Branchenstimmen

„Ergebnis ist enttäuschend und nicht akzeptabel“

Angesichts der Beschlüsse des jüngsten Corona-Gipfels schwankt die Stimmung in der Branche zwischen Enttäuschung und Entsetzen. Die Verbände fordern ein sofortiges Umdenken der Corona-Politik.

Donnerstag, 04.03.2021, 15:18 Uhr, Autor: Kristina Presser
Frustrierter Gastronom mit Mund-Nasen-Maske sitzt auf dem Boden seines geschlossenen Restaurants, um ihn herum liegen Papierdokumente, die Stühle stehen umgedreht auf den Tischen

Wann die Gastronomie in Gänze wieder öffnet, ist noch unklar. Gastronomen sind mit ihrer Kraft am Ende. (Foto: ©Halfpoint/stock.adobe.com )

Am Tag nach dem jüngsten Bund-Länder-Gipfel am 3. März 2021 zeigt sich die Hotel-, Gastro- Tourismus- und Event-Branche mehr als entsetzt. Erneut kaum konkrete Öffnungsszenarien, die Außengastronomie kann frühestens ab 22. März mit der Wiederaufnahme des Betriebs rechnen, Freizeitveranstaltungen im Außenbereich mit maximal 50 Teilnehmern dürfen frühestens ab 5. April stattfinden. Wie es mit der Innengastronomie, Hotels, Kultur und Veranstaltungen weitergeht, diese Entscheidung wurde auf die nächste Ministerpräsidentenkonferenz am 22. März verschoben. Viele Branchenakteure sind fassungslos über den aktuellen Fahrplan aus dem politischen Berlin.

Der am 3. März 2021 von Bund und Ländern beschlossene fünfstufige Öffnungsfahrplan
Der am 3. März 2021 von Bund und Ländern beschlossene fünfstufige Öffnungsfahrplan. (Grafik: Bundesregierung)

DEHOGA Bundesverband fordert Öffnung der Außengastro ab Mitte März

So plädiert der DEHOGA nun wiederholt für eine konkrete Öffnungsstrategie für Restaurants und Hotels sowie die Gleichbehandlung mit anderen Branchen. Mit großer Enttäuschung und Kritik habe das Gastgewerbe auf die Corona-Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz reagiert, heißt es in einer aktuellen Stellungnahme des Verbands. DEHOGA-Präsident Guido Zöllick sagte: „Es ist für unsere von der Krise besonders hart getroffene Branche nicht nur unbefriedigend, sondern unverständlich und inakzeptabel, dass die von uns geforderte Öffnungsstrategie für die Gesamtbranche wieder nicht vorgelegt wurde.“

Mit Blick auf die kommende Bund-Länder-Schalte in zwei Wochen machte der Verband deutlich, dass die Politik alle Möglichkeiten durch mehr Tempo und Professionalität beim Impfen, Testen und bei der digitalen Kontaktverfolgung ausschöpfen sollte, um eine Öffnung der Hotels und Restaurants ab 29. März zu gewährleisten. Sollte das Gastgewerbe weiter geschlossen bleiben, damit andere Branchen geöffnet werden könnten, fordert der DEHOGA eine signifikante Verbesserung der staatlichen Hilfen.

„Am 28. März werden unsere Betriebe insgesamt sieben Monate geschlossen sein“, erklärt Zöllick. Dabei betont er, eine dritte Welle wolle auch im Gastgewerbe niemand. Alle Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie müssten jedoch plausibel, nachvollziehbar und im Rechtssinne verhältnismäßig sein. „Wir verstehen zum Beispiel nicht, dass die Regierung einerseits mehr private Kontakte ermöglicht, während gleichzeitig unsere Betriebe mit strengen Hygienekonzepten weiterhin geschlossen bleiben“. Lockerungen dürften nicht zur Benachteiligung des Gastgewerbes führen.

Der DEHOGA spricht sich mit Nachdruck für eine Öffnung der Außengastronomie bereits Mitte März aus. Denn das Ansteckungsrisiko beim Zusammensitzen im Freien ist nachweislich des RKI besonders niedrig.

Deutsche Eventverband: Sofortiges Umdenken bei der Corona-Politik

Die Eventbranche hat Bund und Ländern nach ihren Corona-Beschlüssen außerdem eine fortlaufende Ungleichbehandlung vorgeworfen und ein sofortiges Umdenken bei der Corona-Politik gefordert. So ließ der Deutsche Eventverband jüngst verlauten: „Während es bereits ab nächsten Montag weitere Lockerungen für unter anderem den Handel geben soll, fehlt weiterhin jegliche Öffnungsperspektive für die Kultur- und Veranstaltungsindustrie.“ Von dem Treffen der Länderregierungschefs mit der Kanzlerin am Mittwoch habe man sich eine „faire und ehrliche Perspektive“ erhofft. „Die Kultur- und Veranstaltungswirtschaft ist es leid, immer zu spät bedacht zu werden und keine klaren Perspektiven zu erhalten“, hieß es. Sorgfältig durchdachte Stufenpläne und sichere Hygiene- und Öffnungskonzepte lägen bereits seit geraumer Zeit vor und könnten eine verantwortungsvolle Durchführung von Veranstaltungen wieder ermöglichen

„Nach den anhaltend schleppenden und unzureichenden Hilfsprogrammen stehen mit jeder weiteren Woche Lockdown viele Unternehmer vor dem Trümmerhaufen ihrer Existenz, unzählige Arbeitsplätze gehen verloren“, warnte der Verband. Seit einem Jahr befinde sich die Branche im Dauer-Lockdown „und Schließungen und Verbote sind bisher die einzige Maßnahme der Politik, um die Corona Zahlen in Schach zu halten“.

Deutscher Tourismusverband nennt Beschlüsse „nicht akzeptabel“

Ähnlich kritisierte auch der Deutsche Tourismusverband (DTV) die Beschlüsse der vergangenen Ministerpräsidentenkonferenz. Die Ergebnisse des Corona-Gipfels nannte DTV-Präsident Reinhard Meyer „enttäuschend und nicht akzeptabel“. Öffnungsstrategien für den Tourismus seien entgegen allen Ankündigungen erneut verschoben worden, beklagte er. Der Branche sei bewusst, dass eine Öffnung verantwortbar sein müsse. Der Tourismus benötige aber Planbarkeit und eine Perspektive. „Wir brauchen unverzüglich konkrete Vorschläge, unter welchen Bedingungen eine Öffnung für touristische Betriebe erfolgen kann“, sagte Meyer. „Einem ganzen Wirtschaftszweig droht die Luft auszugehen. Der Tourismus braucht die Strategie jetzt.“

Auch der Reiseverband DRV, der Veranstalter und Reisebüros vertritt, forderte: „Der Tourismus muss Teil der Öffnungsdebatte sein.“
(DEHOGA/dpa/Bundesregierung/DTV/DRV/KP)

 

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