Nahostkonflikt

Iran-Krieg verschärft Wettbewerb um Flüssiggas – das sollten Gastro-Betriebe jetzt beachten

Kochen auf dem Gasherd im Restaurant
Gas gehört zu den wichtigsten Energieträgern in Profiküchen – steigende Preise könnten die Betriebskosten im Gastgewerbe erhöhen. (Foto: © NORN/stock.adobe.com)
Der Iran-Krieg bringt den Weltmarkt für Flüssiggas durcheinander, aber die deutschen Terminals werden weiter beliefert. Bleibt das so? Wie steht es um die Gasversorgung für den nächsten Winter? Und was bedeutet das für das Gastgewerbe?
Mittwoch, 22.04.2026, 15:34 Uhr, Autor: Sarah Kleinen

Sowohl die Produktion als auch der Transport von Flüssigerdgas (LNG) sind durch den Iran-Krieg erheblich gestört. Das hat auch Folgen für die Verbraucher in Deutschland und die hiesige Infrastruktur. 

Welche Folgen hat der Iran-Krieg auf die LNG-Produktion am Golf? 

Unter anderem attackierte der Iran zuletzt die weltweit größte Anlage Ras Laffan für den Export von LNG in Katar. Das Land ist einer der weltweit wichtigsten LNG-Produzenten.

Hinzu kommt, dass der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus zwischen dem Persischem Golf und dem Golf von Oman eine Zeit lang nahezu still stand. Durch die Meerenge werden sonst 20 Prozent des weltweiten Flüssigerdgases transportiert. 

Die Lage in der Straße von Hormus bleibt auch weiterhin volatil. Nach Rücknahme der Öffnung der Straße von Hormus durch den Iran ist der Preis für europäisches Erdgas deutlich gestiegen. An der Börse in Amsterdam legte die Notierung für den richtungweisenden Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat um fast sechs Prozent auf 41,02 Euro je Megawattstunde (MWh) zu.

Am vergangenen Wochenende hatte der Iran die angekündigte Öffnung der Straße von Hormus wieder rückgängig gemacht. Teheran geht dort militärisch gegen Schiffe vor. Für Spannungen sorgte vor allem die Seeblockade der USA in der Straße von Hormus: Die US-Marine hatte am Sonntag einen iranischen Frachter angegriffen und unter ihre Kontrolle gebracht. Irans Militär warf den USA „bewaffnete Seepiraterie“ vor und kündigte eine Reaktion an.

Der Iran-Krieg und die faktische Blockade der wichtigen Handelsrouten von den Fördergebieten am Persischen Golf durch die Straße von Hormus hatte den Gaspreis im März zeitweise auf 74 Euro je Megawattstunde getrieben. Vor dem Beginn des Iran-Kriegs lag der Preis bei etwa 31 Euro.

Was bedeutet das für die LNG-Lieferungen nach Deutschland? 

An den deutschen LNG-Importterminals in Wilhelmshaven, Brunsbüttel und Mukran auf Rügen hat der Iran-Krieg bislang so gut wie keine Folgen für den Umschlag, wie die Betreiber auf Anfragen mitteilen. 

Weiterhin laufen Tanker das Rügener LNG-Terminal in der Ostsee an und nutzen die gebuchten Umschlags-Slots, teilte der dortige Betreiber Deutsche Regas mit. „Bisher wurde seit Beginn des Iran-Kriegs ein Slot durch unsere Kunden nicht genutzt.“ Die Gründe könnten nur die Energiehändler selbst nennen.

Die bundeseigenen Deutsche Energy Terminal Gesellschaft (DET), die die schwimmenden Terminals Wilhelmshaven 1 und 2 sowie das Terminal in Brunsbüttel betreibt, teilt mit, die Kapazitäten im ersten Halbjahr 2026 komplett vermarktet zu haben. „Lieferungen aus der Golf-Region hatten wir seit Anfang 2023 nur sehr vereinzelt. Absagen von Cargos liegen an den DET-Terminals momentan nicht vor“, teilt ein DET-Sprecher mit. 

Im ersten Quartal 2026 sei an deutschen Küsten so viel Flüssigerdgas (LNG) ins Netz eingespeist worden wie nie zuvor. An den drei deutschen Terminals Brunsbüttel sowie Wilhelmshaven 1 und 2 kam Erdgas mit einer Energiemenge von mehr als 25 Terawattstunden (TWh) an. Das ist der bislang höchste Wert für einen Zeitraum von drei Monaten, wie die DET mitteilte. 

Die 25 Terawattstunden würden laut DET reichen, um rund zehn Prozent der Gesamtkapazität der deutschen Erdgasspeicher zu füllen. Im ersten Quartal 2025 waren nach DET-Angaben rund 10 Terawattstunden LNG eingespeist worden.

Woher bezieht Deutschland sein LNG? 

Fast alle LNG-Tanker, die an deutschen Terminals anlegen, kommen aus den USA. Nach Berechnungen des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) lag der Anteil der deutschen LNG-Importe 2025 aus den USA bei rund 94 Prozent.

Über die deutschen LNG-Terminals wurden 2025 insgesamt 106 Terrawattstunden (TWh) Erdgas importiert. Aus Katar hat Deutschland nach Angaben des Verbands dabei kein LNG bezogen.

Könnte sich der Iran-Krieg dennoch auf die LNG-Importe auswirken?

„20 Prozent des bisherigen LNG auf dem Weltmarkt fehlen. Davon ging zuvor ein großer Teil in Richtung Asien“, erklärt Gasexperte Sebastian Gulbis vom Beratungsunternehmen Enervis. Deswegen könne sich die Konkurrenz von Asien und Europa um LNG-Lieferungen verstärken.

Im Rahmen kurzfristiger Lieferungen sei es normal, „dass Schiffe flexibel einen anderen Markt anfahren, wenn sie dort mehr Geld verdienen können“, sagt Gulbis. „Das ist erstmal typisch, aber dieser Wettbewerb um diese Mengen, der wird sich jetzt natürlich deutlich verschärfen.“ Wenn etwa im Sommer in Europa die Speicher wieder befüllt werden sollen, Asien aber Gas für die Stromerzeugung etwa für Klimaanlagen benötigt, sei ein Preiskampf denkbar.

Für das Gastgewerbe liegt hier der entscheidende Punkt: Selbst wenn die Versorgung stabil bleibt, können sich steigende Marktpreise für Gas direkt auf die Betriebskosten auswirken. Laut Branchenverbänden zählt Energie neben Personal zu den größten Kostenblöcken in Gastronomie und Hotellerie. Nach Angaben des Dehoga machen Energiekosten in der Branche häufig über fünf bis zehn Prozent des Umsatzes aus. Steigende Gaspreise wirken sich daher unmittelbar auf Küchenbetrieb, Heizung und Warmwasser aus.

Hinzu kommt: Steigende Energiepreise wirken sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette aus. Sie erhöhen die Produktionskosten in der Ernährungsindustrie und treiben Transportkosten. Diese werden zumindest teilweise an die Gastronomie weitergegeben.

Wie sicher ist Deutschlands Gasversorgung aktuell?

Die Bundesnetzagentur hält die Gasversorgung derzeit für stabil, da Gas vom Persischen Golf für die deutsche Versorgung keine wesentliche Rolle spiele. LNG-Lieferungen beziehe man aktuell vor allem aus den USA. Allerdings könnten die Preiseffekte auf den Weltmärkten laut der Behörde je nach Dauer des Konflikts auch in Deutschland spürbar sein.

Im vergangenen Jahr kam das meiste Erdgas über Leitungen aus Norwegen. Auch über die Niederlande und Belgien erreichten Deutschland größere Mengen. Gut zehn Prozent der Gasimporte erreichten Deutschland über die neuen LNG-Terminals an der Nord- und Ostseeküste. Dieses Gas kam vor allem aus den USA. Kleinere Mengen kamen aber auch aus Äquatorialguinea. Anfang 2026 erreichte Deutschland auch LNG aus Kamerun und aus Gasfeldern vor Westafrika.

Was heißt das für den kommenden Winter?

Die deutschen Erdgasspeicher sind nach diesem Winter nur noch zu rund 20 Prozent gefüllt – das ist im Vergleich zu Vorjahren ein ziemlich niedriger Füllstand. Gleichzeitig sind die Gaspreise derzeit hoch.

„Gas ist für den kommenden Winter derzeit günstiger als für den Sommer verfügbar. Damit fehlen dem Markt derzeit jegliche ökonomischen Anreize zur Einspeicherung von Gas in die Speicher“, sagt Sebastian Heinermann, Geschäftsführer der Initiative Energien Speichern (Ines), einem Verband der Gasspeicherbetreiber. „Vor dem Hintergrund der historisch niedrigen Ausgangsfüllstände stellt dies ein erhebliches Risiko für die Vorbereitung der kommenden Winterversorgung dar.“

Für die Wiederbefüllung der deutschen Erdgasspeicher, deren Füllstände nach diesem Winter vergleichsweise niedrig sind, spielen LNG-Importe laut der Initiative Energien Speichern (Ines), einem Verband der Gasspeicherbetreiber, eine untergeordnete Rolle. Flüssigerdgas machte zuletzt einen Anteil von rund 10 Prozent an den deutschen Gasimporten aus. Die deutlich größere Importmenge von Gas erreicht Deutschland über Pipelines.

Energieexperte Gulbis sagt: „Ich hätte mir gewünscht, dass wir früher die Frage beantwortet hätten: Wie können wir die Versorgungssicherheit beispielsweise über eine strategische Speicherreserve sicherstellen.“

Wenn die Winterpreise steigen, etwa weil der Markt von einer längeren Krise ausgeht, könne es auch wieder ökonomisch sinnvoll werden Gas einzuspeichern. Falls solche wirtschaftlichen Anreize ausbleiben, hält Gulbis „eine Art Zwangsbefüllung der Speicher“ für möglich. „Und dann werden wir etwas bei den LNG-Importen sehen, und wir werden dann sicherlich auch steigende Preise sehen.“

Gerade für das Gastgewerbe ist diese Perspektive relevant: Steigende Energiepreise treffen Betriebe typischerweise in der kälteren Jahreszeit besonders stark – also dann, wenn Heizkosten zusätzlich ins Gewicht fallen. Bereits in früheren Energiekrisen hatten viele Betriebe mit stark steigenden Betriebskosten zu kämpfen, während die Preissetzungsspielräume begrenzt blieben.

Wie wichtig sind die LNG-Terminals, um leere Gasspeicher zu füllen?

Angesichts des Anteils von rund 10 Prozent (Gesamtjahr 2025) bei den deutschen Gasimporten spielen die deutschen LNG-Terminals eine eher untergeordnete Rolle bei der Befüllung der Gasspeicher, heißt es vom Verband Ines.

„Die LNG-Terminals in Deutschland sind dafür nicht zwingend erforderlich, aber können natürlich einen Beitrag leisten“, sagt Heinermann. Grundsätzlich werde Europa aber erhöhte LNG-Importe brauchen, um die im ganzen EU-Binnenmarkt zuletzt stark geleerten Speicher erneut zu befüllen. Die deutlich größere Importmenge von Gas erreiche Deutschland aber über Pipelines.

Besteht eine neue Abhängigkeit beim LNG von den USA? 

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hatte zuletzt mit Blick auf die LNG-Lieferungen aus den USA gewarnt, die USA seien unter Präsident Donald Trump ein „zunehmend unberechenbarer Partner“. „Donald Trump nutzt die Gaslieferungen gezielt, um Europa und Deutschland in eine fatale fossile Abhängigkeit zu drängen“, sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner in einer Mitteilung im Januar.

Aber: Fast 90 Prozent der Gesamt-Erdgasimporte nach Deutschland kamen 2025 per Pipeline nach Deutschland, vor allem aus Norwegen und den Niederlanden. Dennoch sagt Gasexperte Gulbis: „Wenn die US-amerikanischen LNG-Lieferungen komplett ausfallen würden, aus welchen Gründen auch immer, dann denke ich, haben wir einfach ein Problem.“

Für Betriebe im Gastgewerbe bedeutet das: Die Energieversorgung bleibt zwar stabil, aber die Preisentwicklung wird zunehmend von globalen Faktoren bestimmt – und damit schwer kalkulierbar.

Was Gastro-Betriebe jetzt beachten sollten

Auch wenn derzeit keine akuten Versorgungsprobleme bestehen, sollten sich Gastronomen und Hoteliers auf mögliche Preissteigerungen einstellen. Entscheidend ist dabei weniger die Verfügbarkeit von Gas als vielmehr dessen Kostenentwicklung.

Betriebe sollten daher ihre Energieverträge überprüfen und insbesondere Preisbindungen und Laufzeiten im Blick behalten. Ebenso kann es sinnvoll sein, den eigenen Energieverbrauch genauer zu analysieren, um Einsparpotenziale zu identifizieren. Brancheninitiativen wie die Dehoga-Energiekampagne zeigen, dass bereits durch gezielte Maßnahmen Einsparpotenziale erschlossen werden können.

Da steigende Gaspreise erfahrungsgemäß auch andere Kostenbereiche wie Lebensmittelproduktion und Transport beeinflussen, empfiehlt es sich zudem, die Entwicklung beim Wareneinsatz genau zu beobachten. Ökonomen gehen davon aus, dass Energiepreissteigerungen regelmäßig mit steigenden Lebensmittelpreisen einhergehen.

Die aktuelle Entwicklung zeigt: Globale Energiemärkte wirken sich zunehmend direkt auf die Kostenstruktur im Gastgewerbe aus. Eine vorausschauende Kalkulation und frühzeitige Anpassung von Preisen kann daher helfen, wirtschaftliche Risiken abzufedern. 

(dpa/Dehoga Bundesverband/SAKL)

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