Mehrwegpflicht

Dehoga fordert einfachere Rückgaberegeln für Mehrwegverpackungen

Mehrweg-Recup-Becher
Laut dem Dehoga gibt es zu wenige Rücknahmestellen für die verschiedenen Mehrweg-Systeme. (Foto: © Olaf Kunz/stock.adobe.com)
Seit mehr als einem Jahr gilt die Mehrwegpflicht für Gaststätten und Restaurants. Der Dehoga findet die Idee grundsätzlich gut, Plastik-Einwegverpackungen bei Essen zum Mitnehmen einzudämmen. Doch es gibt Bedenken hinsichtlich der Rückgabe der Mehrwegverpackungen.
Montag, 08.01.2024, 13:32 Uhr, Autor: Sarah Kleinen

Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga fordert einfachere Rückgabemöglichkeiten bei der Mehrweg-Angebotspflicht für Speisen zum Mitnehmen. Der Dehoga unterstütze die Maßnahme und finde sie grundsätzlich gut, sagte der rheinland-pfälzische Verbandspräsident Gereon Haumann der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. Es gebe jedoch zu wenige Rücknahmestellen für die verschiedenen Mehrweg-Systeme.

„Wenn die Mehrweg-Angebotspflicht dauerhaft Erfolg haben soll, dann muss die Rückgabe so einfach sein wie bei der Rückgabe eines leeren Sprudelkastens“, mahnte Haumann. „Den kann ich überall zurückgeben. Und so muss das auch beim Mehrweggeschirr sein.“ Es gebe jedoch zu viele verschiedene Anbieter an zu wenigen Stellen.

Über die Mehrwegpflicht

Restaurants, Bistros und Cafés, die Essen für unterwegs verkaufen, müssen seit Anfang 2023 neben Einweg- auch Mehrwegverpackungen dafür anbieten – sofern sie Einweg-Verpackungen aus Kunststoff nutzen. Bei Getränken aller Art muss es eine Mehrweg-Alternative geben. 

Ausnahmen gelten für kleinere Geschäfte, die nicht größer als 80 Quadratmeter sind und höchstens fünf Beschäftigte haben. Dort müssen Kunden aber die Möglichkeit bekommen, eigene Behälter befüllen zu lassen. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 10.000 Euro.

Überhastete und inkonsequente Einführung

„Wir brauchen entweder die Verpflichtung, dass jeder Ausgeber von Mehrweggeschirr das Geschirr auch anderer Anbieter zurücknehmen muss oder die Anbieter müssen sich auf gewisse Standards oder bestenfalls auf einheitliche Behältnisse einigen“, forderte der Dehoga-Präsident. „Eine Sprudelflasche sieht ja auch gleich aus und hat je nach Inhalt nur ein anderes Etikett.“

Die Einführung der Mehrweg-Angebotspflicht sei von der Politik überhastet und nicht konsequent genug erfolgt. Es hätte nach Haumanns Auffassung einen viel längeren Vorlauf geben müssen mit dem Ziel: Einheitliches Mehrweggeschirr von unterschiedlichen Anbietern mit ausreichend vielen Rückgabestellen wird verpflichtend und nach entsprechender Übergangszeit der parallelen Anwendung nur noch Mehrweg und Einweggeschirr gar nicht mehr.

Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz kritisierte die Umsetzung der Regelung. Obwohl das Verpackungsgesetz seit Januar 2023 eine Mehrwegangebotspflicht für Speisen und Getränke zum Mitnehmen vorschreibt, werde diese teilweise nicht ordnungsgemäß umgesetzt. Das habe eine Stichprobenerhebung im Vorjahr gezeigt. 

Demnach hätten mindestens 35 Prozent der Betriebe bei dieser Vor-Ort-Stichprobe im Mai die Mehrwegangebotspflicht nicht umgesetzt, obwohl sie gesetzlich dazu verpflichtet wären, berichteten die Verbraucherschützer. Von allen angeschriebenen Landkreis- und Stadtverwaltungen sei nur die Hälfte der Kommunen bereit gewesen, Auskunft zur Kontrolle der Mehrwegangebotspflicht zu geben. Daher sei eine abschließende Bewertung zum Gesetzesvollzug nicht möglich.

„Mehrweg muss richtig verpfändet werden“

Laut dem Präsidenten des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Hessen (Dehoga), Robert Mangold, sei die Mehrwegpflicht eine „lame Duck“, eine lahme Ente. „Die Idee war gut und richtig. Die Umsetzung nicht“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Mehrwegbehälter werden nur sporadisch von der Kundschaft angefordert.“

Mangold plädierte für eine Pfandlösung: „Mehrweg muss richtig verpfändet werden. Man muss einen Obolus zahlen für Einwegverpackungen.“ Nur so könne das Modell funktionieren und würden Mehrwegverpackungen von den Gästen angenommen werden.

Verpackungsmüll soll stark reduziert werden

Die Verbraucherzentrale forderte die konsequente Umsetzung der Mehrwegangebotspflicht durch Betriebe mit einem Mitnahmeangebot sowie deren regelmäßige Kontrolle durch die zuständigen Behörden. Zudem sollte der Entwurf zum Gesetz für weniger Verpackungsmüll schnell vorangebracht werden, damit durch den Einsatz von Papier, Karton und Alufolie die Mehrwegangebotspflicht nicht mehr umgangen werden kann.

Der Verpackungsmüll in der EU soll in den kommenden Jahren stark reduziert werden. Die Umweltminister der Länder hatten sich im Dezember darauf geeinigt, dass bis 2030 alle auf den Markt gebrachten Verpackungen recycelbar sein müssen.

(dpa/SAKL)

Zurück zur Startseite

Weitere Themen

Gerhard Bertsch und Omar Sellami
Expansion
Expansion

Fries eröffnet neues Unternehmen in Frankreich

Fries setzt seinen Expansionskurs weiter fort. Die auf Mehrweglösungen spezialisierte Vorarlberger Firma eröffnet gemeinsam mit der deutschen Tochtergesellschaft Cup Concept einen neuen Standort in Frankreich.
Kellnerin steht lächelnd bei Gästen
Einschätzung
Einschätzung

Dehoga-Landesverbände: „Der Minijob bleibt erhalten!“

Nach den Beschlüssen des Koalitionsausschusses sehen mehrere Dehoga-Landesverbände den Fortbestand der Minijobs gesichert. Für das Gastgewerbe sei das ein wichtiges Signal – auch wenn die Pauschalsteuer steigen soll.
Junge Servicekraft notiert Bestellung
Kritik
Kritik

Verbändeallianz fordert Erhalt der jetzigen Minijob-Regelung

Der Sonderstatus von Minijobs soll künftig nur noch für Schüler gelten – so sieht es ein Vorschlag der Rentenkommission vor. Eine breite Verbändeallianz hat sich nun zusammengeschlossen und warnt davor, die bestehenden Regelungen zu verschärfen – mit Folgen für Beschäftigte und Betriebe.
Ernst Fischer
Trauerfall
Trauerfall

Dehoga trauert um Ehrenpräsident Ernst Fischer

Der frühere Verbandspräsident ist nach schwerer Krankheit im Alter von 82 Jahren gestorben. Das Gastgewerbe würdigt eine prägende Persönlichkeit mit jahrzehntelangem Engagement.
Jana Schimke
Kritik
Kritik

Jana Schimke verteidigt Minijob-Modell

Die Reformvorschläge zum Ende der Minijobs sorgen im Gastgewerbe weiter für Kritik. Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Jana Schimke findet deutliche Worte zu den diskutierten Plänen. Sie sieht die Arbeitsfähigkeit vieler Betriebe im Gastgewerbe in Gefahr.
Vorstellung der Vorschläge zur Reform der Altersvorsorge mit Friedrich März und Bärbel Bas
Kritik
Kritik

Vorschläge der Rentenkommission: Dehoga warnt vor Minijob-Aus

Die Rentenkommission will den Sonderstatus geringfügiger Beschäftigung künftig stark begrenzen. Der Dehoga warnt vor erheblichen Folgen für das Gastgewerbe – betroffen wären rund 1,1 Millionen geringfügig Beschäftigte.
Rezeptionistin im Hotel
Kritik
Kritik

Arbeitszeit-Reform: Gastgewerbe fordert Nachbesserungen

Flexibilität war versprochen, Bürokratie wurde geliefert: Der kursierende Entwurf zur Arbeitszeit-Reform stößt im Gastgewerbe auf deutlichen Widerspruch. Statt mehr Spielraum sehen Branchenverbände vor allem neue Hürden und zusätzliche Bürokratie.
Auszubildende des Strandhotels Seehof
Auszeichnung
Auszeichnung

Strandhotel Seehof als „Top Ausbildungsbetrieb“ ausgezeichnet

Auszeichnung für Engagement und Nachwuchsförderung: Das Strandhotel Seehof wurde vom Dehoga als „Top Ausbildungsbetrieb“ geehrt. Damit wird das Engagement für eine gute Ausbildung und die gezielte Entwicklung junger Talente im Gastgewerbe gewürdigt.
Generaldirektorin Judith Gellrich, zwei Auszubildende und Hoteldirektor Antoni Knobloch
Nachwuchsförderung
Nachwuchsförderung

Alle AHORN Hotels & Resorts als „Top-Ausbildungsbetrieb“ ausgezeichnet

Zuletzt wurden das AHORN Hotel Am Fichtelberg und das Best Western Ahorn Hotel Oberwiesenthal ausgezeichnet. Damit tragen nun alle sieben Hotels der Gruppe das Dehoga-Siegel, das die Ausbildungsqualität und das Engagement für junge Nachwuchskräfte würdigt.