Gastwelt-Summit

Gastwelt fordert wettbewerbsfähige Standortpolitik und neue Wachstumsagenda

Dr. Marcel Klinge, Gerhard Bruder, Dr. Janina Jänsch, Homeira Amiri und Christa Stienen
DZG-Spitze und Bundeswirtschaftsministerium im Austausch (v. l.): Dr. Marcel Klinge, Gerhard Bruder, Dr. Janina Jänsch, Homeira Amiri und Christa Stienen (Foto: © DZG)
Sechs Millionen Jobs unter Druck: Beim Gastwelt-Summit in Berlin diskutierten rund 220 Unternehmer der Gastwelt mit Spitzenpolitikern über steuerliche Entlastungen, Bürokratieabbau und Maßnahmen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit.
Freitag, 15.05.2026, 09:15 Uhr, Autor: Sarah Kleinen

Die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) hat in Zusammenarbeit mit führenden Branchenverbänden beim diesjährigen Gastwelt-Summit für mehr wirtschaftspolitische Unterstützung und wettbewerbsfähige Standortbedingungen geworben: Steuerliche Entlastungen, weniger Bürokratie, niedrigere Energiekosten, beschleunigte Arbeitskräftezuwanderung und eine neue Wachstumsagenda waren zentrale inhaltliche Debattenpunkte. 

Rund 220 Führungskräfte aus Tourismus, Hospitality, Foodservice und Freizeitwirtschaft diskutierten dazu mit Vertretern aus Bundestag und Bundesregierung in Berlin über die Zukunft der deutschen Wirtschaft.

TIC-Präsident Markus Tressel beim Gastwelt Summit
Rund 220 Führungskräfte der Gastwelt diskutierten jüngst mit Bundespolitikern über die Zukunft des Wirtschaftssektors – moderiert von TIC-Präsident Markus Tressel. (Foto: © DZG)

„Austausch zwischen Politik und Branche ist von großer Bedeutung“

Der Dienstleistungssektor Gastwelt beschäftigt bundesweit mehr als sechs Millionen Menschen und ist damit ein zentraler Wirtschafts- und Gesellschaftsfaktor. Aus Sicht der Denkfabrik muss diese systemrelevante Funktion stärker in den Fokus wirtschafts- und steuerpolitischer Entscheidungen rücken.

Angesichts schwindender finanzieller Spielräume sei daher ein enger Austausch zwischen Politik und Branche notwendig, um den Wirtschaftsstandort langfristig zu sichern, die Binnennachfrage anzukurbeln und die Gastwelt – auch im internationalen Vergleich – wettbewerbsfähig zu halten. 

„Der persönliche Austausch mit den Parlamentariern ist für uns alle von großer Bedeutung – gerade in Zeiten, in denen die steuerpolitischen Verteilungskämpfe immer härter werden. Nur so können wir unsere Perspektiven und Forderungen frühzeitig und proaktiv in Entscheidungsprozesse einbringen und gemeinsam mit der Bundespolitik tragfähige Lösungen entwickeln“, sagt DZG-Vorstandsvorsitzender Dr. Marcel Klinge. "Unser Eindruck ist, dass dieser Dialog im parlamentarischen Raum wirklich etwas verändern kann."

Die Gastwelt sei eine zentrale Säule der Volkswirtschaft sowie Garant für Lebensqualität und soziales Miteinander – sie brauche jetzt aber klare Perspektiven und bessere Standortbedingungen, so der ehemalige Bundestagsabgeordnete. 

Sebastian Roloff MdB, Julian Joswig MdB und Janine Wissler MdB
Diskutierten darüber, wie die Wirtschaft wieder in Schwung kommt (von rechts): Sebastian Roloff MdB (SPD), Julian Joswig MdB (Bündnis 90/Die Grünen) und Janine Wissler MdB (Die Linke) (Foto: © DZG) 

Gastwelt zeigt ihr ökonomisches Gewicht

Schirmherr des parlamentarischen Austauschs war Armand Zorn MdB, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, der gemeinsam mit Abgeordneten anderer Parteien das Gespräch mit den Branchenvertretern suchte.

Auch die Bundesregierung zeigte sich offen für den Dialog: Für Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche, die kurzfristig verhindert war, nahm Dr. Janina Jänsch, Abteilungsleiterin für Mittelstandspolitik im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, am Summit teil. Sie betonte die Bereitschaft des Ministeriums, die Anliegen der Gastwelt ernst zu nehmen, und verwies auf erste Maßnahmen, wie die bereits vom Bundeskabinett beschlossene Nationale Tourismusstrategie sowie neue Ansätze zum Bürokratieabbau.

Ein besonderer Fokus der Dialogveranstaltung, die als Kooperationsevent mit der SPD-Bundestagsfraktion stattfand, lag auf der ökonomischen Einordnung der Gastwelt. In einer Diskussionsrunde mit den wirtschaftspolitischen Sprechern der Bundestagsfraktionen – darunter Sebastian Roloff (SPD), Julian Joswig (Bündnis 90/Die Grünen) und Janine Wissler (Die Linke) – wurde deutlich, dass die Herausforderungen des Sektors eng mit zentralen wirtschaftspolitischen Fragen wie Energiepreisen, Investitionsbedingungen und Arbeitsmarktentwicklung verknüpft sind.

Spannende wissenschaftliche Impulse lieferte Prof. Dr. Sandra Rochnowski (Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin), die mit aktuellen Daten zur Arbeitswelt die Bedeutung von Mitarbeiterbindung und Arbeitgeberattraktivität hervorhob.

SPD-Schirmherr Armand Zorn MdB
SPD-Schirmherr Armand Zorn MdB (Foto: © DZG)

Breite Allianz für eine zukunftsfähige Standortpolitik

Das Gipfeltreffen wurde von der DZG zum dritten Mal mit einer Allianz von Branchenorganisationen durchgeführt. Zu den Co-Hosts zählten unter anderem der Travel Industry Club (TIC), der Verband Internet Reisevertrieb (VIR), das Institute of Culinary Art (ICA), der Verband Deutscher Freizeitparks und Freizeitunternehmen (VDFU) sowie die Hoteldirektorenvereinigung Deutschland (HDV). Damit gelang es der Denkfabrik erneut, die Vielfalt und wirtschaftliche Bedeutung der Gastwelt geschlossen in die politische Debatte einzubringen.

Außerdem waren über den Tag verteilt rund 25 Vertreter aus Verbänden und Organisationen der Gastwelt vor Ort.

DOSB-Vorstandschef Otto Fricke
DOSB-Vorstandschef Otto Fricke war prominenter Keynote-Speaker beim parlamentarischen Abend im FAZ Atrium. (Foto: © DZG)

Olympische Spiele als Wachstumstreiber

Am Abend wurde der Austausch beim traditionellen „parlamentarischen Abend“ im FAZ Atrium fortgesetzt. Dort sprach Otto Fricke, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbundes, über die Chancen einer deutschen Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele. Er verwies darauf, dass erstmals in allen Bewerberregionen eine messbar hohe Zustimmung für Olympische Spiele in Deutschland bestehe.

Für die Gastwelt könnten solche Großereignisse erhebliche wirtschaftliche Wachstumsimpulse setzen – durch zusätzliche Nachfrage, internationale Sichtbarkeit und langfristige Effekte für den Standort inklusive Infrastruktur. Fricke warb daher um Unterstützung aus der Wirtschaft für das Vorhaben.

(DZG/SAKL)

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