Tourismuswirtschaft warnt vor Folgen zentraler AfD-Positionen für den Tourismus
Der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) hat vor den Folgen zentraler Positionen und Forderungen der AfD für die Tourismuswirtschaft gewarnt. Im Mittelpunkt stehen dabei Zuwanderung, Grenzkontrollen und die gemeinsame europäische Währung.
Der BTW ordnet insbesondere Forderungen der AfD in der Migrations- und Europapolitik als problematisch für die Branche ein. Zur Einordnung: Im Bundestagswahlprogramm 2025 fordert die AfD stärkere Kontrollen an den deutschen Grenzen und den Austritt Deutschlands aus dem Euro-System. Zugleich heißt es dort, die Freizügigkeitsregelungen innerhalb der EU sollten von den Grenzkontrollen unberührt bleiben.
BTW sieht Geschäftsgrundlagen berührt
Die AfD vertritt damit laut BTW Positionen, die wesentlichen Interessen der Branche entgegenstehen: Das gelte für eine deutlich restriktive Zuwanderungspolitik, die Infragestellung des Schengen-Systems und die Abkehr vom Euro, wie es das AfD-Parteiprogramm vorsieht. Für den Verband sind internationale Mobilität und Arbeitskräftezuwanderung jedoch wichtige Voraussetzungen für die Tourismuswirtschaft.
„Unsere Branche lebt von Offenheit, Mobilität und internationalem Austausch. Menschen über Grenzen hinweg zusammenzubringen und Gäste aus aller Welt willkommen zu heißen, gehört zu ihrem Kern“, erklärt BTW-Präsident Sören Hartmann. „Schengen, Reisefreiheit, die gemeinsame Währung im Euro-Raum oder auch Arbeitskräftezuwanderung aus dem Ausland sind für unsere Betriebe keine Symbolthemen, sondern zentrale Geschäftsgrundlagen.“
Die wirtschaftliche Bedeutung dieser Themen sei unmittelbar sichtbar. So hätten beispielsweise im Gastgewerbe 44,5 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten einen Migrationshintergrund und damit deutlich mehr als im Durchschnitt der Gesamtwirtschaft. „Ohne sie würden Teile der Branche stillstehen“, betont Hartmann. "Generell steht unsere Branche für Vielfalt. So hätten auch etwaige Einschränkungen des queeren Lebens für uns nicht akzeptable Konsequenzen für viele unserer Kunden wie Mitarbeiter."
Auswirkungen auf Mobilität und Kalkulation
Auch offene Grenzen innerhalb Europas bewertet der BTW als bedeutend für die Tourismuswirtschaft. Dauerhafte Grenzkontrollen könnten nach Einschätzung des Verbands die grenzüberschreitende Mobilität von Gästen und Beschäftigten erschweren und belasten. Betroffen wären Pkw- wie Flugreisende, die Bus- und Bahntouristik, Flusskreuzfahrten und nicht nur Übernachtungsgäste, sondern auch der Tagesreiseverkehr.
Im Luftverkehr könnten längere Umsteigezeiten laut BTW zudem Auswirkungen auf die Drehkreuzfunktion deutscher Flughäfen haben. Eine Abkehr vom Euro wiederum würde neue Wechselkursrisiken schaffen und langfristige Kalkulationen in der Tourismuswirtschaft erschweren.
„Wir wissen, dass der Frust bei vielen Bürgern wie Unternehmen in Deutschland hoch ist. Der Wirtschaftsstandort schwächelt in vielerlei Hinsicht, die Kosten allen voran für Energie steigen, die Menschen haben immer weniger verfügbares Geld auf dem Konto und gleichzeitig kämpfen viele Unternehmen um ihre Existenz – auch in unserer Branche“, kommentiert Hartmann die aktuelle Lage. „Die Lösung all dessen liegt jedoch nicht in weniger Internationalität und wirtschaftspolitischer Abschottung.“
Der BTW appelliert daher an die Parteien der politischen Mitte gemeinsam, entschlossen und mit weniger Streitigkeiten als zuletzt tragfähige Lösungen zu erarbeiten. „Wir brauchen Maßnahmen, die Bürger und Unternehmen spürbar entlasten, neues Vertrauen schaffen und den Weg für Wachstum und neue Aufbruchstimmung ebnen“, so Hartmann abschließend.
(BTW/SAKL)