Belastungen

Gastgewerbe bleibt trotz 7 Prozent unter Druck

Gastronom bei der Abrechnung
Obwohl die Mehrwertsteuer in der Gastronomie reduziert wurde, stehen Gastronomen weiterhin vor Herausforderungen. (Foto: © Drobot Dean/stock.adobe.com)
Trotz gesenkter Mehrwertsteuer bleibt die Lage im Gastgewerbe angespannt. Beim Jahresauftakt des Dehoga wurde deutlich, welche Herausforderungen die Branche weiterhin unter Druck setzen – und welche politischen Änderungen jetzt gefordert sind.
Montag, 23.02.2026, 13:38 Uhr, Autor: Sarah Kleinen

Das Gastgewerbe in Sachsen-Anhalt sieht die seit Jahresbeginn geltende Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen zwar als spürbare Entlastung, schätzt die aktuelle Lage aber dennoch weiter als angespannt an. Beim Jahresauftakt des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Magdeburg verwiesen Branchenvertreter auf anhaltend hohe Kosten – unter anderem bei Energie, Personal sowie Lebensmitteln. 

„Es wird nicht einfacher“, sagte Sachsen-Anhalts Dehoga-Präsident Michael Schmidt. Es gebe weiterhin eine große Zurückhaltung der Verbraucher. 

Keine Preissenkungen in Restaurants erwartbar 

Die Bundesregierung hatte die Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie zum 1. Januar von 19 auf 7 Prozent reduziert. Dies sei ein wegweisender Schritt gewesen, sagte Schmidt. Dadurch würden Kalkulationen verlässlicher. Größere Preissenkungen für Gäste in Restaurants erwarten Branchenvertreter jedoch nicht.

Wirtschaftsstaatssekretärin Stefanie Pötzsch sagte, die Senkung der Mehrwertsteuer werde nicht zu niedrigeren Preisen führen. „Sie müssen erst einmal Luft holen“, sagte sie an die Gastronomen gewandt. Es gehe jetzt darum, ein Polster aufzubauen, um nachhaltig Betriebe erhalten zu können. 

Die Hauptgeschäftsführerin des Dehoga-Bundesverbands, Jana Schimke, betonte, dass sich die Auswirkungen der Mehrwertsteuersenkung nicht sofort bemerkbar machen würden. Es dauere mindestens sechs Monate bis dies greife.

Als größte Herausforderung der Gastronomie bezeichnete sie aufgrund einer Verbandsumfrage nicht etwa hohe Energiekosten oder gestiegene Lebensmittelpreise, sondern hohe Lohnkosten aufgrund des angehobenen Mindestlohns. Die dadurch gestiegenen Kosten seien auch mit der Senkung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent existenzbedrohend. 

Mehr zum Thema

Dehoga wirbt für Wochenarbeitszeit 

Als zentrale Baustellen nannte der Verband Bürokratieabbau und eine Reform des Arbeitszeitrechts. Der Dehoga wirbt dafür, die tägliche Höchstarbeitszeit durch eine wöchentliche Obergrenze zu ersetzen, um Dienstpläne flexibler an Spitzenzeiten anpassen zu können. 

Zahlen des Statistischen Bundesamtes, nach denen im vergangenen Jahr die Tourismusbranche deutschlandweit einen neuen Rekord bei den Gästeübernachtungen verzeichnete, konnte die Branche in Sachsen-Anhalt nicht bestätigen. Die Lage sei stabil mit leichten Rückgängen, sagte Staatssekretärin Pötzsch. Vor allem bei der Dauer von Übernachtungen und Aufenthalten gebe es noch Luft nach oben.

(dpa/SAKL)

Zurück zur Startseite

Weitere Themen

Dehoga-Präsident Guido Zöllick
Debatte
Debatte

Mehrwertsteuer in der Gastronomie: Dehoga appelliert an Olaf Scholz

Olaf Scholz sprach sich in den ARD-Tagesthemen für eine Senkung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes für Lebensmittel aus, ließ jedoch in Bezug auf die Gastronomie eine klare Stellungnahme vermissen. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband zeigt sich darüber nun enttäuscht und fordert vom Bundeskanzler eine eindeutige Antwort zur steuerlichen Gleichbehandlung der Branche.
Guido Zöllick
Statement
Statement

Dehoga: „7 Prozent stärken die Gastronomie“

Politik, die Wort hält: Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga Bundesverband) begrüßt den Beschluss des Bundesrats für das Steueränderungsgesetz. Die Entscheidung 7 Prozent stärke die Gastronomie und sichere Arbeitsplätze, Existenzen und soziale Treffpunkte.
Gereon Haumann
Mehrwertsteuer
Mehrwertsteuer

Dehoga will Klarheit bei Steuerplänen

Der rheinland-pfälzische Dehoga-Landeschef fordert von Bund und Ländern eine schnelle Entscheidung über die Mehrwertsteuer und Pendlerpauschale – sonst drohten Hunderte Betriebsschließungen.
Zwei Gastronomen bei der Abrechnung
Kontroverse
Kontroverse

Streit um geplante Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie

Die vom Bund in Aussicht gestellte Steuersenkung bringe dringend benötigte Entlastung für das Gastgewerbe, sagt der Hotel- und Gaststättenverband. Die Gewerkschaft hält das für eine Ausrede.
V. l. n. r.: Markus Söder (CSU), Ministerpräsident Bayern, Friedrich Merz (CDU), Bundesvorsitzender, Lars Klingbeil (SPD), Bundesvorsitzender, und Saskia Esken (SPD), Bundesvorsitzende
Bewertung
Bewertung

Das sagen Branchenverbände zum Koalitionsvertrag

Nach wochenlangen Verhandlungen steht der Koalitionsvertrag von Union und SPD. Für das Gastgewerbe enthält er viele wichtige Verbesserungen. Branchenverbände zeigen sich erfreut, sehen aber auch einige Kritikpunkte.
Dehoga-Präsident Michael Schmidt
Forderung
Forderung

Dehoga Sachsen-Anhalt fordert erneute Mehrwertsteuer-Senkung

Die Gastronomie hat ein durchwachsenes Jahr hinter sich. Steigende Preise und eine veränderte Urlaubsplanung der Gäste verstärken die Unsicherheit in der Branche. Der Dehoga in Sachsen-Anhalt fordert deshalb von der Politik, die Mehrwertsteuer für die Gastronomie erneut zu senken.
Friedrich Merz
Dehoga Branchentag
Dehoga Branchentag

Friedrich Merz für reduzierte Mehrwertsteuer in der Gastronomie

Beim Dehoga Branchentag diskutierten Spitzenpolitiker über die aktuelle politische Situation und die Herausforderungen im Gastgewerbe. Nicht nur Friedrich Merz sprach sich dabei für eine reduzierte Mehrwertsteuer in der Gastronomie aus. 
Seit dem 1. Januar 2024 gilt in der Gastronomie auch für Speisen wieder der normale Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent. (Foto: © picture alliance/dpa | Jens Kalaene)
Umfrage
Umfrage

Trotz regulärem Mehrwertsteuersatz ist die Lage nicht hoffnungslos

Seit Jahresbeginn müssen Gäste in Restaurants wieder den regulären Steuersatz zahlen. Eine Befragung in Rheinland-Pfalz zeigt deutliche Rückgänge bei Umsätzen und Gästezahlen, dennoch bleibt der Dehoga zuversichtlich.
Zwei Gastronomen bei der Abrechnung
Forderung
Forderung

Gastronomie stemmt sich gegen die Mehrwertsteuererhöhung

In der Branche wird die Kritik lauter: Sollte der alte Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent wieder eingeführt werden, könnte dies verheerende Folgen für die Gastronomie haben. Hans im Glück macht deshalb in einem offenen Brief deutlich, was eine erneute Steuersatzerhöhung bedeutet. Das Franchiseunternehmen ist mit seinen Bedenken nicht allein.