Kochroboter versorgt Bundeswehr mit Essen
Getrüffelte Penne, Chili con Carne oder Kaiserschmarrn: In der Hugo-Junkers-Kaserne im schleswig-holsteinischen Alt-Duvenstedt können rund 900 Soldaten Gerichte aus einer autonomen Roboterküche bestellen. Seit April läuft dort ein Pilotprojekt mit dem CA-1 der Münchner Circus Group.
Die Anlage ist laut Unternehmensgründer und Geschäftsführer Nikolas Bullwinkel eine vollautomatische Küche auf rund sieben Quadratmetern. Im Inneren arbeiten zwei Roboterarme, die Zutaten aus etwa drei Dutzend Silos entnehmen und in rotierende Kochtöpfe geben. Sensoren überwachen die Abläufe und sollen Aufgaben übernehmen, für die beim herkömmlichen Kochen menschliche Erfahrung und Kontrolle erforderlich sind.
Nach wenigen Minuten sind die Speisen fertig und können aus einem von acht Ausgabefächern entnommen werden. Personal wird vor allem zum Befüllen der Anlage und für die Reinigung benötigt. Die Zutaten werden nach Angaben des Unternehmens bei sechs Grad Celsius gelagert, sodass die Kühlkette durchgehend eingehalten werden soll.
Bundeswehr testet Kochroboter bis Ende 2026
Der Pilotbetrieb in Alt-Duvenstedt soll noch mindestens bis zum Jahresende 2026 dauern. Seit dem Start im April hat die Anlage nach Schätzung Bullwinkels bereits mehrere Tausend Gerichte zubereitet.
Eine Kaufentscheidung hat die Bundeswehr bislang nicht getroffen. Der Kochroboter soll die bestehende Gemeinschaftsverpflegung ergänzen, nicht ersetzen. Nach Angaben des Verpflegungsamts wird das zusätzliche Angebot positiv angenommen. Es biete eine Alternative zu klassischen Kantinengerichten wie Schnitzel.
Auch die Kasernen-Kommandantin Romy Petersen zieht eine gemischte Bilanz. Während ihr zufolge einige Gerichte wie die Trüffel-Penne überzeugen, ist der Kaiserschmarrn besonders gefragt. Ihr persönliches Urteil über die Speisen fällt insgesamt jedoch unterschiedlich aus.
Anschaffungskosten von 265.000 Euro
Der große Kochroboter CA-1 kostet laut Circus Group rund 265.000 Euro. Hinzu kommen monatliche Servicekosten von bis zu 8.000 Euro. Für den Betrieb benötigt die Anlage Strom und Wasser. Das Unternehmen vergleicht den Stromverbrauch mit dem mehrerer großer Kühlschränke.
Neben dem CA-1 steht in der Kaserne ein kleineres Modell, das Suppen, Smoothies und Shakes zubereitet. Die Technologie soll künftig auch in anderen Bereichen eingesetzt werden. Bis Ende 2026 plant Circus Group nach eigenen Angaben rund 50 installierte Roboter, unter anderem bei Unternehmen, in Supermärkten und Kliniken. Zudem wird der Einsatz in der Ukraine bei Bodentruppen getestet.
Das Unternehmen sieht in KI-gestützter Robotik großes Potenzial für die automatisierte Lebensmittelproduktion. Die Maschinen könnten den gesamten Kochzyklus abbilden. Abgesehen von Burgern und Pizza sei grundsätzlich alles möglich, was sich in Töpfen zubereiten lasse.
Dehoga: Kochroboter ersetzen keine Fachkräfte
Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) bewertet den Einsatz autonomer Kochsysteme differenziert. Hauptgeschäftsführer Andreas Tedsen sieht in den Robotern keine Perspektive als Ersatz für Köchinnen und Köche in der Gastronomie.
Kochen sei Handwerk, Leidenschaft und Kreativität. Entscheidend seien Erfahrung, ein Gespür für Lebensmittel und die Fähigkeit, auf individuelle Gästewünsche einzugehen. Diese Kompetenzen prägten die kulinarische Vielfalt der Gastronomie.
Gleichzeitig könne Technik den Küchenalltag sinnvoll unterstützen und bei Routineaufgaben entlasten. Die Zukunft liege jedoch in gut ausgebildeten Fachkräften. Ein Roboter könne Rezepte abarbeiten, eine eigene kulinarische Handschrift entwickelten dagegen die Köche.
Neben Circus Group entwickelt auch das deutsche Unternehmen Goodbytz autonome Kochroboter. Seit September 2026 ist ein entsprechendes System an einer Tankstelle im Münchner Südosten im Einsatz.
Für Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung bleibt damit die Frage, wo automatisierte Küchenprozesse sinnvoll ergänzen können – und welche Aufgaben weiterhin von qualifizierten Fachkräften übernommen werden sollten.
(dpa/KAGI)