„Frauenförderung stärkt die Zukunft des Gastgewerbes“
Frau Klezl, Sie führen einige der bekanntesten Traditionsbetriebe Wiens. Was bedeutet weibliche Führung für Sie im Gastgewerbe?
Weibliche Führung bedeutet für mich, Tradition mit Offenheit und Innovation zu verbinden und dabei unsere Betriebe zukunftsweisend zu gestalten. Es geht nicht darum, anders zu führen, weil man eine Frau ist, sondern darum, Führung so zu gestalten, dass Räume geschaffen werden, in denen alle ihr Potenzial entfalten können. Diverse Teams zu schaffen ist ein integraler Bestandteil davon.
Als Mutter und Geschäftsführerin: Wie gelingt Ihnen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – und wo stoßen selbst Sie an Ihre Grenzen?
Vereinbarkeit gelingt für mich durch klare Prioritäten und ein verlässliches Team. Die Kinderbetreuung teilen mein Mann und ich partnerschaftlich, wobei er aktuell einen großen Teil übernimmt. Gerade als Mutter von zwei kleinen Kindern stoße ich oft an Grenzen, wenn beide Bereiche gleichzeitig volle Präsenz erfordern. Dann sind sorgfältige Planung und ein verlässliches Umfeld entscheidend. Gleichzeitig ist es ein Ansporn, unsere Betriebe so zu gestalten, dass sie familienfreundlich und zukunftsweisend sind – für mich selbst und für alle Mitarbeiter.
Gab es auf Ihrem Weg Momente, in denen Sie gemerkt haben, dass Sie als Frau anders behandelt wurden als männliche Kollegen?
Solche Momente gibt es immer wieder. Ich habe gelernt, klar Stellung zu beziehen und meine Expertise selbstbewusst einzubringen. Offen über Erfahrungen zu sprechen, hilft, strukturelle Veränderungen anzustoßen und andere Frauen zu bestärken – besonders jene, die ebenfalls Familie und Verantwortung in unseren Betrieben vereinbaren möchten.
Wo steht das Gastgewerbe Ihrer Meinung nach in puncto Gleichberechtigung aktuell?
Das Gastgewerbe hat aus meiner Sicht in den letzten Jahren spürbare Fortschritte gemacht. Themen wie Gleichberechtigung sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erhalten zunehmend Aufmerksamkeit – auch durch wachsende Netzwerke, Austauschformate und Role Models. Leider wird noch zu wenig darüber gesprochen. Ich versuche, eine Änderung aktiv mitzugestalten und freue mich, dass ich mich hier mit tollen Frauen engagieren darf.
Welche Hürden erleben Frauen in der Branche aus Ihrer Sicht denn heute immer noch?
Stereotype Rollenerwartungen sind nach wie vor ein Thema. In der Branche insgesamt zeigt sich das etwa bei Karrierewegen, Arbeitszeiten und der Vereinbarkeit von Familie und Führungsverantwortung. In unseren Unternehmen versuchen wir, dem aktiv entgegenzuwirken: Bei uns sind viele Frauen in Führungspositionen und wir schaffen bewusst Möglichkeiten für die Vereinbarkeit von Kind und Beruf. Zudem fördern wir Netzwerktreffen für Frauen in der Gastronomie, um Sichtbarkeit zu erhöhen und gegenseitigen Austausch zu ermöglichen. Ein persönliches Ziel ist es, in allen Berufen und Bereichen unseres Unternehmens ein ausgeglichenes Verhältnis zu schaffen – auch bei historisch männlich besetzten Berufen.
Anlässlich des Weltfrauentags wird Ihr „Café Landtmann“ auch in diesem Jahr wieder zum „Café Stadtfrau“. Welches Ziel verfolgen Sie mir der Initiative?
Nach dem großen Erfolg im letzten Jahr wird das Café Landtmann auch in diesem Jahr in der Woche des Weltfrauentags vom 2. bis zum 8. März zur Stadtfrau. Es gibt ein inspirierendes Rahmenprogramm von und für Frauen mit Networking-Events, Paneldiskussionen und vielem mehr. Mit der Initiative Stadtfrau wollen wir Austausch und Vernetzung fördern und Sichtbarkeit für weibliche Perspektiven schaffen. Denn Sichtbarkeit und Anerkennung sind entscheidend: Sie stärken Frauen, schaffen Vorbilder und sind zukunftsweisend für unsere Betriebe und die gesamte Branche.
Warum ist eine gezielte Förderung von Frauen im Gastgewerbe aus Ihrer Sicht denn überhaupt notwendig?
Gezielte Förderung stärkt Frauen, vernetzt sie und schafft Chancengleichheit. In unseren Kaffeehäusern und Restaurants steht daher die Förderung sowie die Entwicklungsmöglichkeiten von Mitarbeiterinnen im Mittelpunkt. Das ist aus unserer Sicht nicht nur fair, sondern auch zukunftsweisend für unsere Branche. Veränderung passiert nicht automatisch, sondern muss mit Kraft angetrieben werden. Für eine starke Zukunft im Gastgewerbe. Veränderung braucht strukturelle Maßnahmen und das gemeinsame Engagement von Unternehmen, Branche und Führungskräften.
Der Fachkräftemangel beschäftigt die Branche stark. Sehen Sie in einer besseren Förderung von Frauen einen unterschätzten Hebel?
Ja, wenn wir Frauen gezielt fördern, ihre Karrierewege sichtbar machen und familienfreundliche Arbeitsbedingungen schaffen, können wir auch den Fachkräftemangel abfedern. Unsere vielen langjährigen Mitarbeiterinnen sind der beste Beweis dafür. Besonders die Möglichkeit, Karriere mit Elternschaft zu verbinden, ist der Schlüssel, um Wissen und Fachexpertise im Unternehmen zu halten und zu nutzen.
Haben junge Mitarbeiterinnen aus Ihrer Perspektive andere Erwartungen an Führung und Unternehmenskultur als noch vor fünf bis zehn Jahren?
Viele junge Mitarbeiterinnen suchen nicht nur einen Arbeitsplatz, sondern einen Ort, an dem sie etwas bewegen, lernen und sich weiterentwickeln können. Sie wollen teilhaben, Transparenz und die Möglichkeit, ihre Ideen einzubringen. Und genau das versuchen wir in allen unseren Betrieben zu fördern.
Was würden Sie einer jungen Frau raten, die heute eine Führungsposition im Gastgewerbe anstrebt?
Selbstbewusst sein und Grenzen klar abstecken, kontinuierlich dazulernen, Verantwortung übernehmen und ein starkes Netzwerk nutzen sowie aufbauen. Nie gab es so viele, schnelle und gute Aufstiegschancen wie aktuell im Internationalen Gastgewerbe und Tourismus.
Was müsste sich in den nächsten Jahren in der Branche verändern, damit Gleichberechtigung in der Gastronomie selbstverständlich gelebt wird?
Wir brauchen faire Aufstiegschancen, gezielte Förderung von Frauen und ein Bewusstsein dafür, dass Diversität Innovation und Qualität steigert. Austausch und Zusammenhalt sollten selbstverständlich sein, damit Gleichberechtigung nicht nur ein Ziel, sondern gelebte Realität ist.
Vielen Dank für das Gespräch, Frau Klezl!
(SAKL)