Öffentlicher Nahverkehr

Pflicht-Tickets für Hotelgäste empören die Branche

Um den öffentlichen Nahverkehr in Berlin zu finanzieren, wollen die Grünen nun Hotelgäste zur Abnahme von Bus- und Bahntickets zwingen. Dies löste in der Hotelbranche Empörung aus. Hier der Protestbrief des Dehoga im Wortlaut.

Dienstag, 06.08.2019, 13:46 Uhr, Autor: Thomas Hack
EIne Straßenbahn, die durch Berlin fährt

Touristen in Berlin müssten nach Ansicht der Grünen durch ein Pflichtticket den öffentlichen Personennahverkehr mitfinanzieren. Doch in der Hotelbranche regt sich jetzt Widerstand. (© rcfotostock/Fotolia)

Wenn es nach dem Willen der Grünen geht, sollen Berliner Hotelgäste zukünftig durch ein Pflichtticket den öffentlichen Personennahverkehr mitfinanzieren (Wir berichteten hier). Mit großem Unverständnis hat die Berliner Hotellerie nun die Berichterstattung über solche „Zwangs-Tickets für Berlin-Besucher“ zur Kenntnis genommen. Mit dem DEHOGA Berlin habe der Senat im Vorfeld nicht gesprochen, was der Verband aufgrund der guten Zusammenarbeit eigentlich erwartet hätte. Jetzt richtet sich der Dehoga in einem öffentlichen Brief an Bürgermeister und Senat:

Hoteliers als verlängerter Arm des Finanzamts

„Wir sprechen uns hiermit mit aller Vehemenz gegen die Einführung einer weiteren Abgabe von den Berlin-Besuchern aus! Diese weitere Abgabe führt unweigerlich zu weiterer Bürokratie, wir fungieren bei der City Tax ja schon als verlängerter Arm des Finanzamtes, obwohl die Mittel nicht sachbezogen und mit uns abgestimmt eingesetzt werden um unsere Branche weiter zu stärken und Berlin als einen der zukunftsfähigsten Tourismusstandorte zu entwickeln. Wir alle sollten bedenken, dass der Tourismus und hier auch der Geschäftsverkehr ein zärtliches Pflänzchen sind. Schnell kann der gute Ruf von Berlin zerstört werden und sich der positive Trend in das Gegenteil drehen. Das würde möglicherweise einen der bedeutendsten Wirtschaftszweige ohne Not in Schwierigkeiten bringen und neben der Branche auch eine heute sehr stabile Einnahmequelle für die Stadt nachhaltig beschädigen.

Großer Unmut in der Hotellerie

In diesem Zusammenhang möchten wir nur nebenbei erwähnen, dass unseren Hotels seit kurzer Zeit auch keine Parkvignetten mehr genehmigt werden, was zu sehr großem Unmut bei den Hoteliers führt. Durch die unterschiedlichen Laufzeiten der seinerzeit genehmigten Parkvignetten kommt es zudem auch noch zu Wettbewerbsverzerrungen – das Thema ist Ihnen weitestgehend bekannt. Diese Entwicklungen für unsere Branche führen zu einer immer weiter steigenden Unzufriedenheit in der Zusammenarbeit mit den zuständigen Senatsstellen, was wir an den heutigen Reaktionen deutlich bemerken: City Tax, Hotelentwicklungsplan, Abschaffung der Hotelvignetten, ÖVP-Zwangs-Tickets als Beispiele. Wir bitten den Regierenden Bürgermeister Michael Müller und die Wirtschaftssenatorin Ramona Pop eindringlich, sich für eine der wichtigsten Branchen in unserer Stadt einzusetzen, um die Zwangs-Tickets zu verhindern!“ (dehoga-berlin.de/TH)

 

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