Exklusiv-Interview

Johann Lafer über Geschmack, den Gastro-Nachwuchs und die Mehrwertsteuer

Johann Lafer und Sarah Kleinen
Johann Lafer unterhielt sich mit HOGAPAGE-Redakteurin Sarah Kleinen über die aktuellen Themen der Branche. (Foto: © HOGAPAGE/Sarah Kleinen)
Gartenparty der Extraklasse: Am 11. Mai 2023 lud Johann Lafer zu einem kulinarischen Erlebnis der Spitzenklasse in seinen Garten nach Guldental. Auch HOGAPAGE war mit dabei und nutzte die Gelegenheit, den Spitzenkoch über die aktuellen Themen der Branche zu befragen. 
Dienstag, 16.05.2023, 17:03 Uhr, Autor: Sarah Kleinen

Sie haben heute zu einer exklusiven Gartenparty eingeladen. Was hat Ihnen besonders gut gefallen?

Ich bin mit Leib und Seele Koch und verfolge eine gewisse Art meiner Philosophie des Kochens. Leider denkt man aber sehr selten oder nicht präzise genug daran, was man zum Essen trinken soll. Als die Anfrage an mich herangetragen wurde, dass ich mal darüber nachdenken soll, was bei einem gewissen Spektrum an Weinen von meiner Seite aus kulinarisch präsentiert werden kann, war das für mich schon eine Herausforderung. Denn ich musste mir einmal ganz bewusst überlegen und darüber nachdenken, was man als Grundprodukte einsetzen möchte und muss, um am Ende eine gewisse Harmonie mit den Weinen zu kreieren. Aber ich habe den Eindruck, dass es in den meisten Fällen ganz gut gelungen ist.

Sie sind Koch aus Leidenschaft, das merkt man gleich. Wie geben Sie diese Passion an den Nachwuchs weiter? 

Ich habe zum Beispiel letzte Woche in der Berufsschule in Bernkastel-Kues mit Auszubildenden einen Tag gekocht. Dabei habe ich ihnen von meinem Leben erzählt und ihnen Perspektiven aufgezeigt, damit diese Menschen einfach mal das Gefühl entwickeln können, dass nicht alles so schlimm ist, wie es dargestellt wird. Ich habe das Gefühl, dass diese Menschen oft auch nicht richtig aufgeklärt oder informiert werden, welche Chancen man tatsächlich hat. Und durch den Personalmangel werden auch oft Mitarbeiter über Gebühr belastet und überfordert, sodass sie dann irgendwann keine Lust mehr haben, den Beruf weiterzumachen und hinschmeißen. Da bin ich vehement dagegen. Und wenn wir als Vorbilder in der Branche uns nicht bemühen würden oder nicht dafür einsetzen und alles dafür tun würden, dass Menschen nicht nur studieren, sondern auch einen Handwerksberuf lernen, dann würde ich ein sehr schlechtes Gewissen haben.

Wo sehen Sie denn vielleicht eine Lösung, um wieder mehr Nachwuchstalente für die Gastro-Branche zu begeistern?

Es stimmt mich sehr traurig, dass wir öffentlichen Köche aus dem Fernsehen und darüber hinaus, es nicht geschafft haben, die Leute zu begeistern; so wie das zum Beispiel beim Fußball oder anderen Sportarten der Fall ist. Es ist uns nicht gelungen, eine solche Euphorie auch für die Küche auszulösen. Ich weiß nicht, warum. Offensichtlich habe ich in der Vergangenheit viele Fehler gemacht, die sich heute rächen. Und ich muss auch sagen, wir brauchen ganz viele Vorbilder. Ich glaube, der Fußball macht es uns vor: Die Stars motivieren hier junge Menschen, ebenfalls Stars werden zu wollen. Und wenn uns das in der Gastronomie ähnlich gelingen würde, dann würde ich sagen, haben wir sicherlich einen Schritt nach vorn geschafft. Aber zurzeit ist auch die ganze Arbeit an der Spitze meines Erachtens nicht richtig. Da muss viel mehr Image-Arbeit betrieben werden, eine emotionale Euphorie auszulösen. Und das geht nur mit sehr viel Nachdruck und mit sehr viel Detailarbeit.

Wie können Sie denn hierfür einen Anstoß geben?

Ich versuche schon vieles zu machen, aber das geht nur gemeinsam. Das geht nur von ganz oben nach unten und von unten nach oben. Das beginnt bei der Ausbildungsverordnung, das beginnt bei der Behandlung von Mitarbeitern. Kochen ist so vielfältig und bietet eine große Bandbreite, sodass man auch nicht bei allem, was die Menschen in diesem Berufsfeld machen müssen, von kochen sprechen kann. Und deswegen glaube ich, muss man einfach mal die Möglichkeiten aufzeigen, was dieser Beruf für eine Bandbreite bietet und auch den jungen Leuten eine Chance geben, diese Bandbreite kennenzulernen. Aber wenn man jeden Tag immer das Gleiche macht und keine Abwechslung hat, dann ist es so monoton, dass man auch kein Koch mehr ist.

Ein weiteres Thema, das die Branche derzeit sehr beschäftigt, ist die Forderung nach dem Beibehalten der reduzierten Mehrwertsteuer. Wie stehen Sie hierzu?

Die reduzierte Mehrwertsteuer von sieben Prozent ist natürlich ein wirtschaftlicher Vorteil und ich finde, wenn Kondome oder Pornoheftchen sieben Prozent Mehrwertsteuer haben, dann kann es nicht sein, dass Essen 19 Prozent hat. Das ist ein Ungleichgewicht in der gesellschaftlichen Bewertung bestimmter Ausgaben. Aber man muss auch fairerweise sagen, dass der Konsument und auch der Gastronom viele Jahre nicht ehrlich mit sich umgegangen ist. So wurden manchmal auch Dinge zu Konditionen verkauft, die nicht fair waren und auch nicht zu dem wirtschaftlichen Erfolg geführt haben, den man eigentlich haben müsste. So haben zum Beispiel Familienbetriebe ihre eigene Arbeitsleistung nicht berechnet und vieles mehr. Und man muss auch fairerweise sagen, dass die Gäste ebenfalls lernen müssen, dass Essen – gerade auch durch die Erhöhung der Lebensmittelpreise und durch die neuen Personalkosten – auch etwas kosten muss und darf. Dementsprechend müssen Gäste lernen, dass sich die Wertschätzung für gute Qualität und für gutes Essen auch in Form der Rechnung widerspiegeln muss. Man kann ja auch nicht mit einem VW-Käfer Formel 1 fahren. Das wird nicht funktionieren.

Zu guter Letzt: Sie kennen bestimmt auch unser HOGAPAGE-Magazin. Was gefällt Ihnen besonders gut daran?

Wenn man einen Gesamtüberblick über die Gastronomie und die Hotellerie in Deutschland haben möchte und wenn man wirklich auch schauen möchte, was in der Branche passiert, funktioniert und was wo stattfindet, dann kommt man an dieser Zeitschrift nicht vorbei. Das ist ein Magazin, das man einfach genauso liest, um sich immer wieder zu informieren und zu erfahren, was aktuell in der Branche geschieht und was wichtige Faktoren sind, die in Zukunft oder auch in der Gegenwart passieren. HOGAPAGE ist für mich ein Informationsmagazin, das ich einfach lesen muss, damit ich auf dem aktuellen Stand bin und bleibe.

Vielen Dank für das tolle Gespräch, Herr Lafer.

(SAKL)

Zurück zur Startseite

Weitere Themen

Verena Herzog
HOGAPAGE-Interview
HOGAPAGE-Interview

Verena Herzog über Lafers Gartenparty, die perfekte Weinbegleitung und ihre Liebe zum Wein

Verena Herzog ist Sommelière aus Leidenschaft. Ihr Wissen über Weine teilte sie auch mit den Gästen auf der Gartenparty von Johann Lafer am 11. Mai 2023. HOGAPAGE war mit dabei und sprach mit ihr über das Event, ihren Beruf und darüber, was eine gute Wein- und Sektbegleitung ausmacht. 
ervicekraft mit Tablett in einem modernen Restaurant, im Hintergrund ein weiterer Kellner.
IHK Befragung
IHK Befragung

Stimmung im norddeutschen Gastgewerbe hat sich gebessert

Eine Umfrage der IHK Nord zeigt: Hotels und Restaurants in Norddeutschland bewerten ihre Lage deutlich positiver als im Vorjahr. Die Reisewirtschaft meldet dagegen eine Verschlechterung.
Hand reicht eine McDonald’s-Papiertüte im McDrive durch das Ausgabefenster
Entlastung
Entlastung

McDonald’s begrüßt Mehrwertsteuersenkung und setzt ein Zeichen für seine Gäste

Das Unternehmen senkt im Zuge dessen die unverbindlichen Preisempfehlungen für fünf stark nachgefragte Menüs spürbar, teils um mehr als 15 Prozent – und setzt damit ein Signal an den Markt.
Kellner beim Abkassieren
Stabilisierung
Stabilisierung

7-%-Mehrwertsteuer: Warum der Dehoga nicht mit Preissenkungen rechnet

Der Bundesrat hat den Weg frei gemacht für eine Mehrwertsteuersenkung auf Speisen in Gaststätten. Doch Gäste werden wohl nur bedingt von der Steuersenkung profitieren. Der Dehoga Mecklenburg-Vorpommern erklärt, warum. 
Jahreswechsel 2025 auf 2026
Reformen
Reformen

Mehrwertsteuer, Mindestlohn, Minijobs – das ändert sich 2026

Das Jahr 2026 bringt einige neue gesetzliche Regelungen und Änderungen mit sich, die auch das Gastgewerbe betreffen. Ein Überblick, was auf die Branche zukommt.
Zwei Gastronomen bei der Abrechnung
Ratgeber
Ratgeber

7-%-Mehrwertsteuer in der Gastronomie: Was ist jetzt zu tun?

Die dauerhafte Rückkehr zur 7-Prozent-Mehrwertsteuer auf Speisen ist beschlossen – und bringt der Gastronomie ab 2026 endlich Planungssicherheit. Doch was müssen Betriebe jetzt konkret tun?
„7 statt 19!“-Petition
Kommentar
Kommentar

7 Prozent – ein überfälliger Schritt. Und ein mühsamer Weg dorthin.

Die dauerhafte Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen ist beschlossen. Für die Gastronomie ist das ein wichtiger Schritt – und das Ende eines langen, mühsamen Weges. Denn die Forderung nach sieben Prozent ist nicht neu. Auch HOGAPAGE hat sie bereits vor über zehn Jahren erhoben.
Guido Zöllick
Statement
Statement

Dehoga: „7 Prozent stärken die Gastronomie“

Politik, die Wort hält: Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga Bundesverband) begrüßt den Beschluss des Bundesrats für das Steueränderungsgesetz. Die Entscheidung 7 Prozent stärke die Gastronomie und sichere Arbeitsplätze, Existenzen und soziale Treffpunkte.
Gerhard Bruder, Homeira Amiri, Dr. Marcel Klinge und Christa Stienen
Statement
Statement

DZG begrüßt Mehrwertsteuersenkung und fordert verlässliche Standortpolitik

„Yes, we did it“: Der Bundesrat hat die Steuersenkung auf Speisen in der Gastronomie beschlossen. Die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) begrüßt die Entscheidung. Gleichzeitig fordert sie für die Zukunft eine verlässliche Standortpolitik.