Ratgeber

7 Wege für profitable Nachhaltigkeit in der Gastronomie

Koch bereitet in einer Restaurantküche frische Zutaten für ein Gericht zu.
Nachhaltige Maßnahmen können Gastronomiebetrieben helfen, Ressourcen zu schonen, Abläufe zu verbessern und Kosten zu senken. (Foto: © VAKSMANV/stock.adobe.com)
Der 18. Juni markiert den Internationalen Tag der nachhaltigen Gastronomie. Anlässlich dieses Aktionstages rücken sieben Maßnahmen in den Fokus, mit denen Gastronomiebetriebe Ressourcen schonen und zugleich wirtschaftliche Effekte erzielen können.
Mittwoch, 17.06.2026, 15:37 Uhr, Autor: Sarah Kleinen

Am 18. Juni ist der Internationale Tag der nachhaltigen Gastronomie. Der Aktionstag wurde 2016 von den Vereinten Nationen eingeführt und soll die Verantwortung sowie die Potenziale des Gastgewerbes stärker in den Fokus der Öffentlichkeit rücken.

„Viele Gastronomen schrecken jedoch nach wie vor vor dem Begriff ‚Nachhaltigkeit‘ zurück“, beobachtet Chris Kaiser, Gründer und CEO der Aufforstungsorganisation Click A Tree. In der Branche würde Nachhaltigkeit häufig noch mit hohen Investitionen, bürokratischem Mehraufwand oder mit dem Verzicht auf Margen assoziiert werden. 

Tatsächlich sei jedoch das Gegenteil der Fall: "Wer ökologische und soziale Verantwortung strategisch klug ansetzt, schützt nicht nur die Ressourcen unseres Planeten, sondern optimiert gleichzeitig die eigene betriebliche Rendite", erklärt Kaiser. „Denn weil Gastronomie ja die ganze Familie begeistern soll, denken wir immer in enkeltauglichen Bahnen. Nachhaltigkeit ist im modernen Gastgewerbe kein reiner Imagefaktor mehr, sondern eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit und eine handfeste Chance zur Umsatzsteigerung.“

Mit sieben praxiserprobten Wegen zeigt der „Click A Tree“-CEO, wie Gastronomiebetriebe Ökologie, soziale Verantwortung und ökonomischen Erfolg gewinnbringend miteinander verknüpfen können.

1. Sichtbare Wertschätzung für das Team (Social Sustainability & Employer Branding)

Gelebte Nachhaltigkeit beginnt laut Kaiser nicht beim Einkauf, sondern bei den Menschen im eigenen Betrieb. Eine Maßnahme kann demnach sein, Küchen- und Serviceteams namentlich und persönlich vorzustellen – etwa auf der Speisekarte, einer gut sichtbaren Kreidetafel oder direkt am Büfett. So könnte ein Hinweis z. B. lauten: „Diese Spezialität wurde von Pong aus Thailand zubereitet, die seit drei Jahren unser Team mit ihrer kulinarischen Expertise bereichert.“

Diese Form der transparenten Wertschätzung erzielt laut Kaiser eine dreifache profitable Wirkung:

  • Team-Motivation: Die namentliche Nennung schenkt den Mitarbeitern Stolz und öffentliche Anerkennung für ihre harte Arbeit, was das Betriebsklima nachweislich verbessert.
  • Soziale Nachhaltigkeit: Es schlägt eine Brücke zum Gast und demonstriert Vielfalt. Gäste erleben hautnah, dass Menschen aus unterschiedlichen Kulturen den Betrieb bereichern, was Vorurteile abbaut und den kulinarischen Genuss emotional aufwertet.
  • Geringere HR-Kosten: Ein solches wertschätzendes Umfeld ist die beste Waffe gegen den Fachkräftemangel. Die Mitarbeiterfluktuation sinkt drastisch, was enorme Kosten für Recruiting, Headhunter und langwierige Einarbeitungsprozesse einspart. Zudem fungiert es als Magnet für neue Talente, die gezielt nach empathischen Arbeitgebern suchen.

2. Das „Baumgericht“ – Konsum mit direkter Sinnkopplung

Ein weiterer Hebel zur Umsatzsteigerung und Kundenbindung ist nach Angaben von Chris Kaiser die Einführung eines sogenanntes Sinn-Gerichts. Dabei wird ein spezielles, beliebtes Gericht auf der Karte mit einem konkreten Umweltprojekt verbunden.

„Ob die ‚Pizza für den Planeten‘ oder der ‚Baumburger‘ – das Prinzip bleibt gleich: Bei jedem Verkauf dieses Gerichts wird automatisch ein Baum in einem zertifizierten Aufforstungsprojekt gepflanzt oder ein Kilogramm Plastikmüll aus den Ozeanen geborgen“, erklärt Kaiser. 

Die anfallenden Projektkosten können dabei transparent auf den Verkaufspreis umgelegt werden. Gäste können sich somit bewusst für das entsprechende Gericht und damit aktiv für den Klimaschutz entscheiden.

Dies stärkt auch die emotionale Kundenbindung: Über die eigenen Social-Media-Kanäle können Betriebe ihren Gästen regelmäßige Updates und Bildmaterial über das Wachstum „ihres“ Waldes liefern. Die Umsetzung solcher Konzepte lässt sich laut Chris Kaiser unkompliziert über spezialisierte Partner realisieren. Ohne technische Integration sei der Start von einem zum nächsten Tag möglich. Kosten würden für den Betrieb keine anfallen.

„Nachhaltigkeit muss sich für Gastronomen auch finanziell lohnen. Sie muss eine Win-Win-Win-Situation für den Betrieb, den Gast und die Natur schaffen“, erklärt Chris Kaiser. "Einer unserer Partner, das traditionsreiche Restaurant St. Ottilien in Freiburg, hat durch diese smarte Sinnkopplung bereits über 7.500 Bäume erfolgreich mitgepflanzt und Presseaufmerksamkeit erhalten. Das beweist eindrucksvoll, wie sehr dieses ehrliche Konzept die Gäste begeistert, die Mundpropaganda anheizt und schlussendlich den Umsatz messbar nach oben treibt."

3. Konsequente Regionalität und Saisonalität als Frequenzbringer

Der Fokus auf saisonale Erzeugnisse aus der Region schont durch kurze Transportwege das Klima und stärkt die lokale Landwirtschaft. „Betriebswirtschaftlich verbirgt sich hier jedoch ein genialer Marketing-Hebel“, betont Chris Kaiser. „Wer seine Standardkarte reduziert und stattdessen monatlich wechselnde, saisonale Aktionsgerichte anbietet, schafft einen kontinuierlichen, natürlichen Impuls für wiederkehrende Besuche.“

Stammgäste erhielten so jeden Monat einen neuen kulinarischen Grund, den Betrieb aufzusuchen, um die neuesten saisonalen Kreationen zu testen. „Dies steigert die Besuchsfrequenz pro Gast und stabilisiert den Umsatz nachhaltig“, stellt Kaiser heraus.

4. Pflanzliche Vielfalt zur Margen-Optimierung (Vegane Speisen)

Vegane und vegetarische Speisen gelten laut Kaiser heute als wirtschaftliche Geheimwaffe in der Kalkulation. Pflanzliche Grundzutaten wie Saisongemüse, Hülsenfrüchte, Getreide und Kräuter seien im Einkauf günstiger als hochwertiges Fleisch oder Edelfisch. Gleichzeitig zeichnen sie sich durch einen minimalen CO2- und Wasserfußabdruck aus.

Für Betriebe kann sich daraus die Möglichkeit ergeben, mit entsprechenden Gerichten die Marge zu verbessern. "Durch kreatives und handwerklich exzellentes Storytelling auf dem Teller lässt sich mit rein pflanzlichen Gerichten eine exzellente Marge realisieren", betont Kaiser. Für die Umsetzung würde sich ein Blick auf die Expertise und Konzepte etablierter Branchen-Pionierinnen wie Estella Schweizer oder Anna Karle lohnen. Ihnen sei es gelungen, moderne pflanzliche Gastronomiekonzepte erfolgreich im Markt zu verankern.

5. Umstellung auf digitale Mehrweg-To-Go-Systeme

Die gesetzliche Mehrwegpflicht stellt viele Betriebe vor logistische Herausforderungen. Digitale Mehrweg-To-go-Systeme stellen jedoch auch eine Möglichkeit dar, laufende Kosten für teures Einweg-Geschirr und Verpackungsmüll zu vermeiden.

Gleichzeitig bieten diese Systeme einen zusätzlichen Werbeeffekt. So werden Partnerbetriebe automatisch auf den digitalen Netzwerkkarten und In-App-Verzeichnissen der Anbieter gelistet. Dadurch können Gäste, die gezielt nach Mehrweg-Angeboten suchen, auf den Betrieb aufmerksam werden.

Zusätzlich können teilnehmende Betriebe in digitalen Verzeichnissen oder App-Übersichten der Anbieter erscheinen. "Umweltbewusste Konsumenten wählen To-Go-Optionen heute gezielt nach Nachhaltigkeitskriterien aus. Dadurch generieren Gastronomen über diese Plattformen einen kontinuierlichen Strom an kaufkräftigen Neukunden", erklärt Kaiser.

6. Erfolgsbasierte Müllreduktion im Betrieb

Ein weiterer Punkt ist die Reduktion von Müll im laufenden Betrieb. Jeder vermiedene Abfall kann dabei nicht nur die Umwelt schonen, sondern auch Ressourcen einsparen und damit die Kosten senken.

Um Betriebsblindheit zu umgehen und versteckte Ineffizienzen in den Arbeitsabläufen aufzudecken, empfiehlt sich dabei laut Kaiser die Zusammenarbeit mit externen Spezialisten. 

7. Quantifizierung und Zweitverwertung von Lebensmittelüberschüssen

„Lebensmittelverschwendung ist eines der größten ökologischen Probleme der Branche – und gleichzeitig eine immense Geldverschwendung“, stellt Kaiser heraus. Ein moderner, zweistufiger Lösungsansatz könne hier Abhilfe schaffen:

  1. Prävention: Durch den Einsatz intelligenter, KI-gestützter Analysesysteme lassen sich Lebensmittelabfälle in der Küche präzise erfassen, quantifizieren und automatisiert auswerten. Die gewonnenen Daten erlauben es, Einkaufslisten, Portionsgrößen und Produktionsmengen exakt an den realen Bedarf anzupassen, was den Wareneinsatz drastisch senkt.
  2. Verwertung: Sollten am Ende des Tages dennoch einwandfreie Überschüsse im Büfett oder in der Küche verbleiben, lassen sich diese über Plattformen wie Too Good To Go unkompliziert und kurzfristig an Selbstabholer vermarkten. Dies rettet wertvolle Ressourcen, spült zusätzlichen, sonst verlorenen Umsatz in die Kasse und steigert die lokale Bekanntheit des Betriebs bei neuen Zielgruppen.
Zusammenfassende Übersicht der profitablen Nachhaltigkeitswege

Fazit: Nachhaltigkeit als wirtschaftlicher Hebel

Der Internationale Tag der nachhaltigen Gastronomie ruft uns ins Gedächtnis, dass Ökologie und Ökonomie im modernen Gastgewerbe untrennbar zusammengehören. Nachhaltige Maßnahmen im Gastgewerbe müssen dabei nicht nur eine Frage des Images sein. Richtig eingesetzt, können sie Abläufe verbessern, Kosten senken und neue wirtschaftliche Impulse setzen.

„Betriebe, die jetzt proaktiv handeln, festigen ihre Marktposition, begeistern eine wachsende, umweltbewusste Gästebasis und sichern langfristig ihre Profitabilität ab“, betont Chris Kaiser abschließend.

(Click A Tree/Chris Kaiser/SAKL)

Zurück zur Startseite

Weitere Themen

Küche mit frischem Gemüse
Nachgefragt
Nachgefragt

So bringen Gastronomen Nachhaltigkeit in ihre Restaurants – Teil 2

Das Menü reduzieren, durch digitale Prozesse Ressourcen einsparen oder auf vegan umstellen – der erste Teil der HOGAPAGE-Serie zeigte bereits, wie es der Gastro-Branche mit kleinen Schritten gelingt, sich nachhaltig aufzustellen. Im zweiten Teil berichten weitere Gastro-Profis von ihren Nachhaltigkeitsmaßnahmen und welche Erfahrungen sie damit gemacht haben.
Küche mit frischem Gemüse
Nachgefragt
Nachgefragt

So bringen Gastronomen Nachhaltigkeit in ihre Restaurants – Teil 1

Am 18. Juni ist Tag der nachhaltigen Gastronomie. Doch welche Maßnahmen ergreifen Gastronomen, um ihre Restaurants möglichst nachhaltig zu gestalten? HOGAPAGE hat sich umgehört: In einem zweiteiligen Beitrag berichten jeweils drei Gastro-Profis von ihren Erfahrungen aus der Praxis. 
Küchenteam richtet die Speisen an
Ratgeber
Ratgeber

Fünf Tipps gegen Lebensmittelverschwendung

Am 29. September ist der Internationale Tag der Lebensmittelverschwendung. Rund 1,7 Tonnen fallen davon jährlich in der Außer-Haus-Verpflegung an. Doch bereits mit kleinen Änderung kann der Müll reduziert – und sogar zu Geld gemacht werden.
Restaurant
Ratgeber
Ratgeber

Wie nachhaltig war das gastronomische Jahr 2023?

Von der Warenbestellung bis zum To-Go-Geschäft: Beim Jahresabschluss messen Gastronomen, wie nachhaltig sie mit ihrem unternehmerischen Denken und Handeln aufgestellt waren. Ein Experte für Digitalisierung gibt Tipps für noch mehr Wirtschaftlichkeit.
Arcadias
Hydrokultur-Farm
Hydrokultur-Farm

Jumeirah Zabeel Saray mit nachhaltigem Gastro-Konzept

Das Mitglied der Jumeirah-Gruppe hat jetzt den Launch von Arcadia angekündigt. Mit diesem ganzheitlichen gastronomischen Konzept will die Jumeirah Zabeel Saray unter anderem Gästen eine verantwortungsvolle Beschaffung von Lebensmitteln näherbringen. 
Denis Feix und Kathrin Feix
Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit

„Marburger Esszimmer“ mit neuem Konzept

Nach zweijähriger Pause öffnet im Winter das „Marburger Esszimmer“ wieder seine Pforten. Dabei setzt das Fine-Dining-Restaurant auf eine zeitgemäße Spitzenküche mit Schwerpunkt auf Gemüse aus regionalem und nachhaltigen Anbau.
Küchenteam der Platzl Hotels
Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit

Platzl Hotels setzen auf KI gegen Lebensmittelabfälle

Die Münchner Hotelgruppe nutzt in ihren Küchen künftig ein digitales System zur Analyse von Speiseresten. Ziel ist es, Abfälle messbar zu reduzieren und Prozesse gezielt zu optimieren.
Nichtraucherbereich
Ratgeber
Ratgeber

Weltnichtrauchertag: Warum Rauchen im Gastgewerbe weiter ein Thema bleibt

Zum Weltnichtrauchertag rücken Zigaretten, Vapes und Shishas in den Fokus. Für Hotels, Restaurants und Bars geht es um klare Regeln, Jugendschutz und den Ausgleich unterschiedlicher Gästewünsche.
Transgourmet-LKW
Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit

Transgourmet startet „Rhein-Main wird grüner“

Nächster Meilenstein im Klimaplan 2050: Transgourmet erweitert seine Nachhaltigkeitsstrategie um ein weiteres regionales Projekt. Nach „Hamburg wird grüner“ startet das Unternehmen nun die Initiative „Rhein-Main wird grüner“.