Minijobs vor dem Aus? Freizeitwirtschaft warnt vor Folgen
Nachdem sich bereits Verbände aus dem Gastgewerbe gegen weitreichende Minijob-Änderungen ausgesprochen hatten, meldet sich nun die Freizeitwirtschaft mit einer bundesweiten Aktion zu Wort. Der Verband Deutscher Freizeitparks und Freizeitunternehmen (VDFU) warnt vor möglichen Folgen für Beschäftigte und Betriebe und will den Dialog mit der Politik intensivieren.
Hintergrund sind die 33 Empfehlungen der Alterssicherungskommission vom 23. Juni 2026. Empfehlung Nummer 26 sieht vor, Minijobber künftig verpflichtend in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen. Die bislang mögliche Befreiung von der Rentenversicherungspflicht soll entfallen. Darüber hinaus empfiehlt die Kommission, den bisherigen steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Sonderstatus von Minijobs abzuschaffen. Ausnahmen sollen lediglich für Schüler gelten.
HOGAPAGE hatte bereits mehrfach über die Debatte und ihre Bedeutung für das Gastgewerbe berichtet. Nach dem Koalitionsausschuss Anfang Juli bewerteten mehrere Dehoga-Landesverbände den Fortbestand der Minijobs zunächst optimistisch. Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sprach sich öffentlich gegen eine Abschaffung aus.
Inzwischen ist ein anderer Teil der geplanten Änderungen konkreter: Das Bundeskabinett hat Anfang September den Entwurf der Einkommensteuerreform 2027 beschlossen. Darin soll der einheitliche Pauschsteuersatz bei Minijobs von zwei auf fünf Prozent steigen. Einen Referentenentwurf für die Abschaffung des Minijobs in seiner jetzigen Form gibt es bislang jedoch nicht.
„Der Dialog mit der Politik muss starten“
Dennoch sieht der Verband Deutscher Freizeitparks und Freizeitunternehmen (VDFU) Minijobs in Gefahr. Rund 7 Millionen Menschen betreffe das Thema bundesweit. Aus Sicht des VDFU e. V. steht deshalb weit mehr auf dem Spiel als eine arbeitsmarktpolitische Detailregelung.
Gerade für junge Menschen würden Minijobs einen niedrigschwelligen Einstieg in die Arbeitswelt bieten. Studenten würden damit einen Teil ihres Lebensunterhalts finanzieren, andere Beschäftigte würden sie als zusätzlichen Verdienst neben einer Haupttätigkeit nutzen. Auch für Menschen, die finanziell nicht ohne einen Nebenverdienst auskommen, könnten sie eine wichtige Einnahmequelle darstellen.
„Wir sprechen über Millionen Menschen. Politische Entscheidungen mit einer derartigen Reichweite entfalten erfahrungsgemäß auch dann Wirkung, wenn sie fachlich gut begründet sind – gerade, wenn sie als Verlust ohne Ausgleich wahrgenommen werden“, sagt Jürgen Gevers, Geschäftsführer VDFU e. V. „Deshalb müssen bei einer Reform nicht nur Fragen der sozialen Absicherung, sondern auch die ganz konkreten Lebensrealitäten der Beschäftigten betrachtet werden.“
Der Verband verweist darauf, dass insbesondere Freizeitparks, Zoos, Erlebniswelten, Wasserparks und andere Freizeiteinrichtungen einen schwankenden Personalbedarf haben, ähnlich wie im Gastgewerbe. Wochenenden, Feiertage, Ferienzeiten, saisonale Spitzen und Wetterbedingungen würden den Personaleinsatz beeinflussen.
„Wer die Rahmenbedingungen für Minijobs grundlegend verändert, verändert auch die Personalstruktur einer Branche, deren Arbeitsaufkommen naturgemäß nicht gleichmäßig über das Jahr oder die Woche verteilt ist“, betont Jürgen Gevers.
Bundesweite Postkartenaktion soll politischen Dialog anstoßen
Der VDFU informiert daher auf seiner Webseite über mögliche Folgen eines Minijob-Wegfalls und startet eine bundesweite Postkartenaktion, um Aufmerksamkeit für das Thema zu schaffen. „Noch bevor es einen Rentenentwurf gibt, wollen wir frühzeitig auf mögliche Folgen aufmerksam machen. Unser Ziel ist der Dialog, bevor politische Entscheidungen gefallen sind“, erklärt Jürgen Gevers, Geschäftsführer VDFU e. V.
Am 21. September sollen die Karten auf den Schreibtischen der Abgeordneten von CDU/CSU und SPD im Deutschen Bundestag landen und mehr als 1.000 Abgeordnete in den Landesparlamenten erreichen.
Die Gestaltung der Postkarte ist nach Angaben des Verbands bewusst provokant und greift auch das jüngste Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt auf – sie soll die Brisanz des Themas Minijobs widerspiegeln. Der VDFU e. V. versteht die Anspielung als zugespitzten Weckruf – verbunden mit einer Einladung zum Gespräch.
„Natürlich ist die Postkarte provokant. Wir wollen gesehen werden“, erklärt Jürgen Gevers, Geschäftsführer VDFU e. V. „Aber es geht uns nicht um Provokation um ihrer selbst willen. Unser eigentliches Ziel ist der Dialog.“
Einladung zum Dialog
Die Postkartenaktion soll der Auftakt für den Austausch sein. Der QR-Code auf der Karte führt zu weiterführenden Informationen und zu einer Einladung für einen virtuellen politischen Dialog am 30. September 2026.
Dort möchten der VDFU e. V. und die beteiligten Verbände mit politischen Entscheidungsträgern über die Bedeutung von Minijobs für Beschäftigte und Unternehmen sprechen und diskutieren, wie die Ziele einer stärkeren sozialen Absicherung mit den besonderen Anforderungen saisonaler und flexibler Beschäftigung vereinbart werden können.
„Wir wollen nicht erst reagieren, wenn ein fertiger Gesetzesentwurf auf dem Tisch liegt. Wir wollen jetzt erklären, was Minijobs in unserer Branche tatsächlich bedeuten: für Studenten, die am Wochenende arbeiten, für jemanden, der sich neben seinem Haupteinkommen etwas dazuverdienen muss, und für einen Freizeitpark, der an einem sonnigen Ferienwochenende kurzfristig deutlich mehr Personal benötigt“, erklärt Jürgen Gevers, Geschäftsführer VDFU e. V.
(VDFU/SAKL)