Wirtschaftslage

DIHK-Umfrage: Vor allem das Gastgewerbe ist in Not

Gastronom bei der Abrechnung
Viele Gastbetriebe stehen finanziell unter Druck. Nach Angaben der DIHK berichtet sogar jedes zehnte Unternehmen von einer drohenden Insolvenz. (Foto: © Drobot Dean/stock.adobe.com)
Hohe Kosten und Bürokratie setzen viele Dienstleister unter Druck. Besonders schwer haben es kleine Betriebe und das Gastgewerbe. Die DIHK fordert mehr Flexibilität.
Montag, 08.06.2026, 10:41 Uhr, Autor: Sarah Kleinen

Mitten im beginnenden Sommer steckt das deutsche Gastgewerbe einer Umfrage zufolge in einer Krise. Knapp zwei Drittel der gastgewerblichen Betriebe bezeichnen ihre Finanzlage als problematisch, wie die Sonderauswertung der Konjunkturumfrage Frühsommer 2026 der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) zeigt.

Für die Umfrage wurden mehr als 11.000 Dienstleister zu ihrer wirtschaftlichen Lage befragt. Demnach berichtet jedes zehnte Unternehmen im Gastgewerbe sogar von drohender Insolvenz.

Vor allem hohe Kosten für Energie und Personal setzten die Betriebe in der Branche unter Druck, heißt es laut DIHK als Erklärung. Die Unternehmen würden zunehmend vor finanzielle Herausforderungen gestellt. Trotz der bevorstehenden Sommersaison lägen die Beschäftigungsabsichten auf einem niedrigeren Niveau als noch zu Jahresbeginn.

Auch in anderen Dienstleistungsbranchen trübt sich die Stimmung der Umfrage nach ein. Branchenübergreifend bewerten demnach nur noch 27 Prozent der befragten Unternehmen ihre aktuelle Lage als gut, 23 Prozent als schlecht. Rund 31 Prozent rechnen mit einer weiteren Verschlechterung, nur 13 Prozent erwarten eine Verbesserung. Mehr als jedes fünfte Unternehmen plant Personalabbau, fast jedes dritte will Investitionen kürzen.

Wie man Betriebe laut DIHK entlasten könnte

Besonders schwierig ist die Situation laut DIHK für kleine Betriebe. Fast jedes zweite Dienstleistungsunternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern befindet sich demnach in einer problematischen Finanzlage, rund 22 Prozent berichten von Liquiditätsengpässen

„Viele kleine Betriebe haben ihre finanziellen Reserven in den vergangenen Krisenjahren weitgehend aufgebraucht und verfügen kaum über Puffer, um die stark gestiegenen Kosten abzufedern“, sagt Dirk Binding, DIHK-Bereichsleiter Digitale Wirtschaft, Infrastruktur, Regionalpolitik.

Branchenübergreifend seien viele Dienstleister aktuell in ihrer Existenz gefährdet. Auch Dokumentationspflichten, hohe bürokratische Auflagen und steigende Arbeitskosten setzten die Unternehmen unter Druck. „Hier braucht es dringend Entlastung“, fordert Binding.

Wöchentliche statt tägliche Höchstarbeitszeit

Außerdem bräuchten Betriebe mehr Flexibilität, um auf Nachfrageschwankungen reagieren und Personal bedarfsgerecht einsetzen zu können. „Starre Arbeitszeiten werden der Realität vieler Betriebe, gerade im Gastgewerbe, nicht mehr gerecht.“ Binding verlangt eine rasche Umsetzung der im Koalitionsvertrag vorgesehenen wöchentlichen statt täglichen Höchstarbeitszeit.

Die Forderung nach mehr Flexibilität bei der Arbeitszeitgestaltung kommt nicht überraschend. Das Thema wird derzeit auch innerhalb des Gastgewerbes intensiv diskutiert. So unterstützt inzwischen ein breites Bündnis aus 14 Wirtschafts- und Branchenverbänden die vom Dehoga initiierte Kampagne „Wochenarbeitszeit jetzt“. Die Verbände sehen in der Umstellung von einer täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit einen wichtigen Hebel, um Betriebe angesichts steigender Kosten, Bürokratie und Fachkräftemangel zu entlasten.

(dpa/SAKL)

Zurück zur Startseite

Weitere Themen

Zwei Gastronomen bei der Abrechnung
Umfrage
Umfrage

Dehoga schlägt Alarm: „7 Prozent Mehrwertsteuer auf Essen sind überlebenswichtig“

Die Lage im Gastgewerbe ist weiterhin angespannt. Der Dehoga befürchtet das sechste Verlustjahr in Folge für die Branche. Präsident Guido Zöllick fordert daher entschlossenes Handeln der Politik und Steuerfairness.
Kellner mit Essen und Maske
Branchen-Umfrage
Branchen-Umfrage

Gastgewerbe noch nicht über dem Berg

Das Gastgewerbe erholt sich nur langsam vom Lockdown. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Dehoga Bundesverbandes. Vor allem die Stadt- und Tagungshotellerie sowie das Eventcatering verzeichnen weiterhin erhebliche Umsatzausfälle.
Wintergarten im Kalle Neukölln
Neuordnung
Neuordnung

Kalles Markthalle wird umgebaut

Nachdem die Gastronomen seit Juli 2026 die Halle in Eigenregie weiterführen, beginnen jetzt Umbauarbeiten. Das Ziel: Mehr Atmosphäre und kürzere Wege in Kalles Markthalle und gleichzeitig mehr Besucherfrequenz durch neue Retailangebote.
Vier Mitarbeiter aus Rezeption, Küche, Service und Housekeeping stimmen sich in einem Hotelrestaurant vor der Schicht ab.
Kompetenzen
Kompetenzen

Soft Skills, die in Hotellerie und Gastronomie wirklich zählen

Fachwissen öffnet viele Türen, doch im Berufsalltag entscheiden oft Haltung, Kommunikation und Teamgeist. Welche persönlichen Stärken Bewerber für Service, Küche, Rezeption und Housekeeping mitbringen sollten – und wie sie sich überzeugend zeigen lassen.
Dr. Marcel Klinge
Warnsignal
Warnsignal

15 Prozent mehr Unternehmensschließungen in der Gastwelt

Die Unternehmensschließungen im Gastgewerbe sind 2025 deutlich gestiegen. Für 2026 zeigen sich zwar erste positive Signale – die DZG sieht darin aber noch keine Trendwende und fordert bessere Rahmenbedingungen.
Frau beim bezahlen im Restaurnat
Statistik
Statistik

Gastgewerbeumsatz im ersten Halbjahr 2026: Gastronomie mit stärkeren Einbußen als Hotellerie

Das deutsche Gastgewerbe erzielt im ersten Halbjahr nominal ein Umsatzplus. Preisbereinigt bleibt die Entwicklung jedoch rückläufig – mit stärkeren Einbußen in der Gastronomie als in der Hotellerie.
Essen zum Mitnehmen wird an der Theke überreicht
Regulierung
Regulierung

Neue EU-Verpackungsregeln: Was jetzt gilt

Neue EU-Vorgaben nehmen Lebensmittelverpackungen mit sogenannten PFAS ins Visier. Was die Regeln jetzt für Gastronomen bedeuten – und welche weiteren Änderungen bereits anstehen.
Clemens Fuest
Finanzpolitik
Finanzpolitik

19 Prozent auf alles? Ifo-Chef fordert einheitliche Mehrwertsteuer

Höhere Steuern und damit höhere Preise für Brot, Butter und Obst: Darauf zielt ein Vorschlag von Ökonom Clemens Fuest. Er will Einheitlichkeit bei der Mehrwertsteuer. Für die Gastronomie könnte das Folgen haben.
Außengastronomie
Umfrage
Umfrage

Außengastronomie bleibt im Sommer gefragt

Draußen speisen ist auch im Sommer 2026 beliebt: Eine Umfrage zeigt, wie weit Gäste für einen attraktiven Außenplatz fahren, wie lange sie bleiben und welche Bedeutung hundefreundliche Angebote haben.