Nahostkonflikt

Iran-Krieg treibt Energie- und Lebensmittelpreise – mit Folgen für das Gastgewerbe

In einer Restaurantküche
Der Iran-Krieg belastet die Energieversorgung – mit möglichen Auswirkungen auf Gastronomiebetriebe. (Foto: © davit85/stock.adobe.com)
Der Krieg im Nahen Osten setzt die globale Versorgung unter Druck. Steigende Preise für Energie, Lebensmittel und Logistik könnten auch das Gastgewerbe zunehmend belasten.
Montag, 23.03.2026, 10:32 Uhr, Autor: Sarah Kleinen

Die Öl- und Gaslieferungen vom Golf werden wegen des Iran-Kriegs nach Einschätzung von Experten noch für Monate massiv gestört sein. Der Geschäftsführer der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, sagte der britischen „Financial Times“, der Krieg sei „die größte Bedrohung für die globale Energiesicherheit in der Geschichte“. Politiker und Märkte unterschätzten das Ausmaß der Ausfälle. 

Es fehle jetzt doppelt so viel Gas, wie die Menge, die Europa durch die 2022 eingestellten Lieferungen aus Russland verloren habe, so der IEA-Chef. Es könne mehr als sechs Monate dauern, bis die Öl- und Gaslieferungen vom Golf wiederhergestellt seien.

Schäden an Infrastruktur mit Langzeitfolgen

Die Instandsetzung massiv beschädigter Förderanlagen im katarischen Industriegebiet Ras Laffan wird laut QatarEnergy bis zu fünf Jahre dauern. Das teilte der Staatskonzern auf X mit. Der Iran hatte die Anlagen als Reaktion auf israelische Angriffe auf das wichtige Gasfeld „South Pars“ attackiert.

In Kuwait sind indes nach Drohnenangriffen Teile der Ölraffinerie Mina al-Ahmadi abgeschaltet worden. Dabei sei in einigen Anlagen der Raffinerie Feuer ausgebrochen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur unter Berufung auf die Kuwait Petroleum Corporation (KPC).

Für das Gastgewerbe bedeutet eine solche Entwicklung vor allem eines: steigende Unsicherheit bei Energiepreisen. Küchen, Kühlung und Heizsysteme gehören zu den größten Kostenfaktoren in gastronomischen Betrieben. Kommt es zu länger anhaltenden Störungen, könnten sich die Auswirkungen direkt auf die Betriebskosten auswirken.

Hinzu kommt: Ökonomen rechnen infolge des Konflikts mit einer deutlich anziehenden Inflation und steigenden Energie- sowie Transportkosten, die sich durch viele Branchen ziehen. Damit steigt auch der wirtschaftliche Druck auf das Gastgewerbe weiter.

EU reagiert auf steigende Gaspreise

Wegen der Auswirkungen des Iran-Krieges auf die Energiepreise haben die Europäische Kommission Deutschland und die anderen EU-Staaten zur Senkung des Füllziels für ihre Gasspeicher aufgefordert. Der Schritt könne dazu beitragen, die Gasnachfrage in Zeiten angespannter Versorgung zu senken und den Druck auf die Preise zu mindern, schrieb der zuständige EU-Kommissar Dan Jørgensen in einem Brief an die Mitgliedstaaten. In Erwägung gezogen werden sollte eine Senkung des Füllziels von normalerweise 90 auf 80 Prozent.

Zur Lage im Nahen Osten schrieb Jørgensen, die Angriffe auf Energieinfrastruktur wirkten sich erheblich auf die globalen Öl- und Gasmärkte aus. Jüngste Entwicklungen deuteten darauf hin, dass es länger dauern könnte, bis die Flüssigerdgas-Produktion Katars wieder das vor der Krise bekannte Niveau erreicht.

Die Versorgungssicherheit in der Europäischen Union beschrieb Jørgensen dennoch als derzeit vergleichsweise wenig gefährdet. Grund seien die begrenzte Abhängigkeit von Importen aus der Konfliktregion und LNG-Lieferungen, die die Straße von Hormus schon vor dem Kriegsausbruch durchquert hatten, heißt es in dem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Insgesamt sei man auch wegen koordinierter Diversifizierungsanstrengungen und des beschleunigten Ausbaus heimischer Energiequellen deutlich besser auf Krisen vorbereitet als noch 2022. Damals war es nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine zu Versorgungsengpässen und massiven Preisanstiegen gekommen.

Um einer Wiederholung der Situation vorzubeugen und eine ausreichende Versorgung der Haushalte und Unternehmen während des Winters zu gewährleisten, wurden dann verbindliche Füllziele für Gasspeicher eingeführt.

Steigende Preise bei Lebensmitteln 

Forscher befürchten zudem, dass der Krieg die Lebensmittelpreise hoch treibt. Handelsexperte Carsten Kortum rechnet vor allem bei energieintensiven Produkten wie Backwaren, Milchprodukten sowie verarbeiteten Lebensmitteln wie Tiefkühlkost oder Getränken mit steigenden Preisen. Auch Produkte mit langen Lieferwegen wie Fisch oder Obst könnten wegen höherer Logistik- und Beschaffungskosten teurer werden, sagte der Professor an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn. 

Laut Samina Sultan vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) ist die Lage bei Getreide, Mais, Soja und Reis besonders kritisch – wegen hoher Düngemittelpreise. „Hier sind Preissteigerungen wahrscheinlich“, sagte die Ökonomin. Da Soja und Mais auch als Futtermittel verwendet werden, könne auch Fleisch teurer werden. 

Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie erwartet ebenfalls Folgen für die Preise. Die Kosten für Produktion und Auslieferung an den Lebensmittelhandel nähmen deutlich zu, sagte Geschäftsführer Olivier Kölsch. Holger Eichele vom Deutschen Brauer-Bund erklärte, dass steigende Energie- und Rohstoffpreise zu höheren Produktionskosten in der Getränkebranche führen könnten. Branchenexperte Kai Hudetz vom IFH Köln erwartet, dass der Handel Zusatzkosten mindestens teilweise an Verbraucher weiterreichen wird.

Für das Gastgewerbe bedeutet diese Entwicklung eine zusätzliche Belastung beim Wareneinsatz. Die steigenden Lebensmittelpreise erhöhen die Einkaufspreise. Dadurch könnte die Kalkulationen vieler Betriebe unter Druck geraten.

Die Lebensmittelpreise werden derweil zum Thema für die Bundesregierung. Die Taskforce von Union und SPD, die sich zuletzt bereits mit den hohen Spritpreisen beschäftigt hatte, werde sich nun die Kosten für Lebensmittel vornehmen, sagte der stellvertretende SPD-Fraktionschef Esra Limbacher. Die Taskforce werde „inflationsbremsende Maßnahmen“ beraten. Limbacher brachte ein Sofortprogramm für heimische Düngerproduzenten sowie Steuererleichterungen im Nahrungsmittelbereich ins Spiel. 

Was Betriebe jetzt beachten sollten

Für Gastronomen und Hoteliers ergibt sich aus der aktuellen Lage kein unmittelbarer Handlungsdruck, jedoch ein klarer Handlungsbedarf, sich frühzeitig auf mögliche Kostensteigerungen einzustellen.

Im Fokus steht dabei vor allem die Entwicklung der Energiepreise. Betriebe sollten bestehende Verträge prüfen, insbesondere Laufzeiten und Preisbindungen im Blick behalten, um auf mögliche Preissprünge vorbereitet zu sein. Parallel kann es sinnvoll sein, den eigenen Energieverbrauch genauer zu analysieren – etwa bei Küchengeräten, Kühlung oder Heizsystemen –, um Einsparpotenziale zu erkennen.

Auch beim Wareneinsatz ist erhöhte Aufmerksamkeit gefragt. Da steigende Energie- und Transportkosten bereits jetzt die Preise für Lebensmittel beeinflussen, sollten Betriebe ihre Einkaufskonditionen regelmäßig überprüfen und Preisentwicklungen eng beobachten.

Darüber hinaus kann es ratsam sein, die eigene Kalkulation zu überprüfen und Preisanpassungen nicht erst kurzfristig vorzunehmen. Eine vorausschauende Planung hilft, auf steigende Kosten strukturiert zu reagieren, ohne die eigene Wirtschaftlichkeit zu gefährden.

Handlungsempfehlungen auf einen Blick:

  • Energieverträge prüfen und Laufzeiten im Blick behalten
  • Energieverbrauch im Betrieb analysieren und Einsparpotenziale nutzen
  • Kostenentwicklungen bei Wareneinsatz, Transport und Lieferanten genau beobachten
  • Preisanpassungen strategisch vorbereiten statt kurzfristig reagieren

Die aktuelle Entwicklung zeigt: Globale Krisen wie der aktuelle Iran-Krieg wirken sich auf betriebliche Kostenstrukturen im Gastgewerbe aus. Energiepreise, Lebensmittelkosten und Logistik hängen dabei eng zusammen. Für das Gastgewerbe entsteht daraus ein zunehmender Kostendruck, der vorausschauendes Handeln erforderlich macht. Eine vorausschauende Planung kann daher helfen, wirtschaftliche Risiken abzufedern.

(dpa/SAKL)

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