Widerspruch

Dehoga Bayern widerspricht NGG: „Gastgewerbe verzeichnet branchenübergreifend die wenigsten Überstunden“

Dr. Thomas Geppert
Dr. Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des Dehoga Bayern, nimmt Stellung zur Kritik des NGG bezüglich der Anhäufung von Überstunden im Gastgewerbe. (Foto: © Olaf Steinbach)
Der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Bayern weist die Kritik der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hinsichtlich der Anhäufung von Überstunden im Landkreise Roth entschieden zurück.
Freitag, 12.09.2025, 13:07 Uhr, Autor: Sarah Kleinen

„Die von der NGG genannten Zahlen sind zwar für uns nicht nachvollziehbar, zudem erscheint ihre Repräsentativität fraglich, aber wenn sie denn stimmen, würde dies bedeuten, dass sich das bayerische Gastgewerbe hinsichtlich der Überstunden mehr als vorbildlich verhält“, sagt Dr. Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des Dehoga Bayern.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hatte zuvor vor den Plänen der Bundesregierung gewarnt, den 8-Stunden-Tag abschaffen zu wollen. Im vergangenen Jahr hätten Beschäftigte in Deutschland rund 1,2 Milliarden Überstunden geleistet – davon 638 Millionen unbezahlt. Besonders betroffen sei das Gastgewerbe.

Wie der Dehoga Bayern herausstellt, würde die amtliche Statistik jedoch ein anderes Bild zeichnen: Laut aktuellen Angaben des Statistischen Bundesamtes* leisten deutschlandweit sechs Prozent der Beschäftigten im Gastgewerbe Überstunden, womit das Gastgewerbe laut Dehoga Bayern den niedrigsten Anteil aller Branchen verzeichnen würde.

„Wenn nun von den im Landkreis Roth angeblich angefallenen 1,5 Millionen Überstunden nur 30.000 auf das Gastgewerbe entfallen, entspricht dies gerade einmal 2,0 Prozent. Demnach haben unsere Hoteliers und Gastronomen eine absolute Vorbildfunktion inne“, erläutert Geppert, „auch sollte man sich von den Zahlen nicht erschrecken lassen: Denn 30.000 Überstunden im Jahr bedeuten bei rund 340 gastgewerblichen Betrieben im Landkreis nicht einmal 1,7 Überstunden pro Woche, und die verteilt auf alle Mitarbeiter eines Betriebes – das ist ja nichts.“

Überstunden als Zeitausgleich

Auch den Vorwurf von Überstunden zum Nulltarif weist der Landesgeschäftsführer des Dehoga Bayern zurück. „Ich kenne leider die Frage nicht, aber wenn man z. B. Mitarbeiter in unserer Branche gefragt haben sollte: ‚Haben Sie Geld für ihre geleisteten Überstunden erhalten‘, dann werden vermutlich viele mit ‚nein‘ antworten, da es bei uns üblich ist, Überstunden als Zeitausgleich zu nehmen – was auch viele, gerade jüngere Mitarbeiter wollen. Zudem verdeutlicht die Tatsache, dass die Gewerkschaft diese Meldung deutschlandweit gleichlautend, nur mit regionalisierten Zahlen versehen, versendet hat, dass es ihr nicht um die Lösung eines regionalen Problems geht.“

Geppert weiter: „Wer am Markt bestehen, Arbeitsplätze sichern und Mitarbeiter fair bezahlen will, muss Leistungen dann anbieten, wenn sie nachgefragt werden. Den allermeisten der rund 447.000 Erwerbstätigen unserer Branche ist dieser Zusammenhang sehr wohl bewusst.“ 

Unstrittig sei, dass Überstunden grundsätzlich in Geld oder Zeit ausgeglichen werden müssen. Dafür gebe es klare gesetzliche und tarifliche Regelungen wie zum Beispiel Arbeitszeitkonten.

Dehoga Bayern: „Es geht nicht um Mehrarbeit“

„Auch geht es bei der von der NGG kritisierten geplanten Arbeitszeitflexibilisierung nicht um Mehrarbeit, sondern lediglich um eine bessere Verteilung der vertraglich vereinbarten Arbeitszeit – im Sinne der Gäste, der Beschäftigten und Unternehmern“, stellt der Landesgeschäftsführer heraus. Deshalb sei es so wichtig, dass die von der Bundesregierung geplante Umstellung von einer täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit, so wie es auch die EU-Arbeitszeitrichtlinie vorsieht, jetzt schnell auf den Weg gebracht wird. Die derzeitige Grenze von acht, maximal zehn Stunden pro Tag, passe nicht mehr zur Arbeitsrealität – nicht nur im Gastgewerbe.

„Ob bei großen Veranstaltungen, bei Minijobbern oder in saison- und wetterabhängigen Betrieben – es gibt zahlreiche Situationen, in denen selbst mit bester Personalplanung die starre Tagesgrenze nicht praktikabel ist“, erklärt Geppert. „Auch viele Beschäftigte wünschen sich, ihre Arbeitszeit auf zwei, drei oder vier längere Arbeitstage zu konzentrieren. Unternehmer und Mitarbeiter müssen die Möglichkeit haben, die Arbeitszeit sachgerechter und flexibler auf die Wochentage zu verteilen.“

„Es braucht eine konstruktive Debatte darüber, wie wir gemeinsam das Gastgewerbe zukunftsfähig machen können“

Geppert erinnert auch daran: „Unsere Betriebe geben sich die größte Mühe, ihre Mitarbeiter so einzusetzen, wie es deren Wünschen entspricht. Denn bei uns handelt es sich ja um Betriebe, die oft über sehr lange Zeiträume mit den gleichen Mitarbeitern zusammenarbeiten, man ist fast wie eine Familie. Da redet man miteinander. Letztlich haben wir selbst größtes Interesse an zufriedenen Mitarbeitern, denn sie sind unsere direkte Verbindung zu unseren Gästen.“

Gepperts Fazit: „Aus unserer Sicht braucht es weniger destruktive Zahlenspiele als vielmehr eine konstruktive Debatte darüber, wie wir gemeinsam das Gastgewerbe zukunftsfähig machen können.“

Die Reduzierung der Mehrwertsteuer auf Speisen zum 1. Januar sei dabei ein wichtiger Schritt. Auch die Ankündigung der Bundesregierung, den Wünschen vieler Mitarbeiter entgegenzukommen und flexiblere Arbeitszeiten durch die gesetzliche Umstellung auf eine Wochenarbeitszeit umzusetzen sei ein wichtiges Signal.

„Darüber hinaus müssen wir in Deutschland neue Bürokratie stoppen und überflüssige Reglementierungen schnell und spürbar abbauen. Zugleich muss sich Arbeit wieder lohnen, mehr Netto vom Brutto sollte das Ziel sein“, erläutert Geppert. „Und abschließend hätte ich noch einen Wunsch: Eine gesellschaftlich höhere Wertschätzung für die großartige Leistung unserer Mitarbeiter wäre mir sehr wichtig.“

(Dehoga Bayern/NGG/SAKL)

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