Lithium-Ionen-Akkus im Hotel richtig laden und lagern
Smartphones, Powerbanks, Kopfhörer-Ladecases oder E-Zigaretten: In einem Hotel befinden sich längst nicht nur die technischen Geräte des Betriebs. Zahlreiche Geräte mit Lithium-Ionen-Akkus bringen die Gäste selbst mit – und laden sie häufig unbeobachtet im Zimmer. Für Hoteliers entstehen dadurch Risiken, auf die der Betrieb nur begrenzt Einfluss nehmen kann.
Bereits im August hat HOGAPAGE im Beitrag „Lithium-Ionen-Akkus im Gastgewerbe sicher nutzen“ die Empfehlungen der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe zum sicheren Laden und Lagern aufgegriffen. Im Mittelpunkt standen dabei unter anderem Akkugeräte des Betriebs und E-Bikes von Hotelgästen.
Doch was passiert mit den kleineren Geräten, die täglich in Hotelzimmern genutzt werden? Und was sollte das Housekeeping tun, wenn eine Powerbank oder E-Zigarette zurückbleibt oder bereits Schäden aufweist?
Darüber hat HOGAPAGE mit Justin Flick von der SOMUVA UG in Lüdenscheid gesprochen. Er beschäftigt sich dort unter anderem mit dem sicheren Umgang mit Akkus und Ladetechnik.
Powerbanks, Kopfhörer-Ladecases, E-Zigaretten und andere Geräte mit Lithium-Ionen-Akkus gehören inzwischen zum Reisegepäck vieler Hotelgäste. Welche Risiken entstehen dadurch speziell für Beherbergungsbetriebe?
Viele Akkus im Haus gehören Gästen und entziehen sich der Kontrolle des Betriebs. Gäste laden Smartphones, Powerbanks, Kopfhörer-Ladecases oder E-Zigaretten mit eigenen, oft unbekannten Netzteilen – häufig über Nacht, auf dem Bett oder auf dem Nachttisch neben Textilien. Ein beschädigter oder überalterter Akku kann sich dann unbemerkt stark erhitzen und im schlimmsten Fall in Brand geraten.
Dazu kommt ein zweites Risiko, das oft übersehen wird: Geräte, die im Zimmer zurückbleiben und beim Aufräumen im Restmüll landen. Dort können sie beim Pressen oder Sortieren beschädigt werden und Brände in Müllbehältern oder Entsorgungsanlagen auslösen.
Worauf sollten Hotels achten, wenn Gäste solche Geräte im Hotelzimmer laden? Gibt es aus Ihrer Sicht besonders problematische Situationen oder typische Fehler?
Steckdosen sollten so liegen, dass bequem auf einer festen, nicht brennbaren Unterlage geladen werden kann, etwa auf einer Stein- oder Glasablage oder einer Metallschale am Schreibtisch, mit etwas Abstand zu Vorhängen, Papier und Textilien – und nicht nur direkt am Bett.
Ein kurzer Hinweis in der Gästemappe hilft: nicht unter dem Kissen oder auf dem Bett laden, keine beschädigten oder aufgeblähten Geräte laden, möglichst das Originalnetzteil verwenden. Rauch- bzw. Brandmelder in den Zimmern sollten nach den Vorgaben des Brandschutzkonzepts regelmäßig geprüft werden.
Gerade für das Housekeeping kann es vorkommen, dass Powerbanks, E-Zigaretten oder andere Akkugeräte im Zimmer zurückgelassen werden. Wie sollte mit solchen Fundstücken grundsätzlich umgegangen werden?
Solche Geräte sollten wie jede Fundsache nach den Regeln des Hauses erfasst und aufbewahrt werden, aber getrennt von Textilien und Papier: in einem nicht brennbaren Behälter, zum Beispiel einer Metallbox, bei Raumtemperatur und nicht in der Nähe von Heizungen.
Fundgeräte nicht laden und nicht „testen“. Darf ein nicht abgeholtes Gerät nach den geltenden Fundregeln entsorgt werden, gehört es nicht in den Hausmüll. Kommunale Sammelstellen und Wertstoffhöfe nehmen Elektroaltgeräte und Akkus kostenlos an. Lose Batterien und Akkus nehmen außerdem Händler an, die Batterien verkaufen.
Bei größeren Mengen aus dem Betrieb vorher beim Wertstoffhof oder Entsorger nachfragen. Geräte mit fest eingebautem Akku nicht öffnen, bei losen Akkus die Pole abkleben.
Was ist zu tun, wenn ein Mitarbeiter ein sichtbar beschädigtes, aufgeblähtes oder ungewöhnlich warmes Gerät findet? Wo und wie sollte es bis zur weiteren Abklärung beziehungsweise Entsorgung aufbewahrt werden?
Nicht weiter benutzen, nicht laden und nicht mit bloßen Händen festhalten, wenn es heiß ist. Raucht oder brennt das Gerät, sofort die Feuerwehr unter 112 rufen und die eigenen Brandschutzregeln befolgen.
Ist es nur aufgebläht oder warm und lässt es sich gefahrlos bewegen: mit Handschuhen oder einer Zange, ohne es zu quetschen oder zu durchstechen, ins Freie an einen geschützten Ort ohne Brennbares bringen oder in einen geeigneten nicht brennbaren Behälter legen, etwa einen Metallbehälter mit Sand, und nicht unbeaufsichtigt lassen.
Beschädigte Lithium-Akkus gelten in der Entsorgung als besonders kritisch. Deshalb vorher beim Wertstoffhof oder beim Entsorger nachfragen, wie sie angenommen werden, und nicht einfach in die normale Batteriesammelbox geben.
Würden Sie Hotels empfehlen, für mitgebrachte Kleingeräte oder Akkus bestimmte interne Regeln beziehungsweise Abläufe festzulegen? Welche Maßnahmen wären aus Ihrer Sicht praktikabel?
Ja, und sie müssen nicht aufwendig sein. Praktikabel sind aus unserer Sicht: eine kurze Unterweisung für Housekeeping und Rezeption, was bei Fundgeräten und bei warmen oder aufgeblähten Akkus zu tun ist; ein fester Ort mit Metallbox, Sand, Handschuhen und Klebeband für die Pole; eine Batteriesammelbox für lose, intakte Altbatterien hinter der Rezeption (nicht für Geräte und nicht für beschädigte Akkus); und ein Satz in der Gästeinformation zum Laden im Zimmer.
Wer eine Hotelgarage mit Ladeplätzen für E-Bikes hat, sollte die Regeln dafür mit denen für die Kleingeräte im Haus zusammenführen.
Vielen Dank für das Interview, Herr Flick!
(SAHO)