Gemeinschaftsverpflegung

Mensa-Projekte sorgen weiter für Zündstoff

Eine Kita-Mensa und ein Polizeiauto
Neue Projekte in der Gemeinschaftsverpflegung für Kinder sorgen sogar für Polizeieinsätze. (© Robert Knetschke/jgfoto)
Gefährliche Drohungen, politische Blamagen, polizeiliche Ermittlungen – aktuelle Projekte der deutschen Gemeinschaftsgastronomie für Kinder sorgen für heftige Reaktionen bei Politikern und Bevölkerung. 
Donnerstag, 01.08.2019, 10:16 Uhr, Autor: Thomas Hack

Zwei Leipziger Kitas wollen aus religiösen Gründen Schweinefleisch verbieten, in Berlin ist ab sofort Mensaessen für Schulkinder kostenlos. Zwei Projekte, die im Grunde genommen positiv einzustufende Grundgedanken verfolgen. Doch die Reaktionen bei Bevölkerung und Politikern fallen anders aus, zum Teil mit heftigen Konsequenzen.

Drohungen und der „Untergang des Abendlandes“

So etwa ermittelt im Fall der zwei Leipziger Kitas, die Schweinefleisch in Rücksicht auf muslimische Kinder von der Speisekarte streichen wollten, die Polizei wegen Drohungen. Oberbürgermeister Burkhard Jung veröffentlichte auf Facebook eine Dokumentation zahlreicher Androhungen, die die Einrichtungen nach Angaben der Kita-Leitung erreicht haben. „Ich bin sprachlos“, teilte er anschließend mit. „Der Untergang des Abendlandes und die Gefahr für unsere aufgeklärte Freiheit geht nicht von denen aus, die aus welchen Gründen auch immer eine andere Ernährungskultur haben, als es am tradierten deutschen Stammtisch üblich ist, sondern von denen, denen jeglicher moralischer Kompass und der Anstand verloren gegangen ist“, schrieb Jung auf Facebook. Es sei unverantwortlich, die Essensauswahl einer Kita zum Untergang unserer Kultur hochzustilisieren, betonte er.

SPD wirbt mit fettigen Nudeln und Ketchup

Aber auch die Einführung kostenloser Schulessen, wie es seit 1. August in Berlin der Fall ist, zieht absurde Kreise, wenn auch weniger gefährlichere. So macht die SPD derzeitig von sich reden. Nicht etwa, weil sie Werbung für die kostenfreien Mittagessen betreibt, sondern aufgrund der Mittel, mit welcher sie Appetit auf das neue Angebot machen will: Ein auf Twitter verbreitetes Foto zeigt einen Teller fettiger Nudeln mit Ketchup! Dazu der Satz: „Kein Kind sollte hungrig in den Unterricht gehen müssen.“ Verbreitet wurde das ganze unter anderem mit den Hashtags #bildungfüralle und #zukunftgestalten. Hohn und Spott bei der Netzgemeinde ließen nicht lange auf sich warten. „Billig abgespeist“, meinte ein Nutzer. „Also wenn ihr euch das für eure Kinder wünscht, gute Nacht“, kommentierte ein anderer.“Traditionelles Berliner Frühstück?“, fragte ein dritter Twitterer.

Bauliche Veränderungen nötig?

Seitens der Berliner Politik gibt es aber jedoch auch sachlichere Reaktionen. So seien nach Einschätzung von Bildungssenatorin Sandra Scheeres die meisten Berliner Schulen „gut vorbereitet“ auf die Einführung des kostenlosen Mittagessens für alle Grundschüler. „Aber es gibt auch einzelne Schulen, wo wir wirklich baulich etwas verändern müssen. Da wird es Übergangslösungen geben. Da wird es vielleicht kein warmes Essen an einer Schule geben, sondern im Übergang ein anderes Essensangebot.“ Natürlich würden mehr Kinder in der Schule am Mittagessen teilnehmen, so Scheeres. „Genau das wollen wir.“ Es gebe Schulen ohne Probleme, weil sie gebundene Ganztagsschulen seien oder ohnehin einen großen Anteil von Kindern hätten, die am Mittagessen teilnehmen. Daneben gebe es auch Schulen, in denen Veränderungen nötig gewesen seien. „Da wurden Räume umgewidmet oder auch zusätzlich Materialien angeschafft.“ Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht dagegen erhebliche Probleme bei der Umsetzung des Projekts. (dpa/lbn/TH)

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