Streiks gefährden Anreise zur Hannover Messe – Gastgewerbe warnt vor Folgen
Zur weltweit wichtigsten Industrieschau werden vom 20. bis 24. April mehr als 100.000 Gäste aus aller Welt in Hannover erwartet. Für Hotels, Gastronomie und Eventbetriebe in Hannover zählt die Messe damit zu einem der wichtigsten Umsatztreibern des Jahres. Umso größer ist die Sorge, dass Einschränkungen bei der Anreise durch Streiks im öffentlichen Nahverkehr, zu denen die Gewerkschaft Verdi am Montag und Dienstag aufruft, auch die Nachfrage beeinträchtigen könnten.
„Der Zeitpunkt dieser Streiks ist aus Sicht des Gastgewerbes höchst problematisch“, sagte Dehoga-Präsident Dirk Breuckmann. „Wenn genau dann zentrale Verkehrsinfrastrukturen ausfallen, ist das nicht nur ein massiver Imageschaden für den Wirtschafts- und Tourismusstandort Hannover, sondern auch darüber hinaus.“
„Auswirkungen auf Umsatz und Auslastung“
Die Hannover Messe hat nach Angaben des Dehoga Niedersachen Strahlkraft für das Land Niedersachsen, denn sie zähle zu den wichtigsten internationalen Leitmessen und sei für Hotellerie und Gastronomie ein zentraler wirtschaftlicher Faktor. Einschränkungen bei der Anreise würden die Branche unmittelbar treffen.
„Unsere Betriebe haben sich intensiv auf diese Tage vorbereitet – personell, logistisch und wirtschaftlich. Wenn Gäste verspätet anreisen, Termine verpassen oder im schlimmsten Fall ganz fernbleiben, hat das direkte Auswirkungen auf Umsatz und Auslastung“, erklärt Breuckmann.
Neben dem Nahverkehr könnten auch von der Vereinigung Cockpit angekündigte Streiks bei der Lufthansa die Situation verschärfen. Viele internationale Gäste seien auf funktionierende Verkehrsverbindungen angewiesen. Einschränkungen könnten kurzfristig zu Ausfällen, Verspätungen oder geringerer Auslastung in Hotels und Restaurants führen.
Kritik auch vom Messechef
Neben den wirtschaftlichen Folgen sieht der Dehoga Niedersachsen auch langfristige Risiken: „Wir stehen im internationalen Wettbewerb um Gäste, Veranstaltungen und Investitionen. Ein solcher Start in eine weltweit bedeutende Messe sendet das falsche Signal. Verlässlichkeit und Erreichbarkeit sind zentrale Standortfaktoren – sie dürfen nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden.“
Das Streikrecht sei ein hohes Gut, so Breuckmann weiter. „Dennoch erwarten wir, dass bei der Wahl von Zeitpunkt und Umfang eines Arbeitskampfes auch die Folgen nicht nur für den bestreikten Wirtschaftsbereich, sondern diverse Branchen drumherum und den Standort insgesamt berücksichtigt werden.“
Auch Messechef Jochen Köckler äußerte Kritik an den angekündigten Arbeitsniederlegungen. Er sei sich nicht sicher, „ob das denn wirklich verhältnismäßig ist“, sagte der Messechef. „Da werden Menschen drunter leiden, die mit diesem Konflikt wenig zu tun haben.“ Das mache es der Messe nicht leichter, ihre Ziele zu erreichen. „Das ist etwas, was nicht dazu beiträgt, dass wir das schaffen können.“
KI, Robotik – und erstmals ein Fokus auf Rüstung
Die Hannover Messe selbst steht in diesem Jahr unter anderem im Zeichen von Künstlicher Intelligenz, Robotik und deren Einsatz in der Industrie. „Auf der Hannover Messe erleben Besucher, wie sie KI produktiv einsetzen und damit Mehrwert schaffen“, sagte Messechef Jochen Köckler mit Blick auf die bevorstehende Ausstellung. Angesichts globaler Herausforderungen werde dies immer mehr zum Wettbewerbsfaktor.
Erstmals mit einem eigenen Themenschwerpunkt vertreten ist der Bereich Rüstung. Rund 40 Unternehmen zeigen dort Lösungen für den schnellen Aufbau der Produktion von Rüstungsgütern.
Insgesamt sind mehr als 3.000 Aussteller aus den Bereichen Maschinenbau, Elektro- und Digitalindustrie sowie der Energiewirtschaft dabei. Neben den mehr als 100.000 Besucher aus aller Welt werden zahlreiche hochrangige Politiker erwartet.
Großveranstaltungen wie die Hannover Messe sind ein zentraler Wirtschaftsfaktor für das Gastgewerbe vor Ort. Für die Branche bleibt daher nur die Hoffnung, dass die Auswirkungen der Streiks begrenzt bleiben.
(dpa/Dehoga Niedersachsen/SAKL)