Bayern startet bisher größte Umfrage zur Gemeinschaftsverpflegung
Mit einem klaren Ziel startet heute die Online-Befragung zum Forschungsprojekt „Strukturanalyse für mehr ‚Bio‘ und ‚Regio‘ in der bayerischen Gemeinschaftsverpflegung“. Das vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus geförderte Projekt soll eine belastbare Datengrundlage zu Mengen, Herkunft und Qualität der eingesetzten Lebensmittel schaffen.
Ziel ist es, erstmals belastbare Daten zum Status quo in der gesamten bayerischen Gemeinschaftsverpflegung zu erheben und daraus Handlungsempfehlungen für Politik und Praxis abzuleiten. Damit will der Freistaat einen weiteren Baustein für mehr regionale und ökologische Produkte in Kitas, Schulen, Betrieben, Kliniken und Senioreneinrichtungen legen.
„Diese Umfrage ist mehr als ein Fragebogen – sie ist eine Einladung zum Mitgestalten. Wer tagtäglich für gutes Essen in Kitas, Schulen, Betrieben oder Pflegeeinrichtungen sorgt, weiß am besten, was funktioniert und wo es noch hakt“, sagte Ernährungsministerin Michaela Kaniber zum Start der Umfrage. "Genau dieses Praxiswissen brauchen wir, um die Gemeinschaftsverpflegung in Bayern stärker, regionaler und nachhaltiger aufzustellen. Jede Teilnahme hilft uns, die richtigen Weichen zu stellen – für mehr Bio und Regionalität auf den Tellern und für mehr Wertschöpfung bei unseren bayerischen Betrieben."
Für konkrete Handlungsempfehlungen
Das Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) leitet das Projekt. Kooperationspartner sind das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) Deutschland e. V. sowie die Hochschule Fulda.
Im Mittelpunkt der Befragung stehen zentrale Strukturdaten: abgefragt werden unter anderem die eingesetzten Speisenproduktionssysteme, die Anzahl der ausgegebenen Portionen sowie der Anteil regionaler und ökologischer Zutaten. Die Ergebnisse sollen konkrete Handlungsempfehlungen liefern, wie Politik und Verwaltung die Einrichtungen künftig gezielt unterstützen können – entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Erzeugung über Verarbeitung, Handel und Logistik bis hin zur Küche.
„Unser Anspruch ist es nicht nur Ziele zu formulieren, sondern praktikable Lösungen anzubieten. Wir wollen wissen, wo es gut läuft, wo es hakt und welche Stellschrauben wir gemeinsam drehen müssen. Davon profitieren die Einrichtungen ebenso wie unsere regionalen Betriebe“, sagt Ministerin Kaniber.
„Mit dem Projekt SGV Bayern erhalten wir erstmals eine solide Basis an ökonomischen und strukturellen Daten zur gesamten bayerischen Gemeinschaftsverpflegung“, ergänzt Dr. Martin Kussmann, Leiter Ernährungswissen und Innovation am KErn. „Die Ergebnisse sollen zeigen, wie die Politik die Einrichtungen beim Ausbau des Bioangebots und der Regionalität in der Gemeinschaftsverpflegung unterstützen kann.“
Die Datenerhebung startet ab dem 19. Januar mit einer Online-Befragung.
Zuerst sind Speisenanbieter und Caterer gefragt!
Die Datenerhebung erfolgt in drei Schritten. Los geht es am 19. Januar mit einer Online-Umfrage unter www.kern.bayern.de/sgv. Sie richtet sich an Verpflegungsverantwortliche sowie Caterer in allen Bereichen der Gemeinschaftsverpflegung – von Kindertagesstätten über Schulen und Hochschulen, Betriebsrestaurants, Krankenhäuser bis hin zu Pflegeeinrichtungen und Jugendherbergen.
Die Fragen betreffen Strukturdaten und wirtschaftliche Kennzahlen der bayerischen Gemeinschaftsverpflegung; zum Beispiel, ob in der Großküche selbst gekocht wird oder ein Caterer Speisen anliefert, die Anzahl der am Tag ausgegebenen Gerichte sowie der Anteil regionaler und ökologisch erzeugter Lebensmittel.
Die Beantwortung nimmt nach Angaben der Organisatoren etwa 30 Minuten in Anspruch. Wer teilnimmt, kann Preise wie Wertgutscheine, Eintrittskarten für Messen sowie Abos für Fachzeitschriften gewinnen.
Einblicke in die gesamte Wertschöpfungskette
In einem zweiten Schritt werden Daten von Lieferanten erhoben. Anhand von Liefertagebüchern will das Projektteam herausfinden, mit welchen Produkten die bayerische Gemeinschaftsverpflegung versorgt wird. Die Tagebücher sollen detaillierte Einblicke in die Mengen sowie die Herkunft und Anbaumethoden ausgewählter Lebensmittel geben. Diese Erhebung startet Mitte des Jahres 2026.
Abschließend werden bei Experten-Interviews neben Küchenleitern und Caterern auch Händler, Lieferanten, Verarbeiter sowie Landwirte befragt. So sollen sich Erfolgsfaktoren aber auch Herausforderungen und Hemmnisse beim Einsatz von Bio- und Regionalprodukten ermitteln lassen.
„Das Projekt soll nicht nur Zahlen liefern, sondern auch die Entwicklung praxisnaher Empfehlungen für die Einrichtungen ermöglichen“, erklärt Prof. Dr. Stephanie Hagspihl von der Hochschule Fulda.
(Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL)/Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus/SAKL)