Appell

Dehoga: Forderungen für den Neustart des Gastgewerbes

Nach der Corona-Pandemie kämpft sich das Gastgewerbe aus der Krise. Der Neustart der Branche wird allerdings durch steigende Kosten und Unsicherheiten in Folge des Ukraine-Krieges erschwert. Dehoga-Präsident Guido Zöllick fordert daher von der Politik entschlossenes Handeln und die richtigen politischen Weichenstellungen.

Dienstag, 21.06.2022, 14:30 Uhr, Autor: Sarah Kleinen
Dehoga-Präsident Guido Zöllick

Damit der Neustart nach der Corona-Pandemie im Gastgewerbe gelingen kann, fordert der Dehoga-Präsident Guido Zöllick Energiesicherheit, Maßnahmen zur Arbeits- und Fachkräftegewinnung sowie das Beibehalten der 7-Prozent-Mehrwertsteuer. (Foto: © picture alliance/dpa | Kay Nietfeld)

„Die aktuellen Herausforderungen könnten kaum größer sein“, sagte Guido Zöllick, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga Bundesverband), auf der Pressekonferenz des Verbandes am Dienstag in Berlin. Die Branche brauche jetzt Planbarkeit und verlässliche Perspektiven. „Ich erwarte, dass beste Pandemie-Vorsorge für den Herbst getroffen wird. Erneute Beschränkungen und Schließungen werden viele Unternehmen nicht überleben. Die Zukunftssicherung der Betriebe und Arbeitsplätze muss jetzt Priorität haben“, sagt Guido Zöllick.

Nach zehn Wachstumsjahren habe die Corona-Pandemie die Branche in ihre schwerste Krise der Nachkriegszeit gestürzt, berichtet Guido Zöllick. „Neun Monate Lockdown und weitreichende Einschränkungen haben tiefe Spuren hinterlassen – bei den Unternehmern wie Mitarbeitern.“ Für die Krisenjahre meldete die Branche Umsatzausfälle historischen Ausmaßes.

Hoffnungen liegen auf dem Deutschlandtourismus

Hoteliers und Gastronomen setzen jetzt auf eine gute Sommersaison. „Der Nachholbedarf ist groß“, erklärt Guido Zöllick. „Die Menschen freuen sich, wieder ausgehen, reisen und genießen zu können.“ Viele Menschen hätten Deutschland als Reiseland neu entdeckt. In vielen Regionen gebe es berechtigten Anlass zur Hoffnung, dass die Betriebe in diesem Jahr an das Umsatzniveau von 2019 herankämen. Die touristische Nachfrage erhole sich schneller als die geschäftliche das hätten auch die vergangenen Sommer gezeigt. „Messen, Firmenveranstaltungen und Geschäftsreisen finden auch wieder statt, aber noch nicht auf dem Vorkrisenniveau.“

Aktuelle Herausforderungen sind groß

„Allen Betrieben zu schaffen, machen die explodierenden Kosten bei Energie, Lebensmitteln und Personal“, sagt Guido Zöllick weiter und verweist auf die Ergebnisse der jüngsten Dehoga-Umfrage. Danach bereiten den Betrieben die Energiekosten (85,6 %), die Lebensmittelpreise (85,4 %) und die Personalkosten (67,0 %) die größten Sorgen. Besonders bitter sei zudem, dass gute Nachfrage oft nicht bedient werden könne, da Mitarbeiter fehlen. Anfang Juni beklagten rund 60 Prozent der Betriebe einen akuten Mitarbeitermangel.

Appell an die Politik

Angesichts der großen Herausforderungen für das Gastgewerbe fordert Guido Zöllick von der Politik entschlossenes Handeln und die richtigen politischen Weichenstellungen. Neue Belastungen und Reglementierungen für die Betriebe dürfe es nicht geben.

Die Branche erwarte, dass jetzt eine bestmögliche Pandemie-Vorsorge für das Winterhalbjahr getroffen werde. Hinzu käme, eine sichere und finanzierbare Energieversorgung zu gewährleisten.

Priorität haben zudem Maßnahmen zur Arbeits- und Fachkräftesicherung. „Wir benötigen dringend mehr Mitarbeiter aus dem Inland wie Ausland.“ Deshalb müsse die Arbeitskräftezuwanderung aus Nicht-EU-Staaten zügig ausgeweitet sowie Prozesse und Verfahren vereinfacht und beschleunigt werden. Längst überfällig sei eine echte Offensive für die duale Ausbildung.

„Die 7 -Prozent-Mehrwertsteuer muss bleiben“

Zentrale Maßnahme zur Zukunftssicherung der Branche sei laut Guido Zöllick das Beibehaltender Mehrwertsteuersenkung. Die Maßnahme war zur Stärkung der Gastronomie zum 1. Juli 2020 eingeführt worden und gilt noch bis Ende des Jahres. „Die 7 -Prozent-Mehrwertsteuer muss bleiben“, appelliert Guido Zöllick an die politischen Entscheider.

„Mit der Entfristung werden die dringend benötigten Perspektiven geschaffen. Gleichzeitig wird damit die längst überfällige steuerliche Gleichbehandlung von Essen hergestellt.“ Mehr denn je käme es darauf an, der Branche, den Unternehmern und Mitarbeitern verlässliche Perspektiven zu geben und die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe zu stärken. Nicht nur, weil das Gastgewerbe mit 200.000 Unternehmen und zwei Millionen Beschäftigten ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, Jobmotor und Absatzmarkt sei, sondern auch von hoher gesellschaftlicher Relevanz, die wohl nie deutlicher wurde als in den Pandemiemonaten, sagt Guido Zöllick abschließend.

(Dehoga Bundesverband/SAKL)

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