Kritik

Gastronomie macht Front gegen Tierhaltungslogo

Kellnerin zeigt auf Speisekarte, die der Gast hält
Mit der geplanten Tierhaltungskennzeichnung könnten Gastronomiebetriebe ihre Speisekarten im Schnitt einmal pro Woche aktualisieren müssen. (Foto: © Drazen/stock.adobe.com)
Künftig sollen auch Restaurants Angaben zur Tierhaltung verpflichtend ausweisen – so die Pläne der Koalition. Die Branche protestiert.
Montag, 27.04.2026, 09:52 Uhr, Autor: Sarah Kleinen

Die Gastrobranche macht Front gegen die geplante Einführung des verpflichtenden staatlichen Tierhaltungslogos für Fleisch in Restaurants und Kantinen. Die Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotellerie- und Gastronomieverbands (Dehoga), Jana Schimke, sagte der Deutschen Presse-Agentur, der damit verbundene Aufwand für die Betriebe wäre enorm und eine solche Regelung das falsche Signal in wirtschaftlich schweren Zeiten. „Erneut muss dokumentiert und gekennzeichnet werden. Der Sinn bleibt fraglich.“

Schimke betonte: „Der Gast kommt, weil er sich wohlfühlt und es schmeckt, nicht weil ein Schild vor der Tür steht.“ Gleichzeitig drohe eine Einschränkung der Angebotsvielfalt. „Die für die Gastronomie unverzichtbare Flexibilität etwa bei kurzfristigen Lieferantenwechseln oder bei Mischprodukten ginge verloren.“ Sie forderte: „Informationen zur Tierhaltung müssen freiwillig bleiben.“

Mehr zum Thema

Kennzeichnung soll 2027 kommen

Die schwarz-rote Koalition will die lange geplante Pflichtkennzeichnung im nächsten Jahr außer in Supermärkten auch in der Gastronomie einführen. Die Umsetzung des Systems, das 2023 noch von der Vorgängerkoalition aus SPD, Grünen und FDP per Gesetz beschlossen wurde, war schon mehrmals verschoben worden. 

Es hat fünf Kategorien von der Stufe „Stall“ mit den gesetzlichen Mindestanforderungen bis „Bio“. Zunächst sollte es nur für frisches Schweinefleisch im Handel gelten.

Das Bundesagrarministerium hat jetzt einen Entwurf vorgelegt, der mehrere Änderungen am geltenden Gesetz vorsieht. Demnach soll das Logo künftig auch in Speisekarten, Preisverzeichnissen oder Aushängen zu finden sein. Damit könnten Gäste in Restaurants, Kantinen oder am Imbiss „eine informierte Kaufentscheidung“ treffen, heißt es im Entwurf. „In der Außer-Haus-Verpflegung gibt es üblicherweise nur wenige bis keine Informationen zu den Haltungsbedingungen der Tiere, von denen die Lebensmittel stammen.“

Speisekarten müssen aktualisiert werden 

Nicht gelten soll die Kennzeichnung demnach für „eher getränkegeprägte Gastronomiebetriebe“ und Gaststätten, die keine Gerichte mit Schweinefleisch anbieten. Betroffen sein dürften rund 100.000 Gaststätten, schätzt das Ministerium.

Restaurants kauften ihr Fleisch etwa wöchentlich ein, oft gebe es feste Verträge mit Lieferanten, um gleiche Qualität, verlässlichen Nachschub und günstigere Einkaufspreise zu sichern. Daher dürften Angaben in Speisekarten oder Preistafeln im Schnitt einmal pro Woche aktualisiert werden.

Dabei soll die Kennzeichnung nicht – wie im Supermarkt – direkt am Produkt oder in der Nähe angebracht werden. Zur Erleichterung soll es verschiedene Möglichkeiten geben: auf Speisekarten zum Blättern oder digital. Möglich wären Hinweise an der Theke, dass man die Haltungsformen auf Anfrage einsehen kann.

Bei Schweinefleischrouladen soll nur das Fleisch gekennzeichnet werden müssen, nicht nötig wäre es für eingewickelten Speck zur Geschmacksgebung – und auch nicht für Fleisch in Tortellini, Maultauschen oder Bolognese-Saucen.

Warnung vor höheren Preisen

Gegen die Gesetzespläne hat sich ein Branchenbündnis formiert, dem unter anderem Verbände der Systemgastronomie, von Caterern und des Fleischer- und Bäckerhandwerks angehören. Sie warnen vor bürokratischem Aufwand und erheblichen zusätzlichen Kosten, die letztlich an die Verbraucher weitergegeben werden müssten.

Höhere Preise in Schulen, Kitas, Mensen oder Kliniken träfen Familien und Senioren. Das Informationsbedürfnis von Verbrauchern zu Tierhaltungsformen sei beim Außer-Haus-Verzehr gering.

In Supermärkten gibt es bereits seit 2019 eine freiwillige eigene Kennzeichnung der großen Handelsketten.

(dpa/SAKL)

Zurück zur Startseite

Weitere Themen

Speisekarte
Kritik
Kritik

Verbände warnen vor Tierhaltungslogo für die Gastronomie

Auch in Restaurants, Kantinen oder Imbissen soll künftig ein Logo zur Tierhaltung zu finden sein – so die Pläne der schwarz-roten Koalition. Verbände aus Gastronomie, Industrie und Handwerk lehnen das Vorhaben entschieden ab.
Gruppe im Restaurant bekommt Speisekarte von Kellnerin
Kennzeichnungspflicht
Kennzeichnungspflicht

Tierhaltungslogo soll in Restaurants kommen

Nach vielen Verzögerungen soll beim Fleischkauf bald ein amtliches Siegel über Bedingungen in den Ställen informieren. Auch für Speisekarten in Gaststätten und Imbissen ist ein solches Logo geplant.
Junge Menschen schauen in Speisekarte
Kennzeichnungspflicht
Kennzeichnungspflicht

Staatliches Tierhaltungslogo auf 2027 verschoben

Die Einführung des staatlichen Tierhaltungslogos für Fleisch im Supermarkt verzögert sich erneut: Die Pflichtkennzeichnung soll nun 2027 starten – zunächst für Schweinefleisch. Union und SPD wollen das System bis dahin überarbeiten und dann auch auf Restaurants und Kantinen ausweiten.
Kellnerin im Biergarten
Aktuelle Daten
Aktuelle Daten

Minijob-Reformpläne: Neue Zahlen zeigen regionale Dimension

Die Vorschläge der Rentenkommission zur Zukunft der Minijobs sorgen weiter für Diskussionen. Neue Zahlen aus Baden-Württemberg und Hessen verdeutlichen die Dimension einer möglichen Reform – insbesondere für das Gastgewerbe.
Kellner bringt Burger an den Tisch
Verbändeallianz
Verbändeallianz

Tierhaltungskennzeichnung: Widerstand aus Gastronomie und Foodservice

Transparenz ja – staatliche Kennzeichnung in der Gastronomie nein: Eine diskutierte Ausweitung des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes auf Gastronomie, Außer-Haus-Verpflegung sowie auf verarbeitete Produkte stößt auf Widerstand. In einem gemeinsamen Positionspapier sprechen sich Branchenverbände gegen diese Pläne aus. 
Jana Schimke
Kritik
Kritik

Jana Schimke verteidigt Minijob-Modell

Die Reformvorschläge zum Ende der Minijobs sorgen im Gastgewerbe weiter für Kritik. Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Jana Schimke findet deutliche Worte zu den diskutierten Plänen. Sie sieht die Arbeitsfähigkeit vieler Betriebe im Gastgewerbe in Gefahr.
Vorstellung der Vorschläge zur Reform der Altersvorsorge mit Friedrich März und Bärbel Bas
Kritik
Kritik

Vorschläge der Rentenkommission: Dehoga warnt vor Minijob-Aus

Die Rentenkommission will den Sonderstatus geringfügiger Beschäftigung künftig stark begrenzen. Der Dehoga warnt vor erheblichen Folgen für das Gastgewerbe – betroffen wären rund 1,1 Millionen geringfügig Beschäftigte.
Rezeptionistin im Hotel
Kritik
Kritik

Arbeitszeit-Reform: Gastgewerbe fordert Nachbesserungen

Flexibilität war versprochen, Bürokratie wurde geliefert: Der kursierende Entwurf zur Arbeitszeit-Reform stößt im Gastgewerbe auf deutlichen Widerspruch. Statt mehr Spielraum sehen Branchenverbände vor allem neue Hürden und zusätzliche Bürokratie.
Gastronom bei der Abrechnung
Belastungen
Belastungen

Gastgewerbe bleibt trotz 7 Prozent unter Druck

Trotz gesenkter Mehrwertsteuer bleibt die Lage im Gastgewerbe angespannt. Beim Jahresauftakt des Dehoga wurde deutlich, welche Herausforderungen die Branche weiterhin unter Druck setzen – und welche politischen Änderungen jetzt gefordert sind.