FCSI: Hospitality braucht mehr Kooperation
Rund 130 Teilnehmer kamen vom 12. bis 14. Oktober 2026 zur jährlichen Convention des FCSI Deutschland-Österreich nach Hamburg. Unter dem Motto „The Next Economy & Next Hospitality“ standen die Zukunft der Branche und die Frage im Mittelpunkt, wie Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich bleiben und zugleich einen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen können.
Drei Experten geben Impulse für die Hospitality
Ein zentraler Programmpunkt war der Innovation Circle im Schmidtchen-Theater. Hotelier und Unternehmer Marco Nussbaum, Kulinarikexperte Heiko Antoniewicz und Zukunftsstrategin Nina Weiss beleuchteten die Herausforderungen der kommenden Jahre aus unterschiedlichen Perspektiven.
Nussbaum zeigte am Beispiel seiner Hiamo-Hotels, wie digitale Prozesse im Hintergrund effizient organisiert werden können, ohne dass das persönliche Gasterlebnis darunter leidet. Antoniewicz plädierte dafür, die Ausbildung im Gastgewerbe stärker an die wachsende Komplexität der Branche anzupassen.
Weiss wiederum warb dafür, langfristiger und vernetzter zu denken und sich dabei auch an natürlichen Systemen zu orientieren. „Kooperation ist der Schlüssel. Wir brauchen nicht entweder oder, sondern sowohl als auch!“, betonte Weiss.
Digitalisierung und Ausbildung sollen den Menschen in den Mittelpunkt stellen
Wie sich technologische Entwicklung und menschliche Begegnungen verbinden lassen, zog sich als Leitgedanke durch die Diskussion. Für Nussbaum ist dabei entscheidend, Dienstleistung wieder attraktiver zu machen und stärker auf die Bedürfnisse der Generation Z einzugehen.
Als Beispiel nannte er Meditationskurse für Mitarbeiter. Solche Angebote seien Investitionen in die Menschen, könnten aber auch bedeuten, zugunsten gesellschaftlicher Wirkung auf einen Teil des möglichen Profits zu verzichten.
Zudem sprach sich Nussbaum für mehr Zusammenarbeit zwischen Unternehmen aus. Unter dem Begriff „Coopetition“ – einer Verbindung von Kooperation und Wettbewerb – sollten Betriebe nicht nur Erfolge, sondern auch Herausforderungen offen teilen. Weiss sieht dafür allerdings noch Nachholbedarf: Häufig fehlten geeignete Netzwerke und die Bereitschaft, Wissen gemeinsam weiterzuentwickeln.
Antoniewicz verwies auf Wissenschaft und andere Branchen als mögliche Vorbilder für einen offeneren Umgang mit Erkenntnissen. Auch die Barbranche zeige, wie kreative Zusammenarbeit neue Ansätze hervorbringen könne.
Gastronomie als gesellschaftlicher Treffpunkt
Neben Technologie und Personal rückte die gesellschaftliche Bedeutung der Hospitality in den Fokus. Antoniewicz bezeichnete Essen als Grundlage für Wohlbefinden und Austausch. Auch in Zukunft könne die Gastronomie Menschen zusammenbringen.
Nussbaum warnte vor dem Verlust klassischer Wirtshäuser: „Das ist eine Katastrophe! Wir verlieren das Wohnzimmer unserer Gesellschaft.“
Weiss verwies auf die zunehmende Einsamkeit und die Bedeutung sogenannter „Dritter Orte“ – Treffpunkte außerhalb des eigenen Zuhauses und des Arbeitsplatzes. Die Branche könne dazu beitragen, solche Begegnungsräume zu erhalten und zu schaffen. Dafür müsse Wertschöpfung künftig stärker auch gesellschaftliche und ökologische Aspekte berücksichtigen.
Die Experten waren sich zudem einig, dass Hotellerie und Gastronomie jungen Menschen bessere Perspektiven bieten und ihre vielfältigen Möglichkeiten überzeugender kommunizieren müssen. Neben den Ausbildern und Verbänden seien dabei auch die Technikhersteller gefragt.
Michael Neuner wird neuer Präsident des FCSI Deutschland-Österreich
Neben den fachlichen Diskussionen standen bei der Convention auch personelle Veränderungen an. Bei der Jahreshauptversammlung im Hotel Hafen Hamburg wurde Michael Neuner, bislang Vizepräsident, zum neuen Präsidenten des FCSI Deutschland-Österreich gewählt.
Alexander Hofer übernimmt das Amt des Vizepräsidenten. Ruven Eichert bleibt Schatzmeister. Der bisherige Präsident Frank Wagner, inzwischen Präsident des FCSI Worldwide, bleibt dem Verband als Past President verbunden.
FCSI setzt auf Nachwuchs und Weiterentwicklung
Für 2027 plant der Verband unter anderem, die Aufgaben der Beiräte weiterzuentwickeln und das Nachwuchsprogramm EPIC als Instrument zur Gewinnung neuer Mitglieder auszubauen.
Neuner sieht den Verband dabei als Partner für die Weiterentwicklung der Hospitality. „Wir sind überzeugt von der Vergangenheit und neugierig auf die Zukunft – deshalb können und wollen wir noch besser werden: als starker Partner für die Hospitality, gerade auch in Zeiten ungewisser Wirtschaftslage“, erklärte der neue Präsident.
Neben dem Innovation Circle bot die dreitägige Veranstaltung zahlreiche Gelegenheiten zum persönlichen Austausch. Auf dem Programm standen unter anderem ein Abend in der Elbschmiede Altona, ein Networking-Lunch an Bord der MS Hammonia, eine Dinnerparty im Restaurant Elemente im Westfield Hamburg-Überseequartier sowie eine abschließende Trendtour durch die Hamburger Gastronomie- und Hospitality-Szene.
(FCSI Deutschland-Österreich/KAGI)