Politikerin. Dieses Bekenntnis zu regionalen Produkten könne nicht durch Gesetze vorgeschrieben werden. „Das findet nur durch eine Bewusstseinsveränderung statt.“

Dehoga: Regionale Produkte stoßen auch an Grenzen

Regional erzeugte Lebensmittel spielen auch in vielen gastronomischen Betrieben eine wichtige Rolle. Der Dehoga Bundesverband und seine Landesverbände fördern deren Einsatz nach eigenen Angaben durch verschiedene Initiativen und Zertifizierungen. 

In Zusammenarbeit mit den Bundesländern und Agrarverbänden unterstützt der Dehoga beispielsweise regionale Qualitätssiegel für Betriebe, die nachweislich regionale Produkte anbieten (z. B. „Hessen à la Carte“, „So schmeckt Baden-Württemberg“, „Ausgezeichnete Bayerische Küche“ oder „Brandenburger Gastlichkeit“). „Diese Siegel schaffen Transparenz für den Gast und einen Marketingvorteil für die Gastronomen“, betont der Verband.

Beim Dehoga Umweltcheck, der 2012 gestartet wurde, bilden regionale Produkte eine der vier zentralen Säulen des Kriterienkatalogs (neben Energieverbrauch, Wasserverbrauch und Abfallaufkommen). Der gezielte Einkauf aus der Region ist dabei keine freiwillige Zusatzleistung, sondern eine Mindestvoraussetzung für das Erreichen der jeweiligen Auszeichnungsstufe.

Einem noch stärkeren Einsatz regionaler Produkte stehen aus Sicht des Verbandes allerdings praktische und wirtschaftliche Grenzen gegenüber. "Produkte von regionalen Anbietern sind häufig teurer. Diese Mehrkosten in einem preissensiblen Marktumfeld an den Gast weiterzugeben, fällt vielen Betrieben immer schwerer", erklärt der Dehoga. 

Hinzu kämen je nach Produkt und Region Fragen der Verfügbarkeit, Lieferfähigkeit, benötigten Mengen und Logistik. Besonders für kleinere Betriebe müsse der regionale Einkauf deshalb auch organisatorisch und wirtschaftlich darstellbar sein. 

Grafik des Dehoga zur Kosten- und Preisentwicklung im Gastgewerbe von Januar 2022 bis Juli 2026
Steigende Kosten treffen auf preissensible Gäste: Die Dehoga-Grafik zeigt, wie sich zentrale Kostenfaktoren und die Preise in der Gastronomie seit Januar 2022 entwickelt haben. (Grafik: © DEHOGA Bundesverband)

Gäste achten stärker auf den Preis

Die Aussagen des Verbandes verdeutlichen zugleich das Spannungsfeld, das auch in Schneiders Äußerungen anklingt. „Wir wissen: Viele Gäste legen Wert auf Qualität, Regionalität und Nachhaltigkeit. Gleichzeitig ist die Preissensibilität deutlich gestiegen“, teilt der Dehoga mit.

Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten würden Gäste stärker auf den Preis achten und teilweise Restaurantbesuche oder ihre Ausgaben vor Ort reduzieren. Gleichzeitig seien die Kosten für Lebensmittel und Wareneinsatz in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen – zusätzlich zu höheren Personal-, Energie- und sonstigen Betriebskosten. „Das stellt unsere Betriebe vor große Herausforderungen“, betont der Dehoga. 

Dehoga fordert bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Damit steht die Gastronomie vor einer schwierigen Aufgabe: Hochwertige und regionale Produkte können zusätzliche Kosten verursachen, während eine vollständige Weitergabe dieser Kosten über höhere Speisenpreise angesichts der Konsumzurückhaltung nicht immer möglich ist.

„Das Gastgewerbe ist ein Seismograf der wirtschaftlichen Lage und Stimmung im Land“, betont der Dehoga. Aus Sicht des Verbandes kommt es deshalb vor allem auf die Rahmenbedingungen im Land an.

„Es braucht jetzt einen echten wirtschaftspolitischen Befreiungsschlag, der die Bremsen löst, neues Wachstum ermöglicht und Vertrauen in den Standort zurückbringt“, fordert der Dehoga. „Immer neue Steuerdebatten, das Infragestellen bewährter Instrumente wie jüngst der Mitarbeiterrabatte und die beschlossene Verteuerung der Minijobs sind genau das falsche Signal. Wer Konsum und Wachstum stärken will, darf Beschäftigten nicht immer weniger Netto und Betrieben immer höhere Kosten zumuten.“

(dpa/Dehoga/SAKL)

Zurück zur Startseite

Weitere Themen

Bundeskabinett
Kabinettbeschluss
Kabinettbeschluss

Einkommensteuerreform 2027: Folgen für das Gastgewerbe

Das Bundeskabinett hat die Einkommensteuerreform der schwarz-roten Koalition auf den Weg gebracht. Der Entwurf von Finanzminister Lars Klingbeil sieht Entlastungen für viele Arbeitnehmer vor – könnte Hotels und Gastronomiebetriebe jedoch zugleich stärker belasten. Vor allem die höhere Pauschalsteuer auf Minijobs sorgt beim Dehoga für deutliche Kritik.
Kellnerin im Biergarten
Aktuelle Daten
Aktuelle Daten

Minijob-Reformpläne: Neue Zahlen zeigen regionale Dimension

Die Vorschläge der Rentenkommission zur Zukunft der Minijobs sorgen weiter für Diskussionen. Neue Zahlen aus Baden-Württemberg und Hessen verdeutlichen die Dimension einer möglichen Reform – insbesondere für das Gastgewerbe.
Friedrich Merz
Politik
Politik

Was Branchenverbände von der neuen Bundesregierung fordern

Friedrich Merz wurde zum Bundeskanzler gewählt, Deutschland hat eine neue Bundesregierung. Branchenverbände erwarten nun die rasche Umsetzung der im Koalitionsvertrag vereinbarten Maßnahmen zur Unterstützung der Gastwelt. 
Dehoga-Präsident Guido Zöllick
Debatte
Debatte

Mehrwertsteuer in der Gastronomie: Dehoga appelliert an Olaf Scholz

Olaf Scholz sprach sich in den ARD-Tagesthemen für eine Senkung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes für Lebensmittel aus, ließ jedoch in Bezug auf die Gastronomie eine klare Stellungnahme vermissen. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband zeigt sich darüber nun enttäuscht und fordert vom Bundeskanzler eine eindeutige Antwort zur steuerlichen Gleichbehandlung der Branche.
Friedrich Merz
Dehoga Branchentag
Dehoga Branchentag

Friedrich Merz für reduzierte Mehrwertsteuer in der Gastronomie

Beim Dehoga Branchentag diskutierten Spitzenpolitiker über die aktuelle politische Situation und die Herausforderungen im Gastgewerbe. Nicht nur Friedrich Merz sprach sich dabei für eine reduzierte Mehrwertsteuer in der Gastronomie aus. 
Der DEHOGA-Fachabteilungsvorsitzende Jörg Rutschke, SV (Deutschland), zusammen mit seiner Stellvertreterin Cornelia Härtel (l.), RWS Cateringservice, und DEHOGA-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges anlässlich der Mit-gliederversammlung am 8. März 2024 in Hamburg. (Foto: © Dehoga)
Mitgliederversammlung
Mitgliederversammlung

Dehoga-Caterer fordern Bürokratieabbau

Auf der Internoraga in Hamburg haben sich die Mitglieder der Fachabteilung Catering im Dehoga Bundesverband zur Gremiumssitzung zusammengefunden. Sie formulieren eindeutige Aufgaben an die Politik, um die Branche zu entlasten. 
Politischer Cocktail-Afterwork in Berlin
Steuerdebatte
Steuerdebatte

Politisches Afterwork mit 140 Gästen in Berlin: Verbände warnen vor höheren Alkoholsteuern

Kurz vor den Haushaltsberatungen 2027 warnen DZG, BWSI und DBU beim politischen Cocktail-Afterwork vor der geplanten Erhöhung der Verbrauchsteuern auf Spirituosen und Sekt. Die Verbände sehen vor allem Bars, Kneipen, Clubs, Handel und Hersteller zusätzlich unter Druck.
Kellnerin steht lächelnd bei Gästen
Einschätzung
Einschätzung

Dehoga-Landesverbände: „Der Minijob bleibt erhalten!“

Nach den Beschlüssen des Koalitionsausschusses sehen mehrere Dehoga-Landesverbände den Fortbestand der Minijobs gesichert. Für das Gastgewerbe sei das ein wichtiges Signal – auch wenn die Pauschalsteuer steigen soll.
Junge Servicekraft notiert Bestellung
Kritik
Kritik

Verbändeallianz fordert Erhalt der jetzigen Minijob-Regelung

Der Sonderstatus von Minijobs soll künftig nur noch für Schüler gelten – so sieht es ein Vorschlag der Rentenkommission vor. Eine breite Verbändeallianz hat sich nun zusammengeschlossen und warnt davor, die bestehenden Regelungen zu verschärfen – mit Folgen für Beschäftigte und Betriebe.