Umsatzzahlen

Delivery Hero wächst stark – bei steigendem Verlust

Delivery Hero Lieferheld Schild in Berlin Mitte an Hauswand am 04.11.2020
Von seinem Deutschlandgeschäft hatte sich Delivery Hero im Jahr 2019 getrennt. (Foto: © creativemariolorek/stock.adobe.com)
Der Lieferdienst Delivery Hero blickt vor allem auf den Weltmarkt. Übernahmen und Investitionen sorgen für schnelles Wachstum bei hohen Verlusten. Deutschland sei dabei für das Unternehmen „ein Versuchslabor“.
Freitag, 11.02.2022, 07:45 Uhr, Autor: Martina Kalus

Mit der im Januar angekündigten Übernahme des spanischen Konkurrenten Glovo hat die Berliner Lieferdienst-Plattform Delivery Hero ihre Ambitionen auf dem Weltmarkt noch einmal deutlich gemacht: „Was wir tun, ist der einzige Weg, um international eine Chance zu haben gegen die US-amerikanische und asiatische Konkurrenz“, sagte Konzernchef Niklas Östberg am Donnerstag bei der
Vorstellung der Zahlen für das vierte Geschäftsquartal.

Doch der weltweite Führungsanspruch und das damit verbundene Wachstum hat seinen Preis: Allein im vierten Quartal 2021 machte der Konzern einen bereinigten operativen Verlust von knapp 781 Millionen Euro vor Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Das war fast ein Drittel mehr als im Vorjahreszeitraum.

Hohe Nachfrage

Dabei blieb die Nachfrage ungebrochen hoch: 775 Millionen Bestellungen verzeichnete Delivery Hero im letzten Geschäftsviertel – ebenfalls fast ein Drittel mehr als im gleichen Zeitraum 2020. Der Umsatz ohne Berücksichtigung von Gutscheineffekten stieg im Gesamtjahr 2021 konzernweit um 89 Prozent auf 6,6 Milliarden Euro.

Mit Glovo übernimmt Delivery Hero einen Konkurrenten, der ebenfalls weltweit unterwegs, in Deutschland aber kaum bekannt ist. Längst konzentrieren sich die Berliner nicht mehr nur auf Restaurant-Lieferungen, sondern bringen auf Bestellung auch Supermarkt-Produkte nach Hause. In den meisten Regionen sei der Konzern zudem inzwischen auf dem Apothekenmarkt aktiv und liefere rezeptfreie Medikamente, betonte Östberg.

Asien als wichtigster Markt

Asien bleibt für den Konzern der wichtigste Markt mit einem Umsatzanteil von fast der Hälfte im vierten Quartal. Auch in Europa bleibt Delivery Hero aktiv, hier aber vor allem in osteuropäischen Ländern.

Von seinem Deutschlandgeschäft hatte sich Delivery Hero im Jahr 2019 getrennt. Für wenige Monate versuchte der Konzern im vergangenen Jahr zwar erneut, mit seiner Marke Foodpanda Fuß zu fassen. Östberg beendete das Experiment im Herbst aber wieder. „Wir haben an anderen Orten bessere Investitionsmöglichkeiten gesehen und uns schnell umentschieden“, sagte er am Donnerstag. Allerdings hält Delivery Hero noch eine Beteiligung am Lieferdienst Gorillas.

Versuchslabor Deutschland?

Deutschland sei für das Unternehmen vor allem ein Versuchslabor. „Wir probieren in Berlin in kleinem Rahmen Dinge aus, die wir dann international exportieren“, sagte Östberg. Hier gehe das Unternehmen Fragen nach, wie etwa die Lieferzeit von zehn auf neun Minuten gedrückt werden könne oder wie Warenlager verkleinert werden und trotzdem mehr Produkte aufnehmen können.

An der Börse sorgten die aktuellen Zahlen und Ziele am Donnerstag für Ernüchterung. Die seit einiger Zeit stark unter Druck stehende Aktie gab weiter kräftig nach.

(dpa/MK)

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